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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-04-03 · Heft 15 (3.4.1848) · p. Seite 226

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 15 (3.4.1848)
Date
1848-04-03
Page
Seite 226 (sequence 8)
Language
German
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226 Barmen, Bonn, Breisi'g, Koblenz, Krefeld, Düren, Düsseldorf, Elberfeld, Neuß, Remagen, Sinzig, Trier, Uerdingen, Viersel und Wesel, in Verbindung mit unserm Gemeinderathe Berathungen gepflogen, als deren Resultat eine -Adresse an Se. Maj. den König beschlossen wurde, in der es heißt: 5) Freiheit der Gottesverehrung, gleiche politische Berechtigung aller .Staatsbürger ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses und gänzliche Trennung der Kirche vom Staate. Karlsruhe, 22. März. Gestern Abend zwischen 8 und 9 Uhr bildete sich vor dem Hause eines hiesigen israelitischen Kaufmanns unversehens eine Zusammenrottung, welche die Fenster einwarf und die Läden des untern Stockwerks theilweise zertrümmerte. Die rasch herbei geeilte Bürgerwehr verhinderte eine weitere Ausdehnung des Exzesses. (Karlsr. Ztg.) —. In Mannheim, wie wir aus einem Privatbriefe ersahen, durste sich eine Zeit lang kein Jude auf der Straße sehen lassen, ohne insultirt zu werden. Doch geht dieser Zustand, dieses Fieber, jetzt zu Ende. Magdeburg, 27. März. Auch Baiern hat sich vorläufig von der Gleichstellung der Juden wieder losgesagt. Der neue König hat in der Thronrede versprochen: „ein Gesetz über die Organisation der obersten Kirchenbehörde der Israeliten"-und später (!!!) will er vorlegen: ein Gesetz über die Verbesserung der Verhältnisse der Israeliten. Er leitete diesen Passus mit „endlich" ein, es war der Schluß, an den sich nur noch die Abschaffung des „Lotto" schloß. Also bis jetzt: die vier freien Reichsstädte und Baiern. — In Bernburg sind die Juden, völlig gleichgestellt worden. — Das Nationalkomitö der Polen in Posen hat eine beruhigende Ansprache an die Juden erlassen, allein auf dem platten Lande haben Greuel gegen dieselben schon begonnen. Gott schütze sie! Aus Oberfchlefien, 3. März. (Privatmitth.) Mit unserm Schulwesen in Oberschlesien steht es in neuerer Zeit, im Verhältniß zur frühem, besser — und' schlimmer. Besser, indem wir nirgend mehr jene Geist verkrüppelnden Anstalten antreffen, die man „Cheders" nannte, und an deren Spitze gewöhnlich ein polnischer Hitzkopf stand, der seine sibyllinische Weisheit, in der sehr beredten Sprache des spanischen Rohres, seinen Schülern verständlich zu machen wußte. Daß aber diese Zwangsanstalten des Geistes nicht mehr existiren, bleibt immer blos ein negatives Verdienst unsrer humanem Zeit, so lange als jene „Cheders" nicht durch andere Institute äuf eine würdigere Weise ersetzt werden. Und das ist das Schlimmere an der Sache.. Während früher der jüdische Familienvater selbst die bedeutendsten Geldopfer nicht scheute, um seinen Kindern den nach seiner Meinung besten Lehrer zu verschaffen, treffen wir jetzt selbst in bedeutenden Gemeinden selten eine jüdische Schule an, und man begnügt sich mit dem Unterrichte, den die Kinder in den christlichen Schulen erhalten. Nicht daß der Unterricht, von christlichen Lehrern ertheilt, ein objektiv mangelhafter sei, sondern in den subjektiven Beziehungen des Lehrers zu dem Schüler liegt gar Manches, was dem. jüdischen Geiste.straks zuwiderläuft. Denn so lange die Schule von der Kirche nichtemanzipirtist, wird das konfessionelle Moment immer wieder auf die Schüler einwirken, und der wöchentliche ein- oder zweistündige Religionsunterricht kann da nicht die täglich erneueren Eindrücke verwischen. Wir wollen hier keineswegs dem Systeme das Wort sprechen, nach welchem die Schulen nach den verschiedenen Religionsparteien gesondert werden sollen; vielmehr sind wir davon in der Seele überzeugt, daß nur in den sogenannten Simultanschulen der Geist der Verbrüderung einen tiefen Keim ansetzen kann, daß man nur dort im Stande ist, jede Mißstimmung, die der konfessionelle Unterschied im Leben erzeugt, in den jungen Gemüthern zeitlich beizulegen. Da aber der Staat die kirchliche Bevormundung von der Schule nicht nehmen will, und daher dem jüdischen Lehrer jede faktische Betheiligung daran untersagt, so müssen wir selber dafür sorgen, daß unsre Jugend von jenem kirchlichen Einflüsse befreit bleibe, und wir können dies nicht anders thun, als wenn wir eigene Elementarschulen uns errichten. — Wir haben in unserm Oberschlesien schon einige solcher Anstalten, und wir freuen.uns berichten zu können, daß da recht Tüchtiges geleistet wird. Vor Allem ist es die Schule zu Ratibor, wo Herr Holländer, dem bekanntlich eine Kabinetsordre die Befugniß gab, auch christlichen Kindern Unterricht zu ertheilen, mit vielem Segen wirkt. Zu bedauern ist nur, daß der dortige Rabbiner, an dem das Streben nach einer geistigen Wiedergeburt des Judenthums nicht zu verkennen ist, wenn

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