Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 14 (27.3.1848)
- Date
- 1848-03-27
- Page
- Seite 208 (sequence 6)
- Language
- German
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208 Land. Die Wünsche der Bürger sind von. Sr> Hoheit dem Herzoge gewährt worden und das drohende Ungewitter der aufgeregten Menge zog zur Freude aller Bewohner ohne Gefahr vor uns vorüber.. Der 14. März hat auch die Israeliten in Anhalt-Dessau würdig gemacht, denn Herzog Leopold Friedrich hat unbedingte Emanzipation der Juden zugesichert. Ein großes Wort in der Geschichte der Juden Deffau's. So schwer auch der Kampf war, die Wahrheit und das Recht haben den Sieg davon getragen. Das Prinzip ist durchgefochten worden in der Brust des Volkes, und lauter schlägt jedes israelitische Herz für die Wohlfahrt der Mitbürger, die ihn am 14. März zu Ehren gebracht, die ihn als Bruder anerkannt, als ein Kind des Staates ihn öffentlich erklärt Es war ein schöner — ein großartiger Augenblick, für den Israeliten gewiß das erhebendste Gefühl, das er je fühlen kann, , als diese Emanzipation öffentlich verlesen und später an den Straßenecken im Anschläge stand. So wie alle Punkte der herzogl. Genehmigung, so wurde auch dieser mit einem lauten Bravo vom Volke begrüßt. Außer dem Volke war es besonders das wohllöblichen Konnte der Bürgerversammlung, die unsere Menschenrechte mit demselben Eifer vertraten, mit derselben Wärme verteidigten, als gälte es der Verfassung, der Preßfreiheit, aller der Fragen, die das heutige Europa beschäftigen. Alle die Männer, an der Spitze dieser Versammlung, wir müssen es zu ihrem Ruhme hier veröffentlichen, sie wichen nicht eher von den Stufen des Thrones, als bis ihnen auch dieser letzte Wunsch -r der Wunsch für eine unverschuldet gedrückte Menschenklasse von dem Landesherrn erfüllt wurde. Sie bedürfen unsers Dankes nicht, wer das Bewußtsein hat Fesseln gelöst zu haben, die Jahrhunderte lang mit Ergebung getragen wurden, der hat auf Dank nie gerechnet, dem kann Dank gleichgiltig sein, aber die Namen derer, die sich , unsrer so menschenfreundlich, annahmen, sie werden uns unvergeßlich sein, unseren Kindern und Kindeskindern werden wir sie nennen und ihnen Zurufen: „Das haben Christen für Juden gethan." Von den Israeliten, die mit dem größten Freimuth hie Sache der Emanzipation vertheidigten, und mit wahrhaftem Feuer der Begeisterung die Gemeinden vertraten, haben wir besonders den Kaufmann W o ldemar Wolffsohn zu nennen, der dem Präsidenten von Morgenstern ohne Scheu in. seiner klaren Auseinandersetzung von - den israelitischen Angelegenheiten Anhalts unter Anderm dieses bemerkte: „Was Sie heute für das Volk gethan, würde Ihnen nicht zum Ruhme gereichen, wenn Sie für uns.Nichts thun, denn wir können Nichts mit Gewalt erzwingen, wir haben, keine Waffen und müssen ruhig nach Hause gehen, aber die Schmach wird auf Sie falleneine gedrückte Menschenklasse so schwer Und so tief öffentlich gekrankt zu haben u. s.w." Der Präsident nahm diese Worte wohlwollend auf und gab sein Ehrenwort, daß auch dieser letzte Punkt genehmigt werden solle. , Der Minister hat sein Wort ehrenhaft gelöst. Di*. Gustav Philipp so n. Karlsruhe, 16. Marz. In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer wurde von der Regierung, ein Gesetzentwurf, die Aufhebung der Beschränkung staatsbürgerlicher Rechte (Anspruch auf Staatsdienst und Eintritt in die. Kammer) aus Rücksichten der Konfession betreffend, vorgelegt. Die gemeindebürgerlichen Rechte werden dadurch nicht geändert, , und soll in dieser Beziehung später eine Anordnung erfolgen. Von der Lahn, 12. Marz. (Privatmitth.) In einer Zeit, wie die gegenwärtige, wo die Ereignisse, die man vor . wenigen Tagen kaum geahnt, sich in rascher Aufeinanderfolge drängen, kann man nur vorläufig skizziren und kurze Andeutungen geben. Daran halte ich mich auch jetzt, spatere Ausführungen mir vorbehaltend. Für die Juden in Nassau scheint eine neue Aera heranzubrechen. Die in ihrer Art fast beispiellose Reformbewegung des naffauischen Volks, die Ihnen aus den Zeitungen zur Genüge bekannt sein wird, ist die Morgenröthe, die den dasigen Juden einen Hellen Tag verspricht. Nach den Vorgängen im französischen Nachbarlande fand nämlich am 2. März l. I. in Wiesbaden eine große Volksversammlung von mehr als 4000 Personen statt und wurden die Forderungen des naffauischen Volks festgestellt und in 9 Positionen in Abwesenheit des Herzogs dem Staatsminister vorgetragen. Die Forderung xos, 9 lautet: Beseitigung allerBeengunge.n der uns verfassungsmäßig zustehenden Religionsfreiheit. Sammtliche Forderungen wurden am 4. März von dem verehrten Landesherrn, nachdem eine zweite Volksversammlung von mehrals