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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-03-27 · Heft 14 (27.3.1848) · p. Seite 210

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 14 (27.3.1848)
Date
1848-03-27
Page
Seite 210 (sequence 8)
Language
German
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210 dehnung üben wollen, und wir können es denjenigen, welche uns aus ihren Büchern belehrt, nicht danken, daß sie uns durch diese Bildung das schmerzliche, tief krankende Gefühl eintränken: wir sind zum Bewußtsein unserer Menschenwürde auferwacht, ohne unser Menschenrecht zu empfangen; ja, das Versprochene hat man uns nicht geleistet, das bereits Besessene hat man uns wieder genommen!" „Schmach aber Jedem, wer es auch sei, der da behauptet und die Lüge ausstreuen hilft, wir hätten uns zur Verwirklichung jener Hoffnungen schlechter Mittel bedienen wollen! Unsere Sache ist heilig, kein unheiliges Mittel befleckt sie! Ein Schwur zum allmächtigen Gott, daß unsre Gemeinde sich rein weiß von jener schändlichen Anschuldigung! Wir erkennen unsre Sache fortan als keine besondere mehr, sie. ist eins mit der Sache des Vaterlands, sie wird mit dieser siegen oder fallen. Aber schweigen dürfen wir nicht, wenn das Vorurtheil sein vielköpfiges Haupt wieder erhebt; ihm muthig zu begegnen, ist heilige Wicht. Fortwährend sind wir Israeliten bemüht, von unseren Vorurtheilen uns frei zu machen, machet auch Ihr, theure,.christliche Mitbürger, Euch von den Eurigen frei, dazu mahnet ernstlich die Zeit! Früher wol, als die Israeliten verfolgt wurden von allen Völkern, da hegten sie besondere Hoffnungen, diese Zeit ist Gottlob vorüber! Wir haben es zu wiederholten Malen feierlich erklärt, und die hiesige Stadt hat es aus dem Munde der im Jahr 1845 dahier versammelten, israelitischen Volkslehrer in öffentlicher Berathung vernommen: „wir sind und wollen nur Deutsche sein! wir haben und wünschen kein anderes Vaterland als das deutsche! Nur dem Glauben nach sind wir Israeliten, in allem Uebrigen gehören wir auf's Innigste dem Staate an, in welchem wir leben!" Magdeburg, 20. März. Aus Osnabrück, Hagen u. a. O. sind Petitionen um Gleichstellung aller Kulte ergangen. — Hannover hat dem Könige eine Adresse vorgelegt, in der derselbe Punkt gefordert wird. Der König antwortete, die Gleichstellung wäre zur Befchlußnahme noch nicht reif. — In Dessau ist eine Verordnung über Bürgerwehr erschienen; zum Eintritt werden „Christen und Israeliten" gleicherweise verpflichtet — da dort die Emanzipation ausgesprochen worden, war dies nicht nöthig. — In Leipzig haben die Israeliten eine Versammlung .gehalten, in welcher über eine Petition um Auslegung der im Programm des neuen Ministeriums so unklar ausgesprochenen „Duldung und Parität" verhandelt werden sollten Man kam überein, eine Solche zu unterlassen,, und gemeinsame Schritte mit Deutsch- Katholiken, Reformirten u. s. f. zu verabreden. Magdeburg, 2ü.März. Das herrliche Schauspiel, welches gegenwärtig die deutschen Städte geben, die allgemein die Gewissensfreiheit als eine nothwendige Forderung der Jetztzeit erklären, wird durch die Angriffe, die in einigen deutschen Gauen, im badischen Oberland, in Schwaben und im baierschen Franken, vom Lande gegen Juden geschehen find, schmerzlich verbittert. Glücklicher Weise können wir sagen, daß sie in diesem Augenblicke ihr Ende erreicht haben. Das Landvolk, von den Resten der Feudallasten niedergedrückt, hat sich gegen die „Herren" und ihre Beamten erhoben, , und nebenbei seine Plünderungswuth an den Juden gekühlt. Es ist dies eine tiefe Schmach, die nur . dadurch von Deutschland getilgt werden kann, wenn es alle Ausnahmsgesetze, die noch über die Juden verhängt sind, tilget. Hoffen wir, daß dies geschehe. Dann wollen wir die letzten Opfer mittelalterlicher Judenverfolgung, die wir zu bringen gehabt, vergessen! . Berlin, 22. März. (Privatmitth.) An den letzten Kämpfen haben sehr viele Juden Lheil genommen; unter den Gefallenen sind viele Juden/ namentlich unter den Studenten. Magdeburg, 21. März. Wenn irgend zu einer Zeit ist es nothwendig, jetzt über die Erfüllung so vieler Verheißungen zu wachen. Daher sammeln wir eifrigst, was hierauf irgend einen Bezug hat. Jedermann kennt die traurigen Ereignisse zu Berlin. Inmitten der bewegten Lage hat die Gleichstellung der Kulte auch eine Rolle gespielt. Am Vormittage des 18. März fand eine sehr große Bürgerversammlung in der Friedrichsstraße 47 statt, in der die Forderungen des Volkes diskutirt wurden, worunter „Gleichstellung aller-religiösen Bekenntnisse" ausgenommen ward. Gegen 12 Uhr begab sich die ganze Versammlung zur Stadtverordnetenversammlung; dahin kehrte eine Deputation der St. V. vorn Köpige

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