Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 15 (3.4.1848)
- Date
- 1848-04-03
- Page
- Seite 220 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225551-3225567--09301-3237551- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
220 Sie haben nun das Recht, zu fragen: Ist das der Lohn für unsre Kraft? Ihr erntetet die Geistesblüten, Ihr nahmt sie hin, die Wissenschaft, Ihr bliebet kalt, wenn jene glühten. Ob auch die Kunst das Höchste schafft; Ihr habet nun die Pflicht, zu sagen: Das ist der Lohn für eure Kraft:- Sie haben mit uns gleiche Pflichten, Sie fordern nun auch gleiches Recht; Sie mag der Gott der Vater richten. Und nicht das lebende Geschlecht! Sie haben nun das Recht, zu fragen: Wo bleibt für uns das Menschenrecht? — Ihr fordertet die gleichen Pflichten, Ihr! Gebt denn auch das gleiche Recht! Ihr, sagt das Buch, ihr sollt nicht richten! Sie fordern ja nur Menschenrecht! Was soll von Euch die Mitwelt sagen. Und was das kommende Geschlecht?- Sie halfen mit, das Leid zu tragen, Sie fühlten doppelt jede Noth, Sie kämpften mit an großen Tagen, Und fanden siegend ihren Tod; Sie haben nun das Recht, zu fragen: Ist das der Freiheit Morgenroth? — Ihr ließt sie eure Lasten tragen, Ihr achtetet nicht ihrer Noth, Ihr saht sie stark an großen Tagen, Und doch versöhnt' euch nicht ihr Tod; Ihr habet nun die Pflicht zu sagen: Euch glänzt der Freiheit Morgenroth! Köln, 21. März 1848. F. C. Eisen. (Köln. Zeit.) Leitende Artikel. Magdeburg, 26. März. Zu den Staaten, in welchen neuerdings den Israeliten die Gleichstellung verbürgt worden, gesellten sich: Preußen, Ungarn, Oldenburg. Hamburg, 24. März.*) M brächten. Während Thors gewaltiger Hammer die zyklopischen Mauerwerke aller Zwingburgen der Menschheit, alle Brettergerüste hochwaltender Komödianten, alle völkerberauschende Trinkschaalen zerschlagt, während jedes Ohr vernimmt die erschütternde Stimme, die da ruft: Ich, Jehova, ich bin es, der dich herausführt aus dem Sklavenhause mitten durch würgende Bataillone, mitten durch schleichende Polizeischergen, mitten durch die herzlosen Satzungen bethörter Egoisten — wird hier eine häßliche kleinliche Parodie von Reform aufgeführt, deren Leiter den schwach verhüllten Zweck haben, alles Schlechte, alles Mittelalterliche zu pflegen und beizubehalten. Durch Gott weiß welch einen Geist bewogen, haben einige unserer Volksvereine 12 bis 18 Punkte als Forderungen der Zeit aufgesetzt, die sie unserm Souverän — dem versammelten Rath und Bürgerschaft — in großer Prozession überbringen wollten. Die bürgerschaftliche Zopf-bewahr-Anstalt (das Kollegium der Einhundertachtziger) machte einen Meisterstceich, indem es diese 12 Postulats zu seinen eigenen machte, an deren wirkliche Durchführung sie nicht im Entferntesten denkt. So heißt es denn: die und die Punkte sind der Reformkommission „zur genauesten Beachtung" übergeben; sie können mithin am Ende ganz oder zum allergrößten Theil verworfen werden. Und das werden Punkt 1 und 3, welche das Aufhören aller durch das Religionsbekenntnis bedingten bürgerlichen Unterschiede aufheben, ganz gewiß. So haben wir es von den frankfurter freien Bürgern gesehen, und so werden wir es von der hiesigen sehen. Was weiß man in diesen Städten von den Regungen der Zeit? Der Sturm, der den Ozean aufbäumt, bringt eine Mistlache kaum in Bewegung. Umsonst rufen England und Frankreich Staatsbürger in ihre höchste Legislatur, umsonst verkündet der verscheidende alte Bundestag mit seinem letzten Röcheln die Nothwendigkeit, Deutschland auf den ihm gebührenden Rang unter den zivilisieren Nationen zu heben, umsonst führen in Berlin, in Königsberg, in Breslau Israeliten die Freiheitskämpfer zum Siege und fallen für Deutschlands Freiheit: instinktmaßkg will der sich niedrig Wissende einen noch Niedrigem haben, dem er den Fuß auf den Kopf setzen kann. — Die freien *) Von unserm ersten Korrespondenten. Red.