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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-04-17 · Heft 17 (17.4.1848) · p. Seite 250

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 17 (17.4.1848)
Date
1848-04-17
Page
Seite 250 (sequence 6)
Language
German
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250 Offenes Sendschreiben an den Herrn Polizeipräsidenten Dr. v. Minutoli Hochwohlgeboren in Berlin. Königsberg t. Pr., 4. April 1848. Zn unsrer heutigen Zeitung (Nr. 80) finde ich unter „Berlin, 31. März" folgende Stelle: „Dem Vorstande der hiesigen jüdischen Gemeinde ist von dem Polizeichef eine Aufforderung zugegangen, bei den Mitgliedern der Gemeinde dahin zu wirken, daß dieselben sich von Demonstrationen und öffentlichen Reden fern halten möchten, weil dies ihrer Aller Sache Nachtheil bringen könnte. Vielleicht soll sich dies auf eine Anzahl israelitischer Glaubensgenossen beziehen, welche sowol hinter den Barrikaden wie in den Debatten öffentlicher Versammlungen sich bemerkbar gemacht haben." Es ist dies gewiß ein sehr menschenfreundlicher Rath, den Einer der berliner Israeliten aus dem ancien regime den Seinigen dadurch zu geben gedenkt, von der Ansicht ausgehend, daß es den Juden nicht zieme, Theil zu nehmen an dem Kampfe für die Freiheit des Vaterlandes, sei es durch Wort oder Lhat. Wahrscheinlich kennt dieser wohlmeinende Rathgeber noch die Zeit der Schutzjuden, und ist glücklich, daß diese Zeit vorüber ist, und glaubt, mehr zu verlangen sei Sünde. Dem sei nun wie ihm wolle, wir wollen nicht weiter mit diesem rechten, daß aber Ihr so klangvoller Name dabei kollidirt (unter Polizeichef verstehe ich nur Sie, Herr Präsident), setzt mich in Erstaunen. Ist die obige Bemerkung, was ich hoffe und wünsche, eine Erdichtung, so wird es an Ihnen sein, derselben öffentlich zu widersprechen; sollte sie dagegen auf eiüer Thatsache beruhen, so ersuche ich Sie hiermit so dringend als ergebenst, die Motive, welche Sie dabei geleitet haben, zur öffentlichen Kenntniß zu bringen, denn es ist in der Thal nicht einzusehen, weshalb Sie, wenn es Ihre wahre Ueberzeugung ist, den Vorstand der jüdischen Gemeinde in Berlin zum Vermittler gewählt, dieselbe auszusprechen*). *) So viel wir sehen können, bezieht sich die fragliche Mittheilung der Königsberger Zeitung auf eine Privataußerung, welche Herr v. Minutoli in wohlwollender Absicht gegen einige angesehene Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde that, meist in Folge eines ganz speziellen von einem ziemlich unzurechnungsfähigen jungen Menschen jüdischer Herkunft veranlaßten judenfeindlichen Stadtgeklätsches. So viel können wir gleich aus Gewichtige Gründe veranlassen mich, meinen Namen für jetzt der Oeffentlichkeit vorzuenthalten; ich will mich indessen ebenso wenig hinter die mir verhaßte Anonymität verstecken und habe demzufolge meinen Namen der wohllöbl. Redaktion dieses Blattes mitgetheilt, um Ihnen solchen, Falls es Ihnen darum zu thun sein sollte, zu nennen. A — Aus dem Großherzogthum Posen, 1. April. Die D. A. Z. läßt sich Folgendes schreiben: Der überall jetzt sehr thätigen polnischen Insurrektion tritt jetzt hier eine Reaktion von einer Seite entgegen, von welcher es die Polen wol am Wenigsten vermuthet haben, von Seiten nämlich der Bauern und Juden, denen sich denn die deutschen Bürger anschließen. Sie wollen keine Polen sein, wenigstens nicht unter polnischer Herrschaft, sondern Preußen bleiben. Wahrend die polnischen Gutsbesitzer, besonders die Damen, polnische Kokarden austheilen, verweigern diese sie anzunehmen und kaufen sich in Masse preußische Kokarden, um sie zu tragen. An vielen Orten haben sie den polnischen Gutsherren erklärt, daß, wenn sie nur die geringsten Schritte zur Herstellung einer polnischen Regierung thaten, sie sofort todtgeschlagen werden würden. Am 28. Marz haben die Juden in Kempen das Haus des polnischen Dr. Gora stürmen wollen, weil er polnische Kokarden vertheilt hatte. Schwerin (Mecklenburg), 5. April. (Privatmitth.) Auch im Norden wehet die goldene Fahne einer bessern Zukunft, die mit der g.H. auch unseren Glaubensgenossen erscheinen wird, man erkennt auch hier, daß die jüdischen Deutschen genugsam durch die Nacht- und Blutfarbe des deutschen Banners gewandert sind, auch sie sollen der goldenen gesetzmäßigen Freiheit theilhaftig werden. In den hier gedruckten 20 Forderungen des mecklenburgischen Volkes heißt es im siebenten Artikel: Völlige Gleichstellung aller Konfessionen. Und zum Beweise, daß nicht nur einzelne Stimmen im Volke, sondern die ganze Masse von diesen Wünschen und Forderungen beseelt ist, möge die Lhatsache dienen, daß Herr Dr. Marcus, ein in allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung durch seine Rechtlichkeit und Uneigennützigkeit sehr beliebter eigener Wissenschaft in Betreff der obigen Anfrage versichern. D. Red.

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