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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-05-01 · Heft 19 (1.5.1848) · p. Seite 271

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 19 (1.5.1848)
Date
1848-05-01
Page
Seite 271 (sequence 3)
Language
German
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271 ihn ward unser Dunkel licht, er gürtet uns mit Kraft und ebnet unfern Pfad! Nein, nicht nach Egypten zurück, nicht wegen Stockung des Erwerbes dje Freiheit verschmäht, nicht wegen Schwierigkeiten die Freiheit aufgegeben — II. Sondern erwägen wir, m. Fr., was ist es, wie wir es zu begreifen und'zu vollführen haben. Vor Allem, m. Br. u. Schw., gedenken wir, daß Alles ein Werk Gottes ist. Wer ist der Mensch, der sprechen kann, ich habe Solches gethan? Nein! die göttliche Vorsehung, sie ist hier wieder einmal aus ihrem Dunkel an das hellste Licht, aus ihrem Geheimniß in die klarste Offenbarung getreten; sie hat hier wiedereinmal zu Schanden gemacht die Schlange.nklugheit der Klugen, und den Stolz der Hoffärtkgen, und die Kraft der Rosse und Reiter, und gezeigt, daß alles Menschliche nichtig ist vor dem Willen deß, der spricht: Es werde! und es ward. Und mit dieser heiligenden Ueberzeugung, daß Alles Gottes Werk ist, betrachten wir, wie ist es mit uns, den Juden, also geworden? Wir waren zuerst ein Volk zusammenwohnend im eigenen Lande, fern im Osten. Dann ergriff uns ein räuberischer Gewalthaber und zerstreute uns über die ganze Erde. Blieben wir da ein Volk? Allerdings, denn man schloß uns aus aus der Gesellschaft, theklte uns besondere Wohnorte und Gewerbe zu, legte uns Schmach und Druck auf. Wir waren also zweitens ein zerstreutes Volk, die merkwürdigste Erscheinung der Welt, zerstreut,, vereinzelt, versplittert in allen Theilen der Erde, ohne äußern Zusammenhang, und doch ein Volk durch Sitte, Charakter, Gesetz, ja selbst Sprache, denn auch die Sprache der Väter war lebendig geblieben unter uns. Nun kam die Stunde der halben, theilweisen Freiheit. Wir zogen heraus aus den Judenvierteln, die Verfolgung hörte auf, viele Beschränkungen schwanden — aber ein Volk blieben wir auch noch da: denn wir hatten noch immer mit demselben Widerstand, mit derselben Zurücksetzung und um ein und dasselbe Ziel zu kämpfen. Siehe da! Nun ist es anders! Wir haben aufgehört eine besondere Stellung inmitten der Völker einzunehmen, wir sind wie Alle sind, wir haben kein besonderes politisches Interesse mehr, die Juden in Frankreich sind Franzosen, die Juden in Deutschland sind Deutsche. Sollten heute beide Völker in Kampf treten, wir frügen nicht: sind Juden im feindlichen Heere? Nein! wir bekämpfen sie. Wir sind frei geworden, aber darum haben wir auch aufgehört, ein Volk zu sein — was sind wir denn? Wir sind jetzt Nichts anders als eine Religionsgenossenschaft, eine Glaubensgemeinde, umschlungen von einer Lehre, einem Gottesgebot, einem Bekenntniß, aber nicht mehr von einem Volksverbande. Also dies ist der Weg, den Gott uns führte: wir waren ein zusammenwohnendes, eignes, freies Volk; dann ein zerstreutes, eignes, geknechtetes Volk; jetzt eine zerstreute, freie Glaubensgemeinde, die in Allem den Völkern, angehört, denen ihre Glieder einwohnen, und allein im Glauben zusammengehört, im uralten, viertausendjährigen Glauben! So haben wir, Israeliten, denn eine ganz neue Bahn betreten, eine Bahn, welche unsere Väter niemals gegangen, sondern die die göttliche Vorsehung erst für uns, ihre späten Enkel, Vorbehalten hatte. Und was folgt nun aus diesem Verhältniß, daß wir kein Volk mehr, sondern fortan eine Glaubensgemeinde sind? Der Schluß ist leicht: Einerseits, Alles was uns als Volk angehörte, was uns als Volk bezeichnete und eigenthümlich war, hört auf, wir müssen als Bürger aufgehen in die große Bürgergemeinschaft; andrerseits: was unfern Glauben betrifft, was diesem angehört, das können und müssen wir festhalten, denn es ist unser geistiges Wesen, wir können nicht anders, wir müssen es von innen heraus. Diesistwahr; aber es kommet doch noch ein» Anderes hinzu. Waren wir umsonst ein Volk vier Jahrtausende hindurch? Ist um Nichts das große Problem durch uns gelöst worden, daß ein Volk als Solches bestehen kann auch in der größten Zersplitterung, ohne Vaterland und Mittelpunkt? Und war umsonst unser Volk ein Solches, das zugleich im Glauben, in einem einigen Glauben bestand, so daß das Volk auf dem Glauben, und der Glaube auf dem Volk beruhete? Fürwahr, nein! Sondern es lagen von Beginn an in unserm Volksdasein bestimmte Grundgesetze ausgesprochen, zu deren Träger wir ebenso bestimmt waren, wie zum Träger der Lehre vom einigen Gotte. Welche sind diese Grundgesetze? Das sind 1) das Gesetz der persönlichen Freiheit, daß kein Sklave, kein Geknechteter sein solle in Israel, 2) das Gesetz der Gleichheit, daß kein Unterschied in Israel sein sollte zwischen Hoch und Niedrig, zwischen Vornehm und Gering, 3) das Gesetz, daß Jedermann ein gewisses Besitzthum haben. Niemand ohne genügende Befriedigung seines nothwendigen Lebensbedarfes sein sollte (ich erinnere an die gleiche Vertheilung des Bo-

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