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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-03-27 · Heft 14 (27.3.1848) · p. Seite 212

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 14 (27.3.1848)
Date
1848-03-27
Page
Seite 212 (sequence 10)
Language
German
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212 zipation Gehör schenken, wenn jetzt noch ein Jude offen der Welt zu sagen sich erkühnt: „Mich und „meines Gleichen emanzipirt, damit der Troß durch „uns angefeuert werde sich zu veredeln rc.", da ist es Pflicht, einen solchen Egoisten auf die Finger zu klopfen, und' ihn der Verachtung preis zu geben. Wir sind zwar weit entfernt, dem Verfasser jenes Aufsatzes, schlechte Motive unterzuschieben, er mag im Innern keine böse Absicht gehegt haben, wir bedauern ihn aber, daß er so weit hinter der Zeit zurückgeblieben, ist, und bitten ihn, wenn er es mit Israel aufrichtig gut meint, die Welt mit seinem veralteten Systeme das nvvn *6 ttiiz nösn zu verschonen. Die Zeit schritt voran, es bedarf nicht mehr dieser jesuitischen Politik, und wahrlich der schändlichste Jesuitismus ist's auszusprechen, daß die ungarische Jsraelitenschaft noch nicht reif der bürgerlichen Gleichstellung ist, man solle daher einstweilen die Reichen und Gelehrten nur, emanzipiren, als wäre der schlichte Arme, der im Schweiße seines Angesichts ehrlich sein Brod verdient, minder befähigt eine bessere bürgerliche Lage anzusprechen, als derjenige, der durch Glück oder auch auf, unehrenhafte Weise zu vermögen gelangt ist. Besonders chinesisch wird jeder Unbefangene den Vorschlag in der Allgem. Zeit, in diesem in Rede stehenden Aufsatze finden, daß jeder in Ungarn sich niederzulaffen beabsichtigende Israelit erst eine Probezeit zu bestehen hat, indem er ein Meisterstück seines Charakters abzulegen hat. Wahrend in Frankreich jeder wahlfähig geworden, der 6 Monate im Lande wohnt, soll hier zu Lande „um geduldet zu werden" eine gewisse Prüfungszeit vorausgegangen sein. Dieses Projekt empfiehlt den Verfasser zum Vorstand nach ke—King. Nachdem in Frankreich, Holland und Belgien längst, die Sonne der Judenemanzipation aufgegangen, jetzt auch in England, Schweden, Italien und Deutschland bald vollkommener Tag sein wird, so kann auch Ungarn nicht lange mehr Zurückbleiben. Der Tag der Erlösung wird kommen. Der Strom der Zeit ist mächtig und reißt alle Damme der Vorurtheile nieder. Gebe Gott, daß dieser, Strom recht bald, nicht verheerend, sondern befruchtend unsere Gefilde segne! *) ...d... *) Wir können den oben ausgesprochenen Ansichten nur unsre volle Beistimmung geben. „Alle Israeliten Großbritanien. London, 15. März. Sir R. Inglis verlangte Zeit, damit das Land seine Meinung über die Judenfrage ausspreche. Dies ist nun hinlänglich geschehen. Für die Befreiung der Israeliten von allen Beschränkungen sind bis zum 1. März 841 Bittschriften mit 298,211 Unterschriften eingegangen; dagegen nur 768 Petitionen mit 54,127 Unterschriften. Frankreich. Paris, 15. März. Eine Deputation des Zentralkonsistoriums der französischen Juden begab sich gestern zur provisorischen Regierung, um derselben durch ihren Wortführer Cerfbeer ihre Ergebenheit und Achtung auszusprechen. Herr A. Marrast gab eine entsprechende Antwort. Rußland. Petersburg, 7. März. Der Verwaltungsrath des Königreichs Polen hat unterm 23. Dezember 1847, „um wegen der hohen Preise des Getreides und anderer Lebensmittel den ärmeren Volksklassen eine Erleichterung zu gewähren," beschlossen, daß die im verflossenen Jahre suspendirte Wegtreibung der polnischen Juden in einer Entfernung bis zu 3 Meilen von der österreichischen und preußischen Grenze, so wie von den Staatsgütern, sobald sie nicht Handwerker oder Ackerbauer sind, noch auf ein Jahr, d. h. bis zum 1. Oktober 1848, aufgeschoben werden soll. sind Brüder, also gleich an Recht" ist der älteste Grundsatz unsrer Religion, und jetzt, wo alle Menschen Brüder werden, sollten die Juden in verschiedene Klassen getheilt, dem einen Theil Rechte ertheilt, dem andern versagt werden? Nimmermehr, Solches müßte geradezu zurückgewiesen werden. Wir müssen emanzipirt werden, nicht weil wir vortreffliche Leute, weil wir begabt, wohlthatkg rc. sind, sondern weil—was das Höchste ist — weil wir Menschen sind, Eingeborne, deren Eltern daselbst begraben, deren Kinder daselbst geworden sind. Im Uebcigen sind wir nicht besser und nicht schlechter, als alle Menschen und Volksstämme. Und endlich, gerade der untern Klasse muß zu Hilfe gekommen werden, nicht durch Versagung, sondern Ertheilung der Emanzipation, nicht durch Knechtschaft, sondern durch Freiheit. Redakt.

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