Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 15 (3.4.1848)
- Date
- 1848-04-03
- Page
- Seite 222 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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222 gegründete", alle Interessen des Volkesohne Unterschied der religiösen Glaubensbekenntnisse umfassende Vertretung herbeizuführen geeignet ist, vorlegen werde. — Am 22. Vormittags 10 Uhr fand in der großen Synagoge zu Berlin ein Trauergottesdienst statt. — Die Meisten der in Berlin im Kampfe gefallenen Juden sind mit den übrigen Gefallenen in eine Gruft in Särgen beigesetzt worden. Bevor der Beerdigungszug begann, hielt ein protestantischer, katholischer Geistlicher und vr. Sachs eine kurze Weiherede, Die Leidtragenden waren von den Geistlichen aller Konfessionen geleitet. In seiner Rede wies Sachs darauf hin, wie alle Scheidewände, welche bisher den Bruder vom Bruder getrennt hätten, mit diesem herrlichen Werke gefallen seien, wie alle ohne Unterschied des Glaubens sich brüderlich die Hände reichten und auch der alte Bund des urältesten Glaubens freudig sich erhebe, diesen neuen Bund zu besiegeln. —. In München ist an dieeröffneten Stände von den Bürgern eine Adresse erlassen, worin 7) bürgerliche und politische Gleichberechtigung aller religiösen Bekenntnisse gefordert wird. — Aus Bayreuth, vom 8. März, schreibt die Bair. Zeit.: „Wie wir nachträglich erfahren, ist im Betreff der baierischen Israeliten außer der in der Proklamation geschehenen Zusage von Sr. Maj. dem Könige durch einen der Volksversammlung zugesandtm Adjutanten das Versprechender unbedingten Gleichstellung gemacht worden. —. In Oldenburg hat der Großherzog ein Edikt erlassen, in welchem gesagt ist: „Die Wählbarkeit. zu Abgeordneten ist nicht an Vermögen oder Grundbesitz, nicht an Geburt und Religion gebunden." — Aus Prag vom 18. heißt es in der Köln. Zeit.: „Montag findet in der Domkirche ein großartiges Todtenamt für die Gefallenen in Wien statt; Dienstag dieselbe Feierlichkeit im jüdischen Tempel. Unter den Gefallenen in Wien befinden sich fünf jüdische Studenten. — Der nieder-österreichische ständische Ausschuß macht die Gegenstände bekannt, die er zur Anregung bringen will; unter diesen befindet sich: 4) die Herstellung eines den. gegenwärtigen sozialen Verhältnissen entsprechenden Rechtszustandes der verschiedenen Religionskonfessionen. (Das klingt wieder sehr vage!) —. Das neue Ministerium von Hannover macht sein Programm bekannt — von den Religionsverhältnissen ist Nichts darin vorhanden. Magdeburg, 25. März. Unter den Todten in Berlin befinden sich 21 Israeliten, was — nach dem Bevölkerungsverhältniß von 8000 auf 400,000 — sehr viel ist. Unter Anderm berichtet die Spen. Zeit.: „Unter den lieben Freunden, die sich in den letzten Wochen häufig in den öffentlichen Lokalen sahen, befand sich auch ein seltsamer Enthusiast, ein junger jüdischer Gelehrter, der vr. Weiß', gewöhnlich der Philosoph Weiß genannt. Er ging mit seinen Gedanken weiter, als Alle, die damals mit ihm zusammen waren. Er war bieder und offen, sprach frei seine patriotische Gesinnung aus, die ebenfalls die verfassungsmäßige Monarchie als die höchste politische Staatsform erklärte, wiederholte aber immer: wir bekommen sie nicht anders, als durch die Barrikaden, und ich sterbe auf der Barrikade. Wie manchmal ist der Philosoph dafür ausgelacht worden, und doch: Der Philosoph Weiß ist auf der Barrikade gestorben. In der einen Hand die Fahne, in der andern den Säbel, stieg er in der Königsstraße von Barrikade zu Barrikade vorwärts, den Kartätschen entgegen, und hinter ihm eine Masse von Hunderten. Voran, rief er, wir müssen die Kanonen nehmen, damit sie unschädlich werden. Da, oben auf der Barrikade, traf ihn eine Kartätschenkugel in den Leib. Er starb, die Fahne und den Säbel noch im Tode festhaltend. Die Leiche des braven Freiheitshelden liegt in dem jüdischen Krankenhause. —. Diesem an die Seite setzen wir folgende Nachricht aus Gießen vom 15. März, die das Franks. Iourn. brachte: „Hier ist unterm Gestrigen folgender Aufruf durch die Druckerpresse bekannt gemacht worden, die auf gegen die Israeliten gerichtete Verletzungen der öffentlichen Sicherheit hindeutet: „In der verflossenen Nacht sind einige Ruhestörungen vorgefallen, deren Wiederholung nicht mehr stattsinden darf. Bürgergardisten, die ihr zur Aufrechthaltung der Ordnung mit berufen seid, haltet vor Allem fest an dem Grundsätze, daß Ihr selbst zuerst das Beispiel geben, selbst zuerst die Regeln beobachten müßt, die Ihr von Anderen befolgt zu sehen wünscht. Wer dies nicht thut, ist nicht würdig, an der Seite seiner Kameraden zu stehen und mit Ihnen die Waffen zu tragen. Mitbürger! Unsere Zeit verlangt Gleichstet-