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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-03-27 · Heft 14 (27.3.1848) · p. Seite 207

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 14 (27.3.1848)
Date
1848-03-27
Page
Seite 207 (sequence 5)
Language
German
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207 Graf Schwerin. Zwar sprach auch dieser in der allgemeinen Diskussion nicht, jedoch lassen sich seine Grundsätze klar erkennen. Diese konzentriren sich in folgenden, von ihm gesprochenen Worten: „Ich halte es durchaus nicht gerechtfertigt, daß der Staat die religiösen Angelegenheiten einer innerhalb seiner Grenzen befindlichen Religionsgemeinschaft ordne, so wenig wie, daß er die staatsbürgerlichen Rechte davon ababhängig mache." — „Erlangt dieses Gesetz Gesetzeskraft, so wird seine Dauer nicht lange sein. Der Geist des 19ten Jahrhunderts wird darüber hinwegschreiten und seine Spur verwehen." Gut, der Herr Graf hat nun Gelegenheit, diese Worte wahr zu machen! Karlsruhe^ 10. März. In der Sitzung der zweiten Kammer vom 9ten wurde über die Unruhen gegen die Juden folgendermaßen verhandelt: Präsident Mittermaier bringt die beklagenswerthen Exzesse zur Sprache, welche in einzelnen Ortschaften gegen unsere Mitbürger mosaischen Glaubens stattgefunden haben. Er lenkt die Aufmerksamkeit der Kammer auf die Erklärung der in Mannheim wohnenden Abgeordneten, welche er verliest, und ist überzeugt, daß alle Mitglieder der Erklärung beitreten und sich mit Nachdruck dafür aussprechen werden. B e kk: Der Aufruf der acht Abgeordneten hat mich in der Seele gefreut, ich danke ihnen dafür. — Hecker: Wir haben in ihrer aller Namen gesprochen, wir waren ihrer Zustimmung gewiß. (Sämmtliche Mitglieder erheben sich unter lautem Zustimmungsruf von ihren Sitzen.) — Brentano, erzählt die schändlichen Exzesse gegen die Juden in Bruchsal, wobei er Spuren reaktionärer und jesuitischer Umtriebe zu erkennen glaubt; insbesondere beschuldigt er den dortigen Beamten (Leiblein) strafbarer Nachlässigkeit. — Nokk sucht den Beamten zu entschuldigen. — Bekk ersucht den Abg.Brentano um nähere Mittheilungen; die Untersuchung soll gepflogen, aber Niemand ungehört verurtheilt werden. — Bassermann und. Hecker benutzen diesen Anlaß, um ihre Mitbürger dringend zu ermahnen, solchen Angriffen gegen die Freiheit, das Eigenthum und die Person aus allen Kräften zu steuern und die schöne Bewegung für die Freiheit nicht durch Ausbrüche der Rohheit entweihen zu lassen. Jetzt räche es sich, daß man so viele Jahre nur gefügige Werkzeuge der servilen Partei als Beamte angestellt, die nun durchaus kein Vertrauen genießen. Viele der nach Mannheim geflüchteten Juden haben erklärt, daß sie schutzlos seien, weil gar Niemand mehr auf die Beamten höre. Es sei nothwendig, Veränderungen in den Beamtenstellen vorzunehmen. ~ Hecker machte noch darauf aufmerksam, daß die Juden, wenn sie von den höheren Rechten der Christen ausgeschlossen bleiben, nur um so tiefer sinken müssen, und daß man gerade durch die Ausschließung sie zu gefährlichen Heloten mache, die lediglich auf Wucher, Gelderwerb und Sinnesgenuß angewiesen sind. — Mez ermahnt die Juden, vom Schacher und Wucher abzutaffen und sich mehr dem Landbaue und den Gewerben zuzuwenden. — Kapp fügt bei, daß diese Ermahnung auch bei 'manchen Christen gut angewendet wäre, und führt das Beispiel eines Advokaten in Freiburg dafür an. Hamburg, 14. März. (Privatmitth. Von unserm zweiten Korresp.) Einige Lage lang hoffte man hier auf Emanzipation, und Einzelne hoffen vielleicht noch — die Wirklichkeit ist aber noch weit entfernt! Die radikale Partei hatte sich nämlich veranlaßt gesehen, auch die Gleichstellung der Kulte unter ihre Petitionspunkte aufzunehmen, und da der Senat wol wußte, daß diese radikale Partei in der Bürgerschaft keinen Anhang findet, und die Wenigsten der Petitionspunkte vor ihren Augen Gnade finden würden, hat er Alles angenommen. Da erscholl allgemeiner Jubel in Israel: Wir sind emanzipirt! O bittre Täuschung! Hamburg wird in ganz Deutschland die allerletzte Stadt sein, in denen den Juden Gerechtigkeit zu Theil wird, schon deshalb, weil hier statt Humanität nur Banko, statt Intelligenz nur Kourant vorherrschend ist! Von den gestern erwählten 15 Mitgliedern, welche eine Reform der Verfassung ztt berathen haben, stimmen die Wenigsten für Emanzipation und dann bedarf man noch der Zustimmung der Bürgerschaft. Man giebt den Juden Etwas — und damit müssen sie auf 50 oder 100 Jahre zufrieden sein! Vorläufig haben sich unsere Aussichten noch nicht günstiger gestllt! Anerkennenswerth ist es, daß vr. Rieß er in dieser Zeit nicht unthätig ist: wird Etwas für Hamburg erreicht, verdanken wir es Iheilweise ihm. Dessau, 15. März. (Privatmitth.) Der gestrige Lag war trotz der Unruhen ein Festtag für das ganze

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