Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 14 (27.3.1848)
- Date
- 1848-03-27
- Page
- Seite 206 (sequence 4)
- Language
- German
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206 Zeitungsnachrichte«. Dentschland. Magdeburg, 19. März. Wir fahren fort, alle uns zukommenden Nachrichten zur übersichtlichen Schau zusammenzustellen. Die Bürger Danzigs haben petitionirt, und zwar um 2) „Gleichstellung aller religiösen Bekenntnisse". — In Paderborn fand eine Petition zahlreiche Unterschriften um 3) „Gleichberechtigung aller Külte". — In Leipzig fand eine Versammlung von 40 Landtagsabgeordneten statt, die einen Aufruf an das sächsische Volk entwarfen, worin 8) „völlige äußere Freiheit und Rechtsgleichheit eines jeden religiösen Glaubens und Bekenntnisses und kirchlichen Vereins, vernicht mit den Gesetzen des Staats und mit der Sittenlehre im Widerspruch steht" gefordert wird. — Der Herzog v. Dessau hat zwar den Forderungen der Bürger um eine ständische Verfassung zu genügen verheißen, die anderen Wünsche aber, z. B. die Emanzipation der Juden von den „Landständen" abhängig gemacht. — Zu Rhoden (Fürstenthum Waldeck) haben die Bürger um 7) „staatsbürgerliche Gleichstellung aller Konfessionen" petitionirt. - In Wesel wünschen die Bürger in einerAvresse „Freiheit der Bekenntnisse ohne irgend eine Beschränkung der politischen Rechte durch dieselben". — In Hamburg hat der Senat, Propositionen einer Bürgerdeputation übergeben, worunter: „Unabhängigkeit der bürgerlichen und politischen Rechte von dem religiösen Bekenntniß". — In Prag, als der ersten österreichischen Stadt, in der ein solcher Schritt geschah, ist eine Petition zu Stande gebracht worden, worin 13) „Gleichstellung aller Konfessionen" ausgesprochen ist; unter dem leitenden Komitö ist auch ein Jude. - In der von den berliner Stadtverordneten dem Könige übergebenen Adresse kommt die Stelle vor: „Die völlige Gleichstellung aller religiösen Bekenntnisse ohne staatliche Bevorzugung des einen vor dem andern so wie die bürgerliche Gleichstellung ihrer Bekenner, ist, als das Ergebniß der mildern und versöhnlicher» Gesinnung unserer Tage in der Sitte vollzogen und es ist daher gewiß an der Zeit, daß die Gesetzgebung auch ihrerseits die an das religiöse Bekenntniß geknüpften Beschränkungen fallen läßt." — Viele Städte und Landgemeinden im Bernbur gischen haben an den Herzog eine Adresse gerichtet, deren 5ter Punkt: „Gleichstellung aller Religionskulte in bürgerlicher Hinsicht. — Das neue sächsische Ministerium erklärt in seinem Programme: „Gesetzliche Ordnung der kirchlichen Verhältnisse im Geiste der Duldung und Parität" — höchst pretiöse Worte, wo „Duldung" und „Parität" einen sehr sonderbaren Widerspruch bilden: Parität hebt die Duldung auf, denn sie begründet „Gleichberechtigung"! — Von Breslau ist eine neue Petition an den König ergangen, in der 7) „Gleichberechtigung Aller im Staate." — Das neue württembergische Ministerium hat in der Ständesitzung am 14. erklärt: „Die Regierung wolle die kirchliche Bewegung frei geben und Gleichstellung der Bekenner aller Religionen in politischen und bürgerlichen Rechten."—Im Hannoverschen ist Münden die einzige Stadt bis jetzt, die sich in ihrer Adresse dahin ausgesprochen: „Die verschiedenen religiösen Konfessionen können in unsrer Zeit keinen Unterschied mehr in Ausübung von Rechten und' Pflichten machen, und wir bitten deshalb, der nächsten allgemeinen Ständeversammlung Gesetzentwürfe zur Beseitigung jetzt noch bestehender Beschränkungen der Staatsbürger zur Mitwirkung vorlegen lassen zu wollen." — Die Bürger von Saarbrücken, Leer und vielen Städten haben um Gleichstellung aller Kulte petitionirt. Magdeburg, 20. März. (Privatmitth.) Soeben ist das neue Ministerium gebildet. Es besteht bis jetzt aus Graf Arnim, Graf Schwerin und v. Auerswald. Was sind deren Antezedenzien für uns? Graf Arnim, Mitglied der Herrenkurie, hat in den Debatten über die Judenfrage — nicht ein einziges Mal das Wort genommen; er hat also weder für, noch gegen sich Etwas. Graf Schwerin hat in der Abstimmung für Zulassung zu allen Staatsämtern, für Ertheilung der, ständischen Rechte — also für vollständige Emanzipation, und gegen gemischte Ehen gestimmt, v. Auers wald hat ebenfalls für Zulassung zu allen Staatsämrern, für die Ertheilung der ständischen Rechte gestimmt. Bei der Abstimmung über gemischte Ehen war er nicht zugegen; ebenso fehlten Beide, als über völlige Emanzipation am Schlüsse abgestimmt wurde. In den Debatten selbst hat v. Auerswald nur sehr selten und. in untergeordneten Fragen das Wort genommen;- hingegen