Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 14 (27.3.1848)
- Date
- 1848-03-27
- Page
- Seite 211 (sequence 9)
- Language
- German
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211 zurück, und theilte mit, daß der König alle Forderungen, die er auch aufzählte, vollständig oder bald gewähren würde. Da erhob sich der Assessor Wache und sprach Dank aus; „aber, fügte er hinzu, eine unabweisliche Forderung des Volkes, nicht blos des in diesen Mauern, sondern der Bevölkerung des ganzen Landes, sei die Gleichstellung aller religiösen Bekenntnisse auf freisinniger Grundlage, und da ein dahin zielender Antrag unter den -an den Thron gebrachten Bitten der St. V. nicht vernommen worden sei, so müsse er seines Auftrages auch in dieser Weise sich entledigen, daß er bitte: die Stadtverordnetenversammlung möge auf das Schleunigste auch diesen Wunsch des gesammten Volkes vor den König bringen. Als aber hierauf der Vorsteher Fournier erklärte, daß auch der letzte Antrag der Bürgerschaft: Gleichstellung aller Kulte, wie schon früher von den städtischen Behörden, so auch jetzt wiederum bei dieser Gelegenheit dem Könige zur Gewährung vorgelegt worden, und daß auch aus diese Bitte eine höchst befriedigende Antwort des Königs gegeben sei — so erfolgte ein wirklicher, lang anhaltender Beifallssturm, der endlich mit der Sitzung in einer freudigen Umarmung der Bürgerabgeordneten von Seiten der St. V. sich auflöste." (Wörtlich nach der Voss. Zeit.) Ungarn. Preßburg, 14. März. Die Adresse, welche beide Tafeln an den König beschlossen haben, und durch den Erzherzog Palatin und eine Deputation, an deren Spitze der hochherzige Ludwig v. Kossuth, an den Kaiser nach Wien gebracht werden soll, deren Bewilligung unter den jetzigen Verhältnissen kaum zu bezweifeln ist, hat auch: „Gleichheit vor dem Gesetz und in Rechten und Pflichten, Gleichstellung der Religionen" zum Inhalte! Peyh, 12. März. (Privatmitth.) „Bewahre mich vor meinen Freunden, vor „meinen Feinden bewahre ich mich selbst." Dem schönen Beispiele der berliner Gemeinde folgend, Hai auch die hiesige Gemeinde bei Beginn des ungarischen Reichstages ein Sendschreiben an die Landesabgeordneten ergehen lassen, mit dem Unterschiede jedoch, daß die Israeliten an der Spree auf ihr Recht pochend fordernd auftraten, während man an der Donau jesuitisch, kriechend, bettelnd seine Beschwerden vortrug. Wie man säet, so erntet man. Wenn die Iudenschaft eines Landes in eorpore das feierliche Gestandniß ablegt, daß sie gänzlicher Emanzipation noch nicht würdig sei, daß man Mann für Mann chemisch auseinandersetzen müsse, um seine Bestandtheile zu kennen, und nur den Erprobten emanzipiren solle, so versteht es sich von selbst, daß die Gesetzgeber, die noch in keinem Kodex dieses Axiom ausgestellt gefunden, sich dahin aussprechen müssen: „wenn die Juden „in sich das Bewußtsein haben, daß sie noch unwerth „der bürgerlichen Gleichstellung sind, so müssen wir „warten, bis sie dazu reif sein werden, bis dahin „bleibe Alles in slow quo." Daß die Judenfeinde diesen köstlichen Fang ausbeuteten, war nicht anders zu erwarten, und besonders war's die judenfrefferische Pesther Zeitung, für welche dieses Gemeindeaktenstück ein Fraß war, denn mit dem Eisenmenger reicht man heut zu Tage nicht immer aus, sie fühlte sich daher glücklich, auch aus der neuern Zeit Vertilgungswaffen geschmiedet zu sehen. Die große Indignation, die in der ganzen ungarischen Judenschast das obgedachte Dokument hervorrief, war allgemein und einige Gemeinden wollten dieses Schriftstück desavouiren, indem es in der That nur die Ansicht eines Einzelnen war, welcher seine Meinung als die seiner ganzen Nation ausgab; die Furcht jedoch, daß unsere Feinde diesen Federkampf in ihrem Interesse ausbeuten würden, bewog auch die Entrüstetsten zu schweigen. Wir würden auch heute auf dieses Aktenstück nicht zurückkommen, wenn wir nicht in der Beilage zur „Allgemeinen Augsburger Zeitung" No. 66 dieselben absurden Ideen eines klassisizirten Judenthums — dem Style und Inhalte nach aus derselben Feder geflossen — schmachvoll vor ganz Deutschland aufgetischt sähen. So lange wir nur in Ungarn diesen thörichten Antrag verbreitet hielten, fanden wir ihn wol für nachtheilig, da er die wenigen Sympathieen, die für uns rege sind, erstickt, wir hatten aber ohnehin wenig Hoffnung, eine Verbesserung von dem jetzigen Reichstage zu erwarten, so hielten wir auch inne mit unsrer Verdammung, «-»büp «im. Jetzt aber, im Momente wo ganz Europa wie ein Mann für völlige Gleichstellung aller Kulte auftritt, wo alle Staaten bereitwillig dem Worte Eman- 14*