Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 15 (3.4.1848)
- Date
- 1848-04-03
- Page
- Seite 223 (sequence 5)
- Language
- German
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22L lung aller Religionsbekenntnisse. Erinnert Euch, daß nur der Achtung verdient, der seinen Mitbürger auch als Mensch achtet, sei dieser nun Christ oder Jude. Ich erwarte zuversichtlich von Eurer aufgeklärten Gesinnung, daß dies auch fernerhin die Richtschnur Eurer Handlungen sein werde. — Man hat Euch Freiheit gegeben — seid vorsichtig, damit Niemand sagen könne, Ihr seid dieser Freiheit nicht würdig gewesen! Gießen, 14. März 1848. Der Oberst der Bürgergarde: C. Vogt." Auch im Baden schen hat die Judenverfolgung sich wieder erneuert; aus Randegg und Gailingen sind flüchtige Juden auf schweizerischem Boden angelangt. — Preußens Grenzen sind gänzlich unbefleckt hiervon. Man berichtete dergleichen aus dem bekannten Ge secke, es hat sich aber als unwahr erwiesen. Aus dem Großherzogthum Posen, im März. (Privatmitth.) Die durch die politischen Blätter erhaltenen Nachrichten von den grausamen Judenverfolgungen, die in verschiedenen Gegenden Deutschlands zur Schmach des neunzehnten Jahrhunderts, das auf seine Bildung so stolz ist und nach Humanität mit allen Kräften ringt, stattgefunden haben, machen in unsrer Provinz, wo die jüdischen Einwohner einen großen Lheil der Bevölkerung bilden, den betrübendsten Eindruck und erregen in uns die größten Besorgnisse für die Zukunft, welcher wir mit den besten Erwartungen und schönsten Hoffnungen entgegenzugehen glaubten. Auch über unserm Haupte schwebt eine schwere drohende Gewitterwolke, deren zerstörende Entladung wir jeden Augenblick fürchten. Großes, inhaltsreiches und bewegtes Jahrhundert! So bietest du der Geschichte trotz deines heißen Kampfes um Freiheit, trotz deines eifrigen Ringens nach allgemeiner Verbrüderung und Gleichheit einen Flecken, daß die späteren Jahrhunderte dich brandmarken und nur mit Abscheu von dir sprechen werden!! So besudelst du durch solche Schändlichkeitn dein reines Streben und deine heiligsten Wünsche! Auch du bist noch nicht erleuchtet genug, um dich von den Greuelthaten des finstern Mittelalters frei halten zu können! Den einzigen Trost gewahrt uns noch in diesem trostlosen Zustand die gute Haltung der Presse, da sie zur Steurung solcher Unthaten überallhin kräftig auffordert. Möchten doch die hohen Behörden und die auf das Volk Einfluß übenden Männer dieser Stimme der Menschheit Gehör schenken und mit aller Energie solchen Greuelszenen Einhalt zu thun suchen. ' L—n. : <Stettin, im März. (Privatmitth.) Auch hier ist kräftige Abhilfe gegen die Bettelei getroffen. Ein Bericht der Armenkasse hiesiger Gemeinde zeigt 618 Thlr. Einnahme, 591 Thlr. Ausgabe an 1560 Fremde und einige hiesige Arme, welche Letztere regelmäßige monatliche Unterstützungen erhalten. Er zeigt an, daß 441' Arme mehr als 1846 unterstützt worden, und schließt mit den Worten: „Wir müssen es deshalb unseren geehrten Mitgliedern recht sehr an's Herz legen, die Beitragsbewilligungen zu erhöhen, indem wir uns sonst in die traurige Nothwendigkeit versetzt sehen, das Institut aufzulösen; traurig wäre dies besonders für verschämte Arme, die nicht von Haus zu Haus betteln und tagelang in einem großen Orte herumirren wollen. Aber auch die löblichen Mitglieder unsrer Gemeinde würden bei Auflösung der Armenkasse durch eine Anzahl von circa 1600 Armen jährlich sehr belästigt werden, und bedeutend mehr zu zahlen haben: (rechnet man für jeden Armen nur 3 Pfennige, so würde dies monatlich 1 Thlr. ausmachen) denn wenn auch einige unverschämte Arme trotz der aus der Kaffe empfangenen Unterstützung, die Feder ohne Ausnahme erhält, zuweilen dieMildthätigkeit einzelner Mitglieder dennoch beanspruchen, so ist dies doch nur eine sehr geringe Zahl. Wir bitten demnach wiederholentlich, recht bedeutende Beiträge zu bewilligen, und geneigst zu erwägen, daß der in einem benachbarten Staate auf unseren Glaubensgenossen ruhende politische Druck sehr Viele zur Auswanderung zwingt, und uns veranlaßt, namentlich an solche Unglückliche nicht unbedeutende Gaben zu bewilligen." Aus Böhmen, von der schlesischen Grenze, 20. März. (Privatmitth.) sOhne sanguinische Hoffnungen zu hegen, ist es doch ersichtlich, daß sich die Zustände im ganzen österreichischen Kaiserstaate für die Juden wesentlich verbessern werden. Gerade darum thut es aber noch Noth, Schilderungen der jetzt bestehenden Uebel zu geben, um auf deren Entfernung zu dringen. Redakt.j