Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 18 (24.4.1848)
- Date
- 1848-04-24
- Page
- Seite 264 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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das bedrohliche Unheil abwenden können, in solchem Augenblicke die Fahne von sich werfen und zum Feinde überzugehen, ist der abscheulichste Hochverrath, der je an der Menschheit begangen worden ist. Derselbe Herr K.. der proponirte: nur die Bessergesinnten seines Glaubens zu emanzipiren, zeigt sich nun als den Letzten und Schlechtesten unter ihnen angehörend, denn finis coronat opus. Und was sind die Ausflüchte, womit er seine Charakterlosigkeit rechtfertigen will? Er habe Reformvorschläge gemacht, und man weigert sich, sie anzunehmen. Abermals ein Beweis, wie tief der Mann noch steht. Er, der von der Religion kaum die nöthigsten Grundbegriffe erlernt, will reformiren. Es ist empörend, die Arroganz so weit sich versteigen zu sehen. Als wäre die Religion auf Aktien begründet, daß jeder beliebige Vorschlag Gehör verdiene. Daß wir einen solchen Mann aus unsrer Mitte geschieden wissen, ist kein Verlust; nur zu bedauern ist's, daß er nicht 3 Jahre früher das Hasenpanier ergriffen hat, es wäre manches von ihm Ausgegangene ungeschehen geblieben, und wir wären von der Toleranzsteuer, auch ohne die geopferte Million befreit worden, indem es ausschließlich sein Werk war, die ungarische Judenschaft zur Bezahlung von Fl. 1,200,000 — für Ablösung der Toleranzsteuer gleichsam zu nöthigen, obgleich die Hellersehenden sich dagegen sträubten und behaupteten, daß dieses Ueberbleibsel der Barbarei, auch ohne Opfer zu bringen, untergehen müsse. Derselbe Held, der durch Fanfaronaden sich an die Spitze zu stellen gewußt, flieht beim ersten Trompetenschall. Derselbe strebsame Reformgeist, verläßt den Glauben seiner Väter, wird katholisch und beschwört die Dreifaltigkeit. Es ist unbegreiflich, und nur eine in Aussicht stehende Finanzwürde oder Titulatur wird uns die Auflösung geben. Einige seiner Verwandten und Gleichgesinnte sind seinem Beispiele gefolgt, doch diese standen sozial frei da, und hatten außer der religiösen keine andere Verpflichtung aus sich, in ihrem Glauben zu verharren. Möge das ab hier eine Wahrheit werden und ein Würdiger an die Stelle des Nichtswürdigen das Ruder ergreifen. .. b .. —. In Fünfkirchen und Temesvar fand ebenfalls eine arge Mißhandlung der Juden statt. Doch scheint dies Uebel nun sein Ende erreicht zu haben. Pesth, 1. April. Eine große Volksversammlung hat es gestern abermals ausgesprochen. In einer Proklamation heißt es: „Das Vaterland hofft, daß Jedermann sich zu dessen Verteidigung erheben wird. Wir sind Alle gleich, es giebt nun weder Herren noch Frohnknechte mehr; wir sind alle Bürger des Staates, weder Sprachennoch Religionsunterschied trennt uns und soll uns auch nicht mehr trennen von einander." Afrika. London, 4. April. Der Pascha von Tripolis hat sich eine Beleidigung britischer Unterthanen zu Schulden kommen lassen, für welche England auf das Nachdrücklichste Genugthuung fordern wird. Ein Jude von Gibraltar, Hr. Moses Benjamin, besitzt einen Garten vor den Thoren der Stadt. In der Nacht vom 7. März brach der Polizeimeister von Tripolis unter dem Vorwand in dessen Haus ein, daß türkische Frauen darin versteckt gehalten würden. Keine Türkin fand sich. Dennoch wurde Hr. Benjamin und die übrigen Bewohner des Hauses, darunter Hr. Balensi, ebenfalls ein britischer Unterthan, fortgeschleppt und am nächsten Tage vom Pascha in vollem Divan dazu verurtheilt, die Bastonade zu empfangen. Frankreich. Paris, im April (Privatmitth.). Ich soll Ihnen einen Bericht über die hiesigen jüdischen Zustände inmitten der großen Bewegung, die sich Paris bemächtigt hat, geben. Sie verlangen mehr, als ich leisten kann. Denn in der ungeheuren Umwälzung, die hier vor sich gegangen, in der maßlosen Aufregung und Spannung, die Tag für Tag herrscht, verliert man die jüdischen Angelegenheiten um so mehr ganz aus den Augen, als es sich bei ihnen nur noch um innere Verhältnisse handeln, von einer besondern äußern Stellung der Juden gar nicht mehr die Rede sein kann. — Es ist hier sehr stürmisch. Zwar wird die Oberfläche noch so ziemlich ruhig gehalten; aber desto mehr wühlt es in der Tiefe, und das Ziel eines Ausbruchs könnte gar nicht abgesehen werden. Man hat das Bewußtsein der besitzlosen Klassen zu sehr angeregt, einen Theils, was sie materiell vermö-