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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-03-27 · Heft 14 (27.3.1848) · p. Seite 216

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 14 (27.3.1848)
Date
1848-03-27
Page
Seite 216 (sequence 14)
Language
German
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216 zu groß um — wie früher das „Rundschreiben" hier m. ihrer ganzen Ausdehnungmitgetheilt werden zu können. Ich will nur einige, mehr Faktisches als Räsonnement enthaltende Stellen über- und hierhersetzen. „In geistiger Beziehung wird Niemand leugnen, daß bei den ungarischen Israeliten das bessere Streben vorhanden. Sie bestreben sich auf alle mögliche Weise ihre Kinder den Ansprüchen der fortgeschrittenen Zeit gemäß zu erziehen. In den größeren Gemeinden bestehen regelmäßige Schulen; ja selbst auf den Dörfern bei einzelnen Juden kann man oft tüchtige Lehrer finden. Nach zuverlässiger Berechnung wird in Ungarn alljährlich mehr denn eine halbe Million auf den Unterricht jüdischer Kinder verwendet; bloß hier in Arad, wo kaum 300 Familien sind, kostet der Unterricht der Kinder jährlich mehr denn 6000 Gulden K.-M. Und daß in dieser Erziehung fast überall das ungarische Element überwiegend, davon kann sich Jedermann leicht überzeugen... Auf religiösem Gebiete ist der Fortschritt nicht weniger merklich. Das religiöse Leben wird immer reiner von Vorurtheilen; der Gottesdienst verliert mehr und mehr, besonders in den größeren Gemeinden, seinen orientalischen Anstrich. An vielen Orten wird in rein deutscher, und wo und wenn die Umstände es gestatten, in ungarischer Sprache gepredigt. Daß die Gebetssprache noch größtentheils (hat, wo denn nicht?!) ebräksch, rührt vorzüglich daher, weil auch die fortgeschritteneren Gemeinden es nicht räthlich finden, jetzt die deutsche Sprache in die Synagoge einzuführen, die später wieder zu verdrängen schwer fallen dürfte; und so warten sie lieber mit derartigen Aenderungen, bis die größere Verbreitung des Magyarismus es möglich machen wird, das Ungarische als allgemeine Gebetssprache einzuführen (so non e vero, e bene wovato!)... Daß dieses lobenswerthe Streben nicht allgemein wird, liegt vorzüglich darin, weil der Jude ganz sich selbst überlassen und auf seine schwachen Kräfte und Mittel beschränkt ist... Das Land kann nicht thatig eingreifen wie es sollte, weil es den Juden und seine Zustände nicht kennt... Das fühlte wohl die letzte Sländetafel, als sie am vorigen Reichstage Se. Maj. bat, mehrere gebildete und sachverständige ungarische Juden über die Mittel und Anordnungen durch welche jenem fühlbaren Uebel abgeholfen werden könnte, zu vernehmen; diese wohlwollende und zweckgemäße Motion wurde jedoch von der Magnatentafel beseitigt. Um Gottes willen bitten wir daher die l. Stände! Mögen sie aufcechterhalten diese heilsame Motion, in welcher nicht nur der Keim des geistigen Erblühens für 800,000 Menschen, sondern auch die Garantie für eines der Hauptinteressen des gesammten Landes liegt!... In materieller Beziehung gewährt zwar das Gesetz (1840:29) einige Begünstigungen, aber keineswegs so viel als nöthig war zur vollen Entwickelung des erwachten bessern Geistes, da der Jude noch immer von allen Aemtern und von den meisten ordentlichen Erwerbsweisen ausgeschlossen, und so an der Verwendung seiner nutzbarsten Talente verhindert ist.... In der arader Jsraelitengemeinde ist die Neigung zum Handwerke schon längst rege geworden, schon damals als sie das Gesetz noch weniger denn jetzt begünstigte. Die vermöglichsten Eltern ließen ihre Kinder ein Handwerk lernen; die ärmeren folgten treu diesem Beispiele; die Waisen-, der Obhut der Gemeinde anvertraueten Kinder wurden fast allefammt dem Handwerk und der Kunst gewidmet, was nicht wenig Geld und Mühe kostete.... Unter der arader Juden sind — andere leichtere und gewöhnlichere Handwerke gar nicht zu erwähnen — Einige Schlosser, Zeug- und Grobschmiede, Kupferschmiede, Tischler, Sattler, Büchsenmacher, Lohgerber, Faßbinder, Porträt- und Zimmermaler, Steinhauer, Kupferstecher, Bildhauer zu finden; aber wo und in welchem Zustande leben diese? Einige sind ausgewandert, haben sich in Wien und anderen großen Städten, ja sogar in Amerika und Australien niedergelassen, wo es ihnen eher gelang Werkstätten und Fabriken zu errichten als im Vaterlande; Einige sind noch immer wandernde Gesellen und befördern die Industrie fremder Länder. Jene hingegen, die nicht soviel Standhaftigkeit hatten, oder die nicht auf ewig verzichten wollten auf die Hoffnung einst am eigenen Heerde zu sitzen, diese waren gezwungen, ihr Handwerk, oft auch die schon errichtete Werkstätte zu verlassen, zur alten Lebensweise zu greifen und Kaufleute oder Schacherjuden, Zensalen oder Gastwirthe zu werden.... Noch wichtiger als das Handwerk ist der Ackerbau. Und auch zu dieser mühsamen, in unserm Lande noch gar nicht beneidenswerthen Lebensweise zeigt sich bei vielen Juden Neigung, was wir mit Beispielen aus unserm Komitate belegen könnten. Was kann aber der Jude thun, wenn ihm der Grundbesitz nicht gestattet wird? Es war schon oft der Fall, daß der Jude um theures Geld ein Grundstück von dem christlichen Unterthanen kaufte, der Grundherr aber wollte trotz 1836: 4. den Kauf nicht gutheißen, und zwar einzig und allein darum, weil er den jüdischen Pächter vorzieht dem jüdischen Unterthanen, weit

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