Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 19 (1.5.1848)
- Date
- 1848-05-01
- Page
- Seite 272 (sequence 4)
- Language
- German
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272 dens, an Erlaß- und Jubeljahr, an das bestimmte Anrecht der Armen auf einen gewissen Bodenertrag), diese drei Grundgesetze wurden vom Gottesmann Mosche dem Volke Israel eingepflanzt, Und diese drei bewahrte Israel in^sich, so weit es dies vermochte unter den Völkern, ja diese drei sind eigentlich die, auf welche hin wir unter den Völkern auf Freiheit und Gleichstellung dringen konnten, also auch in seiner Verachtung war Israel der Träger und das Wahrzeichen dieser Grundgesetze. So folget hieraus, daß, wenn wir auch als Bürger und Volksglied, aufgehen müssen in die Bürger- und Volksgemeinschaft, wir dennoch diese drei Grundgesetze niemals aufgeben und sie wahren und tragen müssen, bis die Menschheit ebenso diese zu ihrer Grundlage gemacht, wie bis sie die Erkenntniß des einigen Gottes völlig zu der ihrigen gemacht. Meine Brüder! So haben wir uns deutlich gemacht, welche die Stellung Israels in der Gegenwart ist, und es ist leicht, das daraus zu ziehen, was Noch thut. Seid überall Bürger im rechten, vollen Sinne des Wortes. Das Wohl des Volkes ist unser eigenes, das Heil des Staates ist auch das unsre. Gewirkt was wir können, ohne zudringlich zu sein, geleistet, was wir vermögen, nicht aus Eitelkeit, sondern aus innerstem Drange, geholfen, so weit nur unsere Kräfte reichen! - Keine Absonderung, keine Ausschließung, keine Eigenthümlkchkeit mehr! Besonders aber auch in gewerblicher Beziehung. Ihr Eltern könnet jetzt Eure Kinder werden lassen und erziehen zu was ihr wollet, und sie Fähigkeit und Lust besitzen — also thuet es, führet sie in alle Zweige des Lebens, nicht mehr blos Handel, sondern Wissenschaft, Kunst, Gewerk, Arbeit, was es auch sei. Und was es ist, tüchtig, gründlich, meisterhaft! Dann aber im großen Ganzen festgehalten an die Grundgesetze unsers Volksdaseins: an Freiheit, Gleichheit und mögliche Befriedigung aller Menschenkinder! Diese müssen unser Augenmerk, unser Streben sein, so viele Opfer es auch kostet. Diese gebietet uns unsre Religion, diese unsre ganze Vergangenheit, und ohne sie wären wir noch heute — Knechte! Dann aber unsern Glauben, unsre religiöse Überzeugung festgehalten! Was wir vier Jahrtausende bekannt, was wir als Verfolgte und Gedrückte bekannt, sollte es jetzt schmählich von uns verlassen werden, da die Morgenröche der Freiheit aufgegangen? Jetzt, meine Brüder, jetzt erst wird unsre Religion die rechte Prüfung bestehen. Viele waren und sind, die höhnisch sprachen: ihre Religion wurde durch-die Knechtschaft zusammengehalten, vor der Freiheit wird sie sich auflösen. Strafen wir diese Lüge. Erkennen wir vielmehr, unsre Religion ist eine Religion der Freiheit, darum tritt sie in ihrer Glorie erst recht hervor in der Freiheit/ unsre Religion ist eine Religion der Wahrheit, darum erstarket sie gerade, da die Lüge und die Heuchelei ihre Macht verloren. Nein, wir sind frei, wir sind Bürger und gehören dem Volke an, und gerade darum bekennen wir unsre Lehre offen vor Königen und Völkern. Wir halten und halten an dem, der dem Volke der Elenden hilft, und die Stolzen demüthigt. Durch ihn überspringen wir Mauern, durch ihn wird unser Dunkel licht. Er gürtet uns mit Kraft und ebnet unsere Pfade — Amen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Wien, 15. April. Das in Kürze erscheinende Gesetz ertheilt das Wahlrecht und die Wählbarkeit jedem 25jahrigen Staatsbürger, so daß also auch für Oesterreich keine Berücksichtigung der Konfession bestehen bleibt. Prag, 17. April. (Konst. Bl. f. Böhm.) Wie sehr das Ansehen der Behörden gesunken, wie anarchisch unsere Zustände sind, zeigen die in letzter Zeit sich mehrenden Unordnungen, die man nicht verhüten konnte. Auch heute haben »-wir wieder einen derlei Skandal zu bedauern. Eine durch anrüchige Erzeugnisse der bereits massenhaft gewordenen Pamphleten- und Flugblätterliteratur in hohem Grade gereizte Stimmung gegen die Juden war Veranlassung davon. Schon vor einigen Tagen hatte sich diese Stimmung, die bereits den Charakter eines förmlichen Judenhasses angenommen hat, gegen einen jüdischen Handelsmann ausgesprochen, der den bisherigen Beschränkungen zuwider auf der Neustadt etablirt ist. Vorgestern Morgens fand man die Läden seines Handlungsgewölbes mit Todtenköpfen bemalt, und mit Aufschriftenwie: „Tod den Juden!" u. s. w. besäet. Heut früh geschah ein förmlicher Angriff auf diesen - Läden; - die herbeigerufene Nationalgarde zerstreute zwar balddie Unruhstifter, doch diese zogen nun gegen den unweit entfernten Tandelmarkt, wo sie ihre Wüth an Läden,