Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 14 (27.3.1848)
- Date
- 1848-03-27
- Page
- Seite 214 (sequence 12)
- Language
- German
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214 israelitischen Spitat 1200, der- Chevra kadischa 1000, dem „Handwerkerverein" — 2000, dem israelitischen Waiseninstitute— 200, dem israelitisch-ungarischen Verein— 200, dem Beamtenpersonat der hiesigen Israelitengemeinde — 4900, zur Unterstützung israelitischer Rigurosanten an der hiestgen Universität—1800 Gulden K. M. u. s. w. u. s. w. Auch wurden mehrere theils allgemeinnützliche, theils reinchristliche Institute bedacht. So wurde z. B. zum Bau der pesther Leopoldkirche 400, dem pestofener Frauenverein 200, dem Blindeninstitut 200 Gulden K. M. u. f. w. gespendet. Die Schenkungen begannen am 6. Februar bei Gelegenheit eines GastmahlS, das die Chevra kadischa ihren Novizen gab, und wurden am 13. und 26. d. M. bei ähnlichen Veranlassungen fortgesetzt. Der reiche Spender ist noch in voller Gesundheit und Kraft, aber weib- und kinderlos. Von den gemachten Schenkungen wurden einige allsogleich baar an die Betreffenden ausgezahlt; die meisten jedoch blieben für 5prozentige Intereffen in den Händen des Spenders bis zu seinem Ableben. Ich weiß gewiß diese seltene Wohlthätigkeit nach Verdienst zu würdigen und wünsche vom Herzen: ''v; ich kann jedoch die Bemerkung nicht unterdrücken, daß es im Interesse des Gemeinwohls und selbst in dem des Herrn Wolfgang Hollitscher (so nennt sich unser Timon) viel zweckmäßiger gewesen wäre, die bedeutenden Spenden auf einen oder höchstens zwei Punkte zu konzentriren, anstatt sie so sehr (die mir vorliegende „Verpflichtungsuckunde" enthält siebenundfünfzig Nummern!) zu zersplittern. Hätte z.B. Herr H.— nach dem Vorgänge des verewigten Salomon Heine in Hamburg — für diese Kapitalien ein großartiges Institut, z. B. ein Lehrerseminar, ein Rabbinerkollegium oder ein anderes ähnliches Institut, das einem fühlbaren Mangel der hiesigen Gemeinde oder des ungarischen Israels abhälfe, auf seinen Namen in's Leben gerufen, so hätte ec sich unermeßliche Verdienste um das Gemeinwohl erworben und seinen Namen wahrhaft unsterblich gemacht. Die vielfachen verschiedenartigen Spenden aber — so lobens- und anerkennenswerth an und für sich — bringen nirgends die Radikalkur irgend eines Uebels hervor, so wenig als sie etwas großartiges Neues in's Leben rufen. Die beschenkten Institute hätten wol im Interesse des Gemeinwohls gern auf die bedeutenden Stiftungen verzichtet. Noch viel williger aber die bedachten Private, z. B. Rabbiner, Prediger, Notär u. s. w., die gewiß mit größter Bereitwilligkeit dem Nutzen der Gesammtheit ihr eigenes Interesse geopfert hätten. Jedoch ‘■toi* fra und wird gewiß Jedermann in das laute Lhen für den freigebigen Spender einstimmen. Da -vir aber von Herrn H. selbst die Aeußerung hörten, daß die Reihe seiner Stiftungen durchaus noch nicht geschlossen ist, sondern eigentlich erst begonnen hat, so wollen wir uns der angenehmen Hoffnung hingebm, daß er im Interesse des eignen Nachruhms unsern wohlmeinenden Wink bei Gelegenheit nicht ganz unbenützt lassen wird. -Die Nachricht, die Sie in Nr. 8. Ihres g. Blattes von Aufnahme eines orthodoxen Rabbiners in Szegedin brachten, ist falsch. Es wurde blos ein alter Dajan dahin berufen, und zwar von der Fortschrittspartei, den Anhängern des im vorigen Jahre entlassenen Rabbiners, die dessen Hauptfeind, den Dajan B... durchaus nicht anerkennen wollen und ihm darum einen w zur Seite stellen. Einen alten Rabbiner wird aber wol die szegediner Gemeinde nicht berufen. Gehet es bei uns auch mit dem Fort schreiten sehr langsam, so trauen wir unseren gebildeten Gemeinden doch so viel gesunden Sinn und richtiges Erfassen der Zeitaufgabe zu, um nicht bedeutende Rückschritte zu machen. Um so sonderbarer scheint uns darum auch die Behauptung jenes Referenten: K anischa wolle einen alten Rabbi berufen! K., eine der gebildetesten und fortgeschrittensten Gemeinden der österreichischen Monarchie sollte die Aufgabe des heutigen Rabbiners noch so wenig begriffen haben, um nicht einzusehen, daß von der Geistesrichtung und Wirksamkeit desselben wenn auch nicht das Erblühen der Gemeinde, doch gewiß das Heil der künftigen Generation abhängt, und daher ein Mißgriff auf diesem Felde gewiß eine Versündigung an unsrer Nachkommenschaft nicht minder wie an uns selbst ist?! Das ist unglaublich! Auch müßte sich ein orthodoxer Rabbiner von echtem Schrot und Korn sehr possirlich ausnehmen neben einer — Orgel.-Im Schreiben begriffen, erhalte ich soeben die heutigen Journale und lese mit nicht geringer Verwunderung in der vietverschrieenen Pesther Zeitung folgendes Referat: „Essek. Am 17. d. M. veranstaltete die hiesige Stadtgemeinde einen Ball, dessen ganzer Reinertrag zur Vertheilung an hiesige Arme verwendet worden. Daß dies ein sehr edler, in jedem gefühlvollen Herzen Anklang findender Akt war, wird gewiß Niemand in Abrede stellen, daß aber das löbl. Konnte, welches zum Arrangement dieses Balles gewählt worden, einen Religionsunterschked machte, sage: einen Unterschied zwischen Juden