Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 14 (27.3.1848)
- Date
- 1848-03-27
- Page
- Seite 215 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225551-3225566--09295-3237544- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
215 und Christen, i. e. die Juden von demWohlthätigkeitsball ausgeschlossen (die hervorgehobenen Worte sind von der „Pesther" mit gesperrten Lettern gedruckt!) steht ebenso sehr mit dem Zwecke dieser Unternehmung in Widerspruch, als es nach den Gesetzen der Ethik eine Sünde ist Jemandem eine Gelegenheit zu entziehen, sein Scherflein auf dem Altar der öffentlichen Wohlthätigkeit darzubringen. Diese Distinktion ist hier um so befremdender, da im hiesigen Kasino, wo die Elite des Militärs, der Bürgerschaft und der höchste Adel erscheint, der Zutritt den Juden nicht versagt ist. Und wahrlich, es würde den betreffenden Armen nicht geschadet haben, wenn sie sich einer Spende von 100 Gulden K. M., die von hier wohnhaften und anwesenden fremden Israeliten eingegangen wäre, mehr zu erfreuen gehabt hätten." Wenn die Effeker nach diesem nicht die eifrigsten Judenfreunde werden, so glaube ich an keine Bekehrung von Judenfeinden mehr. Von der „Pesther Zeitung" sich den Text lesen lassen über Judenfreundlichkeit, die werden ja vor Scham keinen Fuß mehr zu erheben wagen zum wohlthätigen Tanzen!-Da wir schon bei der heutigen „Pesther" sind, erlauben Sie mir gefälligst, ihrem „pesthofener Tagesbericht" noch eine kleine Notiz zu entnehmen. Sie lautet: „Seitdem im Tempel der ofener Jsraelitengemeinde der neue Kultus an die Stelle des alten getreten, wird daselbst aufAnregung des Rabbinatskandidaten Herrn I. Einhorn für die Dauer unsers Reichstages jeden Sabbat ein Gebet für das erhabene Herrscherhaus mit besonderer Bezugnahme auf ein segenreiches Gedeihen der jetzigen Landesberathungen zum Wohle Ungarns und der ungarischen Israeliten abgehalten. Wir können nicht umhin, diese liturgische Einrichtung als wahrhaft zeitgemäß und nachahmenswürdig zu bezeichnen."*) —--— *) Das Gebet befindet sich am Schlüsse der jüngst erschienenen Predigt: Zur That! Predigt über 2. B. M. 14, 5—16. Gehalten am Sabbat Beschalach 5608 (22. Jänner 1848) in der Gemeindesynagoge zu Ofen von I. Einhorn, Rabbinatskandidat. Ofen 1848. 8. 20 S. „Es wäre zu wünschen — heißt es in der dem Gebete angehängten Note — daß dieses schöne Beispiel auch in den anderen Gemeinden Ungarns Nachahmung fände, und das einzige, unmittelbar auf die Außenwelt und auf die Gegenwart bezugnehmende Gebet der Synagoge — das s. g. ■jmirt — nicht zur stereotypen und dadurch oft inhaltslosen Formel herabsinke, sondern immer nach Zeit und Umständen modifizirt und derart zum wahren Dollmetfcher der Gefühle Die Pesther Zeitung hat 'mich von dem kanischaer Referat abgebracht. Erlauben Sie mir noch mit wenigen Worten auf selbes, resp. auf ihren daselbst gemachten Einwurf gegen Kreicung eines ungarischen Konsistoriums zurückzukommen. Sie, Here Redakteur, haben vollkommen Recht. Noch stehen die Parteien einander allzuschroff gegenüber, als daß eine friedliche Vereinigung auch nur denkbar wäre. Noch ist die orthodoxe Partei zu stark, als daß sich im Kampf ein vollständiger Sieg der Fortschrittspartei erwarten ließe. Im entgegengesetzten Fall aber hätte man dadurch nur der Herrschaft des Rückschrittes — die auch bei uns täglich schwächer wird — ewige Festigkeit und Dauer gesichert. Als mit den letzten Jahren des vorigen Dezenniums in Ungarn moderne Rabbiner gesucht zu werden anfingen, gerieth die Orthodoxie allsogleich auf die Idee, durch ein derartiges Landeskonsiftorium — natürlich aus Männern ihrer Farbe bestehend — diesem Unwesen zu steuern. Der bösinger Rabbi, später oomllii8 vo^agsur der 77, wurde umhergeschickt um Unterschriften zu diesem Zwecke zu sammeln. Er kam auch zu dem in seinem Genre ausgezeichneten, besonders als Charif rühmlich bekannten k..er Rabbi, E. B.h, dessen Schüler und Pensionär ich damals war. Dieser aber verweigerte rund heraus seine Zustimmung. Ja, wenn ich sicher wäre, daß Rabbi Mosche Sofer die oberste Leitung erlangt und behält; aber wer haftet mir dafür, daß sie nicht jetzt oder später in L. Schwa b's Hände ge räch?!... Der kluge Mann hatte vollkommen Recht. Er begriff wohl, daß sein Reich schon im Schwanken begriffen und wollte nicht wie ein verzweifelter Spieler des ungewissen Gewinnes wegen Alles auf's Spiel setzen. Lernen wir von dem erfahrenen Alten. Hüten wir uns vor Selbsttäuschung. Gestehen wir uns selbst, daß unsere Macht noch schwankend und warten wir bis sie mehr erstarkt... Ja, wenn ich sicher wäre, daß Rabbi L.Schwab die oberste Leitung erlangt und behalt; aber wer haftet mir dafür, daß sie nicht in E. Ban et h's, Perel's oder Aehnlicher Hände geräth? — Die israelitische Gemeinde zu Arad hat an das arader Komitat eine Petition wegen reichstaglicher Unterstützung der Judenfrage gerichtet. Selbe ist recht praktisch gehalten und vortrefflich ausgeacbeitet, aber viel und Wünsche Israels in Betreff der allgemeinen Landesangelegenheiten und seines Verhältnisses zu denselben gestaltet werde." ...