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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-04-17 · Heft 17 (17.4.1848) · p. Seite 253

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 17 (17.4.1848)
Date
1848-04-17
Page
Seite 253 (sequence 9)
Language
German
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253 hat den Grundsatz, daß zum deutschen Parlament ohne Unterschied des Glaubens gewählt werde, ftstgestellt; der Ausschuß der 50 hat diesen in seinen Proklamationen nochmals verkündet; ja der Bundestag selbst hat ihn angenommen, indem er soeben verkündet: „2) daß in Beziehung auf die Wahl der Abgeordneten zur konstituirenden Versammlung auf jeden Fall bei der Wählbarkeit keine Beschränkung durch Vorschriften über gewisse Eigenschaften in Beziehung auf Wahlzensus oder Bekenntniß einer bestimmten Religion Vorkommen und eine Wahl nach bestimmten Ständen nicht angeordnet werden könne." Daß dies nun in allen deutschen Staaten geschehe — darüber haben wir zu wachen. Jede Angehörigkeit in dieser Beziehung muß sofort öffentlich besprochen, und dem Parlament zurAnzeige gebracht werden. — In Preußen ist es bereits geschehen. Die Wahl der Abgeordneten durch den Landtag, von dem die Juden ausgeschlossen waren, ist zurückgenommen, und das neue Wahlgesetz kennt keinen Unterschied an. In den deutschen Ländern, wo die Gleichstellung noch nicht ausgesprochen ist, müssen die Juden dieses Wahlrecht nicht aus den Augen lassen. Seid wachsam! — Der braunschweigischen Ständekammer ist ein Gesetzentwurf über Gleichstellung der Juden vorgelegt. Das proponirte Gesetz über die Aufhebung der Rechtsungleichheiten, welche Folge des Glaubensbekenntnisses sind, enthält in lakonischer Kürze die einfache Bestimmung, daß alle diese Ungleichheiten, sie mögen aus dem öffentlichen oder Privatrechte hervorgehen, aufgehoben sein sollen. Italien. Triest, 27. März. Die in Venedig konstituirte provisorische Regierung hat einen Israeliten in ihrer Mitte, den Herrn Pincherle als Handelsminister. Auch in Udine ist ein Israelit, Luzzati, Mitglied der provisorischen Regierung. Rom, 24. März. Die Israeliten haben verlangt, sich bewaffnen zu dürfen; eine große Anzahl derselben ist bereits bei den Freiwilligen eingeschrieben worden. (Journ. des De]).) Turin, 26. März. Das Edikt der Judenemanzipation im Königreich Sardinien ward am 25. März vom König vor seiner Abreise zur Armee unterzeichnet und sollte am 27. verkündigt werden. Die Juden in Turin zeigten besondern Enthusiasmus für die Nationalsache. Viele Privaten lieferten Pferde, Wagen, Geldbeiträge u. s. w. für die Armee. Rußland'. Warschau, 1. April. In der kritischen Lage der Dinge kann man sich nicht verwundern, daß der Czaar den so tief erniedrigten Juden Konzessionen macht. Werden diese sich täuschen lassen? Werden sie vergessen, was ihnen gedroht, und was unabänderlich wiederkehrt, wenn erst die Gefahr vorbei ist? Wer einmal gezeigt hat, daß er befähigt ist, Wehrlose in das tiefste Elend zu stürzen, um ihnen ihre Religion zu entäußern, Qualen zu erdenken/ ärger als die Folter des Mittelalters, um sie, wenn auch scheinbar, in seine Kirche zu führen — der wird unfehlbar zu seinem System zurückkehren, sobald ihm freier Spielraum geworden. — Hier ist eine Verordnung vom 24. März folgender Art erschienen: Denjenigen Juden aus dem Königreiche Polen, welche entweder im Dienste im stehenden Heere invalide geworden sind, oder eine gewisse Dienstzeit durchgemacht haben, sind zunächst alle diejenigen Vergünstigungen zu gestatten, welche in beiden Fällen dem christlichen Soldaten gewährt werden. Außerdem ist den Juden dieser Kategorie das freie Ansiedlungsrecht in Warschau und allen übrigen privilegirten Städten des Landes gestattet; ferner sind diejenigen unter ihnen, welche Ackerbau treiben, von der Koschersteuer befreit. Endlich ist ihnen noch die Vergünstigung zuerkannt, daß sie Ansprüche machen können auf die niederen Beamtenstellen bei den Staats- und städtischen Behörden, jedoch nur soweit diese Stellen außerhalb der Rangklaffen sind. Großbritanieu. London, 4. April. Endlich kam heute die Bill über die Emanzipation der Juden im Unterhause wieder zur Verhandlung. Sir R. Jnglis protestirte noch einmal, und wollte die Katholiken auch wieder ausgeschlossen wissen. Allein die Bill wurde mit entschiedener Majorität angenommen. Montag wird sie zum dritten Male verlesen. 17*

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