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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-04-10 · Heft 16 (10.4.1848) · p. Seite 239

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 16 (10.4.1848)
Date
1848-04-10
Page
Seite 239 (sequence 5)
Language
German
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239 ziehen dazu. Alles ein, was eine Waffe tragen kann, sei es Jude, sei-es Deutscher. Bis zum 50. Lebensjahre, wird Niemand ausgeschlossen. — Der Schrecken, der sich der Juden im Großherzogthum Posen bemächtigt hat, läßt Viele.auswandern, und aus manchen Städten sind schon Hunderte weggezogen.— . , In den süddeutschen Staaten scheint die Sache der Gleichstellung wieder schwach geworden zu sein. Weder in Baden, noch-Württemberg, noch Großherzogthum Hessen ist es bis heute zur Entscheidung gekommen. In der Sitzung der zweiten Kammer zu Darmstadt am 17. März stellte der Abg. Freiherr v. Nord eck folgenden Antrag: . „Der Forderung der Zeit kann nur. unbedingte Religionsfreiheit genügen; von diesem Grundsätze ausgehend, hat der großh. Hess. Minister des Inneren, Freiherr v. Gagern, unterm 7. d. M. dieser hohen Kammer erklärt, daß fortan das Bekenntniß oder die Ausübung irgend welcher religiösen Ueberzeugung keinerlei Beschränkung politischer oder bürgerlicher Rechte zur Folge haben solle, und die unverzügliche Vorlage eines Gesetzesentwurfes in diesem. Sinne .zugesagt. Daß dle Kammern diesem Gesetzentwürfe im Prinzipe beitreten werden, ist unzweifelhaft, und somit wird in nächster Zeit die vollständige Gleichstellung der Bekenner mosaischen Glaubens im Großherzogthum Hessen mit allen christlichen Konfessionen gesetzlich feststehen. Zu den Versprechungen, welche im Jahr 1815 durch die deutsche Bundesakte dem deutschen Volke gemacht wurden, gehört nach Art. 16 der Bundesakte: „Daß den Bekennen des jüdischen Glaubens in Deutschland der Genuß der bürgerlichen Rechte gegen die Uebernahme aller Bürgerpflichten in . den Bundesstaaten verschafft und gesichert werden solle." Im Großherzogthum Hessen, so wie in vielen anderen Ländern des deutschen Vaterlandes ist dieses Versprechen nunmehr zur Wahrheit geworden, oder wird es doch in nächster Kürze werden. Allein es fehlt nicht an deutschen-Ländern, welche dieser gerechten Forderung der Zeit bis jetzt keine Rechnung zugetragen haben. Unserer erleuchteten Regierung steht als Glied des deutschen Bundes das Recht und die Pflicht zu, darauf zu dringen, daß der Art. 16 der Bundesakte in ganz Deutschland zur Wahrheit werde, und darauf: die Regierung zu ersuchen, daß dies baldigst geschehe, ist mein Antrag gerichtet." Aus Wien schreibt man vom 18.März: Gestern war die Leichenfeier der während unserer glorreichen Revolution gefallenen 29 Opfer,.worunter auch 2 Juden. Alle, ohne Unterschied, wurden in ein gemeinsames Grab gelegt. Eine ungeheuere Menschenmenge begleitete'diesen Zug. An der Seite der christlichen Geistlichkeit gingen der erste israelitische Prediger, Hr. Mannheimer, und der israelitische Kantor, Hr. Sulzer; ersterer hielt eine.Grabrede, die allgemeine Rührung hervorbrachte und zu den besten gehörte. — heute wurde bereits ein erster Schritt zur Emanzipation der Juden gethan, indem Herr L. v.Wertheimstein zum Magistratsausschuß gewählt wurde. ■ Dies geschah in der Stadt, in welcher bisher kein Jsraelite ein Haus besitzen konnte! Ich überlasse es Ihnen, vergleichende Betrachtungen mit anderen Städten Deutschlands anzustellen. . —. In dem Bericht W e lck er' s über die „Grundzüge der Bundeseinrichtung mit Nationalvertretung" an die badische Kammer ist auch Folgendes aufgestellt: 7) Die Verbürgung der wesentlichsten deutschen Freiheits- und nationalen Bürgerrechte, a) Volle Glaubens-, Religions- und Kultussreiheit. t) Gleiche Berechtigung der Bürger, zu Gemeinde- und Staatsamtern ernannt zu werden. - , Koblenz, 28. März. (Privatmitth.) Es ist bemerkenswerth, daß das MinisteriumBodelschwingh noch dem hiesigen israelitischen Prediger, Herrn Ben Israel, für seine Mühewaltung um die Seelsorge der Gefangenen eine Gratifikation von 20 Thlrn. bestimmt hatte. — Auch hier ist eine sehr würdige Todtenfeier gehalten worden. — :: , Die Kultus-Angelegenheiten der Gemeinde sind in einer sehr erfreulichen Entwicklung begriffen.'. Den Bestrebungen der Vorsteher Herren M. Götz und I. Engers ist es in Verbindung mit dm Herren M. Feist, V. Bernays, M. Seligmanw und E.-Abraham gelungen,, die dem Bau einer neuen Synagoge in nicht geringer Anzahl so lange entgegenstehenden Hindernisse auf .die befriedigendste Weise zu beseitigen und alle Vorbereitungen zu. treffen, die uns,:'wenn die politische Bewegung keine Störung bringt, künftigen Herbst schon ein, den Anforderungen der Zeit in jeder Hinsicht entsprechendes Gotteshaus in Aussicht stellen. Daß im Letzterm nur ein würdiger, wahrhaft erbaulicher Gottesdienst abgehalten werden solle, .wird von keinem Gemeindegliede in - Zweifel gezogen,weshalb

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