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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-04-24 · Heft 18 (24.4.1848) · p. Seite 260

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 18 (24.4.1848)
Date
1848-04-24
Page
Seite 260 (sequence 4)
Language
German
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260 strationen Und Reden israelitischer Glaubensgenossen mit dem Vorstande der hiesigen jüdischen Gemeinde amtlich zu verhandeln Gelegenheit gehabt, und über den Inhalt eines auf einen speziellen Fall bezüglichen Privatgesprächs mit einigen ehrenwerthen Mitgliedern der hiesigen jüdischen Korporation habe ich öffentlich keine Rechenschaft zu geben, bin jedoch erbötig, dem Einsender, sobald er sich nennt und es wünscht, vollständige Auskunft zu ertheilen. Berlin,-den 9. April 1848. Der Polizeipräsident, v. Minutoli. Aus dem Großherzogthuw Posen, 17. April. Die Ereignisse im Großherzogthum Posen verwirren sich immer mehr, und lassen kaum noch eine friedliche Lösung erwarten. So viel steht fest: 1) daß die Polen zu revolutionär, zu entschieden, zu bedrohlich für die Juden und Deutschen aufgetreten .sind, und so die Reaktion der beiden Letzteren heraufriefen, 2) daß die Juden sehr entschieden sich dieser Reaktion anschloffen, und sehr thätig im Entgegenstreben gegen die Pläne der Polen waren. Daß nun von der polnischen Seite jetzt in Inseraten der „Zeitungshalle" und anderer Blätter mit einer grenzenlosen Erbitterung, namentlich über die Juden, hergesallen wird, ist erklärlich, und zeigt zugleich, welches traurige Loos die Juden nunmehr ereilen würde, wenn ^ie Polen die Oberhand gewannen. Daß von den Polen vielfach die Aufregung ausgegangen, ersieht man aus einem jüngern Erlasse des Generals v. Colomb vom 11. April, worin es unter Andern: heißt: „Wenn auch das in Deutschland lebendig erwachende nationale Bewußtsein für die polnische Nationalität lebhafte Sympathieen äußerte, so durften die Polen .sich dadurch doch auf keine Weise berechtigt halten, die gesetzliche Ordnung in der Provinz zu zertrümmern und regellose Gewalten zu entfesseln, das Eigenthum und die Person der deutschen und jüdischen Bevölkerung, die ihnen der Zahl nach ziemlich, der Berechtigung nach aber völlig gleichsteht, zu gefährden." — „Verletzungen des Eigenthums, besonders Plünderungen und Mißhandlungen der Juden, sind .in Dörfern und Städten häufig vorgekommen." — Noch in den jüngsten Tagen fand ein Pressen von -Juden in das polnische Heer z. B. m, Santomysl .statt; am 9. April Abends und in der Nacht fielen Unruhen in und um Pinne vor, wobei dem Eigen- Ihum der Juden arg mitgespielt wurde. — „Juden und Beamte" sind die Stichwörter der polnischen Berichte, um das Streben der Deutschen und Juden, deutsch zu bleiben, zu brandmarken. Magdeburg, 17. April. (Privatmitth.) Vor einigen Wochen erließ der Vorstand des hiesigen Handwerker-Unterstützungs-Vereins, eines sehr zahlreichen städtischen Vereins, in den natürlich auch jüdische Handwerker gehören — wie denn in Magdeburg jeder bürgerliche Unterschied aufgehört hat*) — und der die Unterstützung verarmter Handwerker zum Zwecke hat, an den vr. Philippson die Aufforderung, in der nächsten Generalversammlung des Vereins einen Vortrag zu halten „über die Stellung des Handwerkerstandes, seine Gebrechen, und wie ihnen abzuhelfen fei." Derselbe sagte zu, hielt diesen Vortrag am 4. April, und entwickelte darin besonders die Nothwendigkeit 1) von Bildung freier Innungen (von Zünften ist bekanntlich in Preußen Nichts mehr vorhanden) und dem Zusammentritt dieser Innungen in einen gemeinsamen Verband des Handwerkerstandes jeder Stadt, 2) einer gesetzlichen Gewerbeordnung, nach her die Betreibung eines Handwerks nicht mehr vom bloßen Gewerbeschein, sondern von gehörigen Lehrjahren, Gesellenjahren und Prüfung der Gesellen abhängig sein muß, 3) der Errichtung von Vorschußbanken für den Handwerkerstand Seitens des Staats und der Städte, wo der Handwerker zum schwungreichen Betriebe seines Gewerks Vorschüsse gegen Pfand »der Unterschrift des Handwerkerstandes erhalten könne. Der Vortrag schlug so ein, daß der Verein sofort den Druck des Vortrages auf seine Kosten (zu beziehen durch die Buchhandlung von Fabricius und Schäfer zu Magdeburg für 1 Ngr.) und die Wahl eines Komite's, um die Vorschläge weiter zu betreiben, veranlaßte, in welches Konnte natürlich der Dr. Philippson gewählt ward. Der Letztere legte nun dem Komite seine Vorschläge in Paragraphen ausgearbeitet vor, und nachdem dieselben in mehren Sitzungen berathen worden, berief das Konnte eine allgemeine Versammlung aller Handwerkermeister der Stadt am 16. April *) So bot z. B. die städtische Unterstützungskasse für arme Konfirmanden dem Redakt. d. Zeit, auch für jüdische Konfirmanden Unterstützung an.

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