Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 16 (10.4.1848)
- Date
- 1848-04-10
- Page
- Seite 240 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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240 es auch innigster Wunsch ist, daß das neue Gebetbuch endlich einmal erscheinen möge. Peckelsheim (Kreis Marburg), 25. März. In hiesiger Stadt war gestern große Unruhe. 600 Landwehrmänner aus den umliegenden Ortschaften versammelten sich zum Appell; nachdem dieser beendigt war, kam eine Horde von diesen Landwehrmännern in die Stadt, durchzog lärmend die Straßen, drang in die jüdischen Häuser, plünderte und raubte, was da war, warf die Fensterscheiben ein und zertrümmerte die Möbel. Obgleich nun zur Dämpfung dieses Unfuges 100 Mann genügt hätten, so sahen, mit Ausnahme einiger Handwerker, Tagelöhner, des Schützen-Commandanten und Schützen-Adjutanten, welche sich recht brav benommen haben, die hiesigen Bürger es ruhig und lachend mit an, wie von Auswärtigen ihren jüdischen Mitbrüdern Alles zertrümmert wurde. Sind Bürger, die Solches thun, zur Freiheit reif? Keine Selbstregierung ohne Selbstwehr. Die Bürgerwehr ist ein nothwendiges Institut der öffentlichen Freiheit. Es muß die Bürgerpflicht der thätigen Mitwirkung für den öffentlichen Frieden, wie in England, durch das Strafgesetz sanktionirt werden — und ferner ist die Entschädigungpflicht der Gemeinden für in ihrem Umkreise verübte gewaltsame Beschädigungen — unseres Erachtens — eine von der Gesetzgebung möglichst bald aufzustellende Folge der gestatteten oder verordneten Errichtung der Bürgergarden. (Köln. Ztg.) Magdeburg, 2. April. Das neue Ministerium Preußens hat Arnim und Schwerin ausscheiden, und Hansemann und Camphausen eintreten sehen. Diese sind erst die Männer, welche über die Gleichstellung der Juden keinen Zweifel mehr lassen. Beide haben für völlige Emanzipation gestimmt. Camphausen hat sich für dieselbe unumwunden ausgesprochen. Hansemann vertheidigte die Stellung der Juden durch alle Paragraphen hindurch: er hat in den Debatten über das Judengesetz 29 Mal — sage neunundzwanzig Male — das Wort genommen. Er war es, der, als alle ständischen Rechte ihnen abgesprochen waren, durch eine neue Debatte einen Theil derselben für sie zu retten suchte. — In Leipzig hat eine Versammlung von Geistlichen ftattgefunden aus allen Konfessionen (von jüdischer Seite der Prediger Jellinek), die an die zu Frankfurt am Main wegen deutscher Bundesreform versammelten deutschen Männer eine Aufforderung erlassen hat, sowol die bürgerliche Gleichstellung aller Konfessionen als die Unabhängigkeit der Kirche vom Staate auszusprechen, von wo sie allein ein neues Erblühen der Religion sich versprechen können. — Auch in Mecklenburg fängt die Bewegung an eine ernstlichere zu werden. Es sind jetzt dem Großherzog Forderungen des Volkes übergeben, unter denen die bürgerliche Gleichstellung aller Konfessionen obenan steht. — Die wHrttembergische Kammer ist aufgelöst worden, ohne daß der Antrag wegen bürgerlicher Gleichstellung zur Diskussion kam. Das Ministerium will eine wahre'D-lkskammer um sich sehen. — Auf die Thronrede Hes neuen Königs von Baiern liegt der Entwurffper Antwortsadresse der Abgeordnetenkammer vor, in-welchem es heißt: „8) Möge sich das von Ew. Maj. angekündigte Gesetz über die Verbesserung der Verhältnisse der Israeliten zu dem höhern Grundsätze dev Gleichberechtigung aller Konfessionen und ihrer Bekenner in allen Verhältnissen zum Staate erheben, damit der Gleichheit des Gesetzes auch die Gleichheit vor dem Gesetze entspreche." Dieser Entwurf ist angenommen. — Das neue Wahlgesetz für Anhalt-Dessau kennt den Unterschied des Glaubens nicht mehr. Magdeburg, 3. April. Die Propositionen des Ministeriums an den vereinigten Landtag enthalten im zweiten Entwurf den §. 5: „Die Ausübung staatsbürgerlicher Rechte ist fortan von dem religiösen Glaubensbekenntnisse unabhängig." Es ist nicht zu bezweifeln, daß der Landtag diesen §. annimmt, und dann ist die Gleichstellung der Juden in Preußen gesetzlich ausgesprochen. — Sobald der Landtag geschloffen ist, wird unsre Petition um sofortige Aufhebung des ministeriellen Reglements bezüglich der Taxe des Zivilstandsregister der Juden rc. an den Justiz minister abgehen. Ungarn. Preßburg, 24. März. Wie schon gemeldet, fand in Preßburg eine Verfolgung der Juden in Folge des Eintritts Mehrer in die Nationalgarde statt. Am 20. d. M. erschien hier nachstehendes Plakat: „Bür-