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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-04-10 · Heft 16 (10.4.1848) · p. Seite 238

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 16 (10.4.1848)
Date
1848-04-10
Page
Seite 238 (sequence 4)
Language
German
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238 auch Ihr, theure Mitbürger, unter die Zahl Eurer Wünsche den um gleiche politische Berechtigung aller Religionen ausgenommen. In dem heutigen Erlasse des Ministeriums ist die Erfüllung all' Eurer gerechten Wünsche und Forderungen in Aussicht gestellt — nur der gleichen politischen Berechtigung aller Religionen ist mit keiner Silbe erwähnt. Sollte das Ministerium im Beginne seiner Laufbahn so sehr seine Aufgabe und den Geist der Zeit, aus dem es doch hervorgegangen, verkennen, daß es glaubt diesen Wunsch, der in allen Forderungen Hannovers, Deutschlands wiederkehrt, mit Stillschweigen übergehen zu dürfen? Sollte es diese Frage für minder wichtig halten, weil nicht die Masse hinter ihr steht, weil unmittelbar nur Wenige, die christlichen Dissidenten, Deutschkatholiken und Juden davon betroffen werden? Sollte es so alle seine Bewilligungen in Frage stellen, als seien sie nicht aus Ueberzeugung, aus redlichem und aufrichtigem Anschluß an die Bewegung der Zeit, sondern aus leidiger Furcht hervorgegangen? Oder sollte es gar dem Wahne sich hingeben, daß Männer sich gängeln lassen wie Kinder, daß Männer das was sie einmal gewünscht und gefordert, als ihre und des Landes Ueberzeugung ausgesprochen, ohne Weiteres wieder fallen lassen würden, weil der Wunsch kein egoistischer war. Geliebte Mitbürger! Wir vertrauen auf Euch! Indem Ihr den Wunsch um Gleichstellung aller Religionen ausgesprochen, habt Ihr Euch selbst geehrt, daß Ihr von dem vollen mächtigen Strome der Freiheit durchdrungen seid, der alle kleinliche Selbstsucht wegspült — Ihr habt auch uns geehrt, indem Ihr vor ganz Deutschland das Zeugniß abgelegt, daß die Schmach und Zurücksetzung, unter der wir noch schmachten, nicht von uns verschuldet ist. Wir danken Euch dafür aus voller Seele — aber wir erwarten auch, daß Ihr beharrlich und entschieden fortfahren werdet, unser Recht zu fordern, bis es ganz und vollständig gewährt ist. Theure Brüder! Nicht unsrer selbst willen allein richten wir diese herzliche Bitte an Euch; wir wissen es — die Wogen der Zeit gehen so hoch, daß sie bald auch den letzten Damm, der von unserm Rechte uns trennt, durchbrechen werden — daß unsre Gleichstellung in kurzer Zeit durch ganz Deutschland eine Thatsache sein wird. Aber schmerzen würde es uns, wenn Hannover, das feste, entschiedene und beharrliche Hannover, in dieser Frage hinter der Zeit zurückbliebe; schmerzen würde es uns,, wenn wir erst im Gefolge der Beschlüsse des allgemeinen deutschen Vaterlandes das erhielten, was wir so gern unserm engern geliebten Heimatlande verdankten. . Laßt diese Schmach nicht auf uns, auf Euch, auf das theure Vaterland kommen. Kein Recht ist vollständig, wenn noch ein Unrecht daneben geduldet wird; keine Freiheit ist sicher, wenn Unfreiheit neben ihr besteht. Was uns heute noch fehlt, — man könnte es Euch morgen wieder nehmen. Um uns her, in Ost und West, drohen Gewitterwolken — wer weiß, wie bald sie sich entladen! Sorgt, o sorgt bei Zeiten, daß der Kampf alle, alle Kinder des Vaterlandes vereint finde, durch gleiches Recht, durch gleiche Ehre, durch gleiche Freiheit; vereint auf Leben und Tod; bereit, den letzten Blutstropfen für das Vaterland und die hohen Güter, die es gewährt, herzugeben. Sorgt, daß auch wir freudig unser Blut vergießen können! Wir reichen Euch die Bruderhand — werdet Ihr sie zurückweisen? Hannover, den 22. März 1848. Mehrere jüdische Bürger. Magdeburg, 29. März. Aeußerungen der Unordnung und des Muthwillens, Besorgnisse vor Mißtrauen und Störung der Eintracht in Beziehung auf die jüdische Bevölkerung veranlaßte das Konnte der Polen zu Posen folgende Proklamation zu erlassen : * ' '' „Jüdische Brüder! Es hat .sich die falsche Nachricht verbreitet, als ob das polnische Volk unsrer Stadt Gewaltthätigkeiten gegen Euch und Euer Eigenthum beabsichtige. Wir versichern Euch, daß diese Gerüchte falsch und unbegründet sind; wir versichern Euch, daß, weit entfernt von allen feindlichen Schritten gegen irgend welche Nation, wir uns im Gegentheil eifrig bestreben, so viel in unseren Kräften liegt, über Sicherheit und Ordnung zu wachen und Alles zu veranlassen, was dazu dienlich sein kann.- Seid also ruhig, verlaßt Eure Beschäftigungen nicht, und wie die polnische Nation Eure Rechte immer gewahrt hat, laßt Euch durch Gerüchte, welche schlechte Leute verbreiten, nicht schrecken." —. Die von dem Konnte ausgesandten Kommiffarien organisiren überall ein .polnisches Heer, und

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