Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 15 (3.4.1848)
- Date
- 1848-04-03
- Page
- Seite 221 (sequence 3)
- Language
- German
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221 werden, mit dem pergamentktaubenden Holstein — und das ganz gewiß nicht im Punkte der Gewissensfreiheit allein — einen Sonderbund der Unduldsamkeit und des Böotismus bilden, und bis zu dessen definitiver Sprengung behaupten; denn „noblesse oblige" wirkliche Höhe verpflichtet jeder Niedrigkeit zu entsagen, aber diese auf Schmutzhügeln gebaute Autorität verpflichtet zu Nichts, begünstigt blos den elendesten Egoismus. . Daß hier einige, an Zweck hirnlose, an Umfang nichtige, Kravalle stattgefunden, haben die Zeitungen berichtet; was jedoch nicht berichtet wurde, aber verbürgt werden kann, das ist, daß man sich am zweiten und dritten Tage alle Mühe gab die Wuth auf die Juden zu leiten, und blos ein heftiger Regen am Dienstag machte diese Absicht scheitern. Die Handwerker wurden aufgehetzt durch die Angabe, es feien die Juden, die den Sturz -er Zünfte verlangen (sie verlangen eigentlich blos darin ausgenommen zu werden), die Proletarier durch die gewöhnlichen Aufwiegelungen und das allgemeine Publikum durch das Gerücht, die Juden — es wurden Leute mit Namen genannt — hätten große Summen ausgetheilt, um Rebellion, Kommunismus, Plünderung anzustiften. Diese strategisch geleiteten Umtriebe gingen von höheren Reihen aus und wurden selbst in den höchsten, als willkommene Blitzableiter nicht ungern gesehen. U.eberdies: hatten nicht Juden an den Vereinen der Juristen, der kleinen Bürger, der Handarbeiter thätig Theil genommen?*) Aber die Entscheidung der Judenfrage — wo sie noch nicht entschieden ist — wird ja dem deutschen Parlament anheimgestellt! hängt ja gar nicht mehr von den reichsstädtischen Philistern ab! Und da sind ja die reinsten, gerechtesten Aussichten eröffnet! Das ist der gefährliche Jrrthum, in dem die vielen Juden leben. Wie, ihr glaubt, es werde den freien Städten nicht gelingen, die neue Bundesakte ebenso gut zu umgehen a!s die alte? Freizügigkeit, allgemeines Niederlassungsrecht, die an sich noch lange kein aktives Bürgerrecht bedeuten, die doch aber jedenfalls bezüglich des Armenwesens in jeder einzelnen Kommune beschränkt werden müssen, die sollten es nicht bezüglich des Judenwesens? *) Ein sonst ganz leidenschaftsloser Mann sagte zum Einsender: Sehen Sie, hätten die Juden blos von einiger Verbesserung ihrer Verhältnisse geredet, das hätte ihnen Niemand übel genommen: aber völlige Gleichstellung zu verlangen, das ist unerhört. Wirklich ist die Stimmung hier jetzt judenfeindlicher als je zuvor. Ihr Juden Frankfurts, Hamburgs und aller dieser freiheitheuchelnden Staaten: täuschet euch nicht: Hannibal ante portas! Schon ist unser alter tückischer Feind, der verschmitzte Smidt aus Bremen, der schon vor 34 Jahren uns um die Krone unfers Lebens betrog, dem wir die feindselige Umschreibung der alten Bundesakte zu danken haben, schon ist er nach Frankfurt geflogen, um gleich bei den ersten Grundlagen des neuen deutschen Rechts das heilige Privilegium Bremens, das es mit den Städten Samarkand, Mekka und Kiew theilt, das Privilegium keinem Juden seine Thore zu öffnen, aufrecht zu halten. Und es wird ihm gelingen, so wie es auch den anderen freien Städten gelingen wird, denn an Preußen wird die allgemeine Gewissensfreiheit in dem deutschen Parlament, wenn es jetzt zu Stande kommt, keine Stütze haben; denn in Preußen ist die Muckerei noch lange nicht ganz gestürzt *) und unter den jetzigen Ministern hat blos der einzige Camphausen für die gemischten Ehen gestimmt. Und noch ein Weiteres. Die vom Könige von Preußen vorangestellte „bewaffnete Neutralitätserklärung" haben wir übrigen Deutschen so verstanden, daß wir uns nicht darin mischen sollen, wenn die Polen auf's Neue gegen Rußland aufstehen, und wenn Kurland, Liefland und Esthland wieder zu Deutschland wollen. Welch ein schreckliches Schicksal wartet aber in diesem Fall der Juden in Polen! Wie wiederholt sich Alles! Heute bewaffnen sich die Juden in Holstein gegen die Dänen, die ihnen die Freiheit brächten, gerade wie wir 1813 gegen die Franzosen. Und ganz gewiß wird ihnen ebenso gelohnt werden als uns. Zettimgsnachrichterr. Deutschland. Magdeburg, 23. Marz. In einer Rede an die Abgeordneten von Breslau und Liegnltz erklärte der König, daß er dem vereinigten Landtage ein volksthümliches Wahlgesetz, welches eine auf Urwahlen *) Ei unque leonem. In den Zeitungsberichten über die große berliner Leichenfeier steht die israelitische Geistlichkeit ganz zuletzt hinter der jungen deutschkatholischen angeführt, bei dem Bericht der ähnlichen Feier in Paris heißt es „die israelitische, katholische und protestantische Geistlichkeit", nach dem Alter der resp. Religionen.