Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-04-03 · Heft 15 (3.4.1848) · p. Seite 225

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 15 (3.4.1848)
Date
1848-04-03
Page
Seite 225 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225551-3225567--09306-3237556
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Adressenbuche dargestellt, daß in Prag, vielleicht auch in Berücksichtigung dessen, sehr viele Jünglinge sich dem Künstler- oder Handwerkstande widmen. Aber auf dem flachen Lande- Es wurden die Schattenseiten bei Verleihungen der Familienstellen bereits dargestellt, daß es aber auch Lichtseiten dabei giebt, möge aus doppeltem Grunde durch diese Blätter gezeigt werden, um nämlich Lob und Dank demjenigen öffentlich zu spenden, der es mit Recht verdient, und um als Muster zur Nachahmung für diejenigen Obrigkeiten zu dienen, welche Familienstellen zu verleihen haben, vorzüglich aber für jene Obrigkeiten, welche ihre Dominien durch Administratoren, Inspektoren u. dgl. verwalten lassen. Seitdem die Herrschaft Nachod in den Besitz Sr. Durchlaucht des regierenden Fürsten zur Lippe- Schaumburg gelang und der fürstliche Horfrath, Herr Otto August Erich, als Generalbevollmächtigter an der Spitze der Verwaltung steht, wurde bereits die dritte nach kinderlos Verstorbenen erledigte Familienstelle an junge Bewerber ertheilt. In derselben redlichen, konsequenten Weise, wie der Herr Hofrath Kirchenpfründen und Lehrerstellen verleiht, geht er auch hier zu Werke; jeder Seitenweg, jeder Versuch durch irgend eine captatio benevolentiae, oder gar durch eines der früher erwähnten schändlichen Mittelchen zum Ziele zu gelangen ist unmöglich, und würde auch nie genützt haben. Der Herr Hofrath Erich laßt jedesmal Mehre der angesehensten Gemeindeglieder Nachods einzeln zu sich kommen, bespricht sich freundschaftlich über diesen Gegenstand mit ihnen, und wen dann die Stimmeneinheit oder Mehrheit und seine Einsicht für würdig erkennt, der erhält diese Familienstelle, doch muß derselbe nach Verhältniß seiner Vermögensumstände einen Betrag dem jüdischen, und ist er sehr bemittelt auch dem christlichen Armenfonds zukommen lassen. Wer da weiß, wie viele oft schmähliche Summen, manchmal auch vergebens, nur für Empfehlungen vertheilt wurden, um zu einer erledigten Familienstelle zu gelangen, der wird die Hochherzigkeit, den Edelmuth und die Redlichkeit des Herrn Hofraths Erich doppelt zu würdigen wissen. M. T. Magdeburg, 26. März. Soeben kommen wir von einer herrlichen Gottesfeier, die in der Synagoge als „Dank- und Trauer stier" zugleich gehalten wurde. Psalmen mit Instrumentalbegleitung, Predigt, Trauergebete rc. bildeten ein schönes Ganzes, das auf das so zahlreich versammelte Publikum aller Konfessionen, daß der ganze Raum auf's Dichteste vollgedrängt war, und ebenso viele nicht hineingelangen konnten, einen tiefen Eindruck machte. Ein Katafalk auf der Bima, dreifarbige Fahnen und Dekorationen an der h.Lade, Jmmortellenkränze rc. waren sehr geschmackvoll angebracht. — Auch in Berlin fanden am heutigen Tage in der Synagoge und im Tempel der Genossenschaft Trauergottesdienste statt. — Am morgenden Tage hält der Dr. Philippson eine öffentliche Vorlesung „über die gegenwärtige Lage Europa's, insonders des deutschen Vaterlands, und die daraus entspringenden Fragen" in dem ihm von der Kaufmannsschast zu Gebote gestellten Börstnsaale, deren ganzer Ertrag für die Hinterlassenen der zu Berlin Gefallenen bestimmt ist. — In Ofen und Ko morn hat eine revolutionäre Bewegung stattgefunden; unter den Forderungen steht „4) Gleichheit vor dem Gesetz in religiöser und bürgerlicher Hinsicht." — Aus Wien schreibt man der Köln. Zeit, unterm 20.: Soeben verlautet als authentisch, daß die vollkommene Gleichstellung der Juden mit allen übrigen Staatsbürgern beschlossen worden sei und demnächst im amtlichen Theile der „Wiener Ztg." als Gesetz publizirt werde. Schon bei der großartig begangenen Bestattung der in den glorreichen Tagen des 13. und 14. März für die Freiheit Gefallenen haben sich der christliche und der jüdische Oberpriester*) dahin vereinigt, die todten Helden beider Konfessionen in Einer und derselben Gruft schlummern zu lassen und über derselben zu gleicher Zeit ihre Gebete und Segnungen auszusprechen. Diese Vereinigung für die Freiheit im Tode war nur ein prophetisches Symbol der Vereinigung aller Glaubensbekenntnisse im Leben für das Allen gemeinsame Prinzip der Freiheit. Die Zustimmung selbst der untersten Volksschichten zu diesem langverspäteten Akte der Gerechtigkeit spricht sich in einzelnen großherzigen Zügen mit der den Oesterreichern eigenthümlichen Gemüthlichkeit aus. Köln, 24. März. Gestern und heute haben auf dem hiesigen Rathhause Vertreter der Gemeinderäthe der siebenzehn rheinischen Städte: Aachen, Andernach, *) Einen Solchen kennt das Judenthum nicht; soll heißen: Prediger.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.