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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-04-17 · Heft 17 (17.4.1848) · p. Seite 249

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 17 (17.4.1848)
Date
1848-04-17
Page
Seite 249 (sequence 5)
Language
German
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249 gefordert und von unserm Erbgroßherzog bereitwilligst gewährt worden: An den verehrlichen Vorstand der israelitischen Gemeinde dahier. Geehrte Herren! Voll der Freude, die jeden guten Bürger in diesen Lagen beseelt über die Freiheit, die ein gebildetes Volk begehrt, ein hochherziger Fürst willfahrt und edeldenkende Männer mit aller Aufopferung beschirmen werden, folge ich nur dem Drang meines Herzens, Sie, die Vertreter der israelitischen Gemeinde dahier, zu begrüßen. Die Freiheit, die uns geworden ist, hat die Schranken niedergerissen, die uns der Abfall vom wahren Christenthum errichtet und ein finsterer Geist bis in die jüngste Zeit gehalten hatte, die aber nie vor einem erleuchteten Christenthum, das in der Liebe seine Erfüllung sieht, und in dem Bewußtsein aller Gutdenkenden bestanden haben. Sie sind zu den Rechten gelangt, die zu den unveräußerlichen Menschenrechten gehören. Wenn auch nicht als Organ der hiesigen protestantischen Gemeinde autorisirt, glaube ich aber dennoch, im Vertrauen auf den in dieser Gemeinde waltenden Geist, Ihnen die Versicherung geben zu können, daß, wie ich, so alle Glieder derselben Ihnen brüderlich zu den errungenen Gütern Glück wünschen. So lassen Sie uns denn Hand in Hand gemeinschaftlich dahin arbeiten, uns zu Menschen zu bilden, die des göttlichen Bildes, das sie in sich tragen, gewiß in der Offenbarung desselben durch Wort und Lhat das Ziel ihres Lebens erkennen. Zur Besiegelung dieses Bundes reiche ich Ihnen die Hand und bitte um die Ihrige, Ihr ergebenster (gez.) Otto Nonweiler, Freiprediger. Mainz, 13. März 1848. Berlin, 7. April. Wie kraus die hiesigen Zustände und Stimmungen sind, kann man z. B. aus folgenden Artikeln der „Zeitungs-Halle" sehen: „Ansprache einer Bürgerin an alle Wohlgesinnten! Nach vollbrachter Revolution haben in Klubs und Volksversammlungen überspannte Menschen aus den verschiedensten Regionen in ihren müßigen Stunden versucht, das Volk aufzureizen, ihre Bemühungen sind aber an dem edeln, kräftigen Sinne desselben, der sich so glänzend bewährt hat, gescheitert und der ausgestreute Samen der Zwietracht im Keime erstickt worden. — Dessenungeachtet haben sie Nachtheile hervorgerufen, wenn auch nicht in dem Sinne, wie sie es gewollt, doch nicht minder betrübend. Es sind unter ihnen Bekenner aller Religionen, auch einige der jüdischen, und gegen diese Letzteren scheint sich der Abscheu, den Ruhestörer im Allgemeinen wol verdienen, besonders zu wenden. Wie schmerzlich, wie kränkend muß dies den übrigen jüdischen Bewohnern Berlins sein, die sich bewußt, auf die Achtung und Liebe ihrer Mitbürger Anspruch machen zu können, sie, die die ganze inhaltschwere Zeit mit ihnen durchleben, mit ihnen gekämpft, gehofft, gefürchtet haben, die nun sich freuen, daß das neu aufgehende Licht der Freiheit gleich der Sonne, welche ihre wohlthuenden Strahlen selbst dem verborgensten Winkelchen der Erde sendet, endlich auch die Dunkelheit des irrigen Wahnes verscheuchen wird, welcher eine Schranke zwischen Mensch und Menschen war! Nicht wahr, meine Mitbürger! Das grause Vorurtheil ist verschwunden, Ihr, die Ihr nach Freiheit und Gerechtigkeit strebtet, werdet, nachdem Ihr dies werthvolle Gut errungen, nicht selbst Unduldsamkeit gegen Eure Brüder ausüben wollen, nein, Eure Herzen, in denen wir Alle jetzt deutlich gelesen, können keinen so unedelen Regungen Raum geben, sonst müßtet Ihr Euch ja selbst sagen: „die Freiheit nach der wir gestrebt, wir verdienen sie nicht, denn nun, nachdem wir alle Fesseln von uns abgestreift, sollten wir Anderen welche anlegen und sie unter diesem Drucke seufzen lassen!" Ihr werdet nicht um einiger kranken Zweige willen, die wir Alle mit Euch ausgerottet zu sehen wünschen, den ganzen Baum verachten, um einiger, im Jrrthum befangenen Menschen willen eine ganze Nation schmähen, indem Ihr diese Ersteren nur mit dem Namen „Juden" bezeichnet.-Nein, Ihr wißt ja, daß es Licht und Schatten und edle und schlechte Menschen giebt unter allen Nationen und Konfessionen. Strebet also, vereint mit uns, diese Letzteren unschädlich zu machen, aber wahret Euch, ich bitte um Eurer selbstwillen darum, daß nicht jenes veraltete Vorurtheil einer Gottlob verflossenen Zeit, die mit allen ihren Mißbräuchen begraben ist, auf's Neue in Eure geläuterten Herzen einziehe. Berlin, 6. April 1848. L. W."

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