Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 19 (1.5.1848)
- Date
- 1848-05-01
- Page
- Seite 273 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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278 Auslagskästen und Handelsbuden ausließen. In Zeit von 5 Minuten waren sämmtliche Läden desLandelmarkts geschloffen, kein Jude mehr zu erblicken. Die rasch allarmirte Nationalgarde und Studenten sperrten die Gaffen, nahmen Einige der Unruhigsten gefangen, und stellten die Ruhe auf friedlichem Wege wieder her. Schmerzlich berührte es mich, unter der meuterischen Menge mehre der bessern Klasse Angehörige zu entdecken, die bei dem Zertrümmern von Höckerständen mit thätig waren. Die Antipathie gegen die israelitischen Glaubensgenossen ist eine so eingewurzelte, gleichsam mit der Muttermilch eingesogene, daß es lange dauern wird, bis hier jedes Vorurtheil verschwunden sein wird. Aber dies wird nicht früher schwinden, als bis den Juden völlige, uneingeschränkte Emanzipation gewährt ist. Auch unter der arbeitenden Klasse, besonders in den Fabriken werden Zeichen der Mißstimmung häufiger. Es sind dies alles Symptome einer gefährlichen Krise, an deren Ende wir noch bei Weitem nicht angelangt sind. Bei uns ist des Zündstoffes zu viel angehäuft, als daß nicht hie und da ein Funke fangen sollte. Gebe Gott nur, daß es zu keinem verheerenden Brande komme, und Alles so ablaufe wie bisher ohne ernstliche Störung des Friedens. Wien, 15. April. (Die neue Zeit.) Am 13. April wurde zwischen dem Minister des Innern und je eines Mitgliedes der Abgeordneten aus den verschiedenen Provinzen die Grundsätze der zu gebenden Konstitution berathen, und man hat sich hierbei über gewisse, Punkte als Norm für das in kürzester Zeit zu promulgirende Verfassungsgesetz vereinigt, unter denen wir hervorheben: „10) Alle Staatsbürger genießen Freiheit des Glaubens, der Rede, Presse, Petition, Assoziation-, innerhalb der durch die Gesetze bestimmten Schranken. 11) Volle Religions- und Gewifsensfreih ei t. 12) . Jeder christliche und israelitische Kultus hat freie Religionsübung und Gottesdienst. 13) Alle Staatsbürger genießen Gleichheit vor dem Gesetze, und Niemand kann seinem Gerichtsstände entzogen werden. Mitglieder der zweiten Kammer. Wählbar sind a l le Staatsbürger, Und esä ist darauf zu sehen, daß alle Interessen in der zweiten Kammer vertreten werden." Bückeburg, 20. April. (Privatmitth.) Der Unterzeichnete erlaubt sich, Ihnen beiliegende „Aufforderung an die Bürger Bückeburgs" zu übersenden, mit der Bitte, sie auch in Ihr hier vielgelesenes Blatt baldmöglichst aufnehmen zu wollen. Sie werden daraus den Stand unsrer Sache beurtheilen können. Leider ist hier weder von den Landständen noch von der Regierung für die Emanzipation der Juden Etwas zu erwarten und müssen wir unsre ganze Hoffnung auf das deutsche Parlament setzen, das uns mit Gottes Hilfe gewiß die Freiheit bringen wird. Aufforderung an die Bürger Bückeburgs. Bei dem Ungeheuern Umschwung, welchen in der jüngsten Zeit alle politischen Verhältnisse mit einem Male gewonnen, ist auch das schaumburger Land nicht zurückgeblieben, auch es hat seine Reformbewegung gehabt, und fast alle seine Wünsche find mit dem schönsten Erfolg gekrönt worden. Nur eine kleine Anzahl Menschen hat man dabei völlig außer Acht gelassen — die Israeliten! An ihrer mittelalterlichen, exzeptionellen Stellung ist nicht im Mindesten verändert worden, das neue Wahlgesetz schließt sie ausdrücklich von der aktiven und passiven Wählbarkeit aus, indem es die christliche Religion zur Bedingung macht. Bürger! soll es so bleiben? ist es wirklich Eure Meinung, in Eurer Mitte Unfreie, rechts lose und gedrückte Menschen zu dulden, denen man nichts weiter zum Vorwurf machen kann, als daß sie sich zu den Lehren des alten Testaments bekennen, das ja die Basis Eures Glaubens ist? Haltet Ihr es in Euerm Gewissen für gerechtfertigt, daß dem Häuflein Israeliten, das nicht die Macht besitzt, Etwas mit Gewalt zu erzwingen, auch ferner noch seine Menschenrechte vorenthalten bleiben sollen, nachdem Euch die Sonne der Freiheit aufgegangen ist? Das wäre undenkbar, unglaublich! Freilich habt Ihr Euch an der Sache der Freiheit, mit welcher die Sache der Israeliten Eins ist, schwer versündigt, daß Ihr nicht, wie die meisten Länder Deutschlands, in denen das Licht gesiegt über das dunkle Vorurtheil, die Gleichstellung aller Kulte in bürgerlichen und politischen Rechten in Eure Forderungen mit ausgenommen habt, die sicherlich vonunserm g erechtenFürsten nicht zurückgewiesen worden