Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 14 (27.3.1848)
- Date
- 1848-03-27
- Page
- Seite 209 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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LOS 20,000 Personen abgehalten worden war', gewährt. Bel dieser Gelegenheit zeigte es sich abermals, daß es dem Juden an echtem Bürgersinn im kritischen Momente nicht fehlt. Mit dem lobenswerthesten Eifer eilten: die Juden Wiesbadens zu der in Eile organisirten Nationalgarde und theilten sich mit ihren christlichen .Mitbürgern in .der Aufrechterhaltung der Ordnung und Ruhe. Am 4. März organisirte sich in Limburg eine Bürgergarde und. auch hier betheiligten sich sämmtliche Juden daran und versehen gleichmäßig mit den. anderen Bürgern die Stadtwache. Auch aus den anderen Städten kommt uns ein Gleiches zu Ohren. Ehre diesen Männern, welche die Vorurtheile so durch die That entkräften. Jetzt gilt es aber, die Hände nicht ruhig in den Schooß zu legen, insbesondereda im Augenbli^e die Stände versammelt sind. . Wie wir vernehmen, werden von mehreren Seiten Petitionen für die Emanzipation an die Ständekammer, die nach. erfolgter Emanation eines neuen Wahlgesetzes in verjüngter Gestalt unverzüglich wieder zusammentreten wird, vorbereitet. Auch von den Israeliten sollte und. müßte dies geschehen. Der rechte Augenblick ist da. Wird er jetzt versäumt — und die dem Juden günstige, Stimme des intelligentern Theils imVolke und in^der Kammer nicht benutzt — er möchte so leicht nicht wieder kommen. Jedenfalls sollten die Israeliten Naffau's zeigen, daß sie ihrer Menschenrechte sich bewußt sind. Die Wahrheit und das Recht müssen sich einmal Bahn brechen. Wir hoffen, daß der Impuls von den Juden Wiesbadens-ausgehen werde. Diese Gemeinde hat der gesinnungstüchtigen Männer, nicht Wenige. Darum seid einig, ihr nassauischen Israeliten und erstrebet mit Gott. das...schöne Ziel, das euch eure Enkel noch danken werden! >y< : N. S.. Soeben erfahren wir, daß von der Stadt Weilburg bereits eine Adresse an die Stände abgegangen ist, die unter Anderm auch die volle Gleichstellung aller Kulten beantragt. Wiesbaden hat ein Gleiches gethan, in Diez soll, sicherm Vernehmen nach, dasselbegeschehen. -Nur rüstig an's Werk! Das Prinzip ist ja : bereits 'zugestanden. . Es handelt sich! also blos um das Wie? Gott gebe, daß unsre Sachesich günstig wende! . Man kann dann stolz darauf sein, ein Nassauer zu heißen. - ' Frankfurt aw Main, 10. März. Wie man in dieser Stadt die Sache der Juden vom Volke zu trennen sucht, erweist folgende Bekanntmachung. - An die Einwohner der freien Stadt Frankfurt. - Die Unterzeichneten haben mit der größten Entrüstung die verleumderischen Gerüchte vernommen, welche die hiesigen Juden beschuldigen, bei den. jüngsten Ereignissen durch Bestechung zu Unruhen aufgereizt^zu haben. .. Wir erklären hiermit feierlichst, gegenüber unseren hiesigen. Mitbürgern und Angesichts des gesammten deutschen Vaterlandes, im Namen der Wahrheit die erwähnten Gerüchte für Lügen und das Werk böswilliger Machinationen. Im Bewußtsein, daß wir jederzeit alle Bürgerpflichten getreulich und freudig erfüllen, vertrauen wir dem gesunden Urtheile unserer ehrenwerthen Mitbürger und hegen die Ueberzeugung, daß sie die verborgenen Absichten solcher Versuche leicht durchschauen und gebührend verachten werden. Den betreffenden Behörden ist übrigens Behufs der-weitern Untersuchung die nöthige Anzeige gemacht worden. . (Folgen die Unterschriften einer großen Anzahl von Mitgliedern hiesiger israel. Gemeinde.) Der Rabbiner Leopold Stein sah sich daher auch veranlaßt, ein fliegendes Blatt in kräftigster Sprache als „Zuruf eines israelitischen Bürgers an seine christlichen Mitbürger, gehässigen Insinuationen gegenüber^ erscheinen zu lassen. Es heißt darin: - „Keine Auswüch se mehr! Zu einem ganzen, gesunden, schönen und lebenskräftigen Organismus will Deutschland sich gestalten, es will und darf keine halben Bürger mehr haben, es will und muß wollen, daß ihm der ganze Mensch sich ergebe/ und ganz und freudig wollen wir dem Ganzen -uns anschließen. Wir finden Nichts in unserm Glauben, welches daran uns hinderte! Wir bringen Euch keinen fremden Geist! Wer das sagt, belügt Euch und schändet die Heiligkeit des freien Worts vor den Augen des jungen Lichts. Unsere Religion stammt aus dem Morgenland e, wie dieEuere, unsre Bildung aber ist wie die Euere aus dem Abendlande, eine europäische, deutsche. Ihr habt Euere Religion von uns, wir haben unsre Bildung von Euch^ Wir können es aber von denen, die aus unseren Büchern gelernt; nicht rühmlich finden, daß sie das heilige. Gebot der Nächstenliebe nicht in seiner weitesten Aus^