Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 14 (27.3.1848)
- Date
- 1848-03-27
- Page
- Seite 204 (sequence 2)
- Language
- German
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204 der Juden von der des Volkes getrennt, und ihre Gleichstellung deshalb. verweigert hat.. Auch ist in anderen Staaten, das Verlangen nach Gleichstellung dev Religionen noch sehr schwachv namentlichv in Sa chse n und Hannover. Wird dies nicht auch in mehren Staaten geschehen? Spricht nicht auch die königliche. Proklamation in B a i e r n blos von „Verbesserung der Verhältnisse der Juden"? ‘ Wird dies, wenn erst die Ruhe wiedergekehrt, nicht in, mehren Ländern der Fall sein? Allerdings sind auch wir fest überzeugt, daß dadurch die Erfüllung dieses Prinzips nur aufgehalten werden kann; allein wir wissen auch, daß, wenn in Deutschland der Orkan, der von außen den Anstoß erhielt, erst wieder vorüber ist, viele Dezennien wieder vorübergehen können, ohne daß wir vorwärts gelangen. Deshalb erfordert es wol allseitige Aufmerksamkeit. Was wir daher anrathen müssen? Zuerst, und vor allen Dingen, daß wir uns aufrichtig und mit ganzem Herzen der Bewegung der Zeit anschließen. Dazu, treib.t uns. allerdings das eigene. Herz. Unter dem Druck, den die. Jahrhunderte auf die Juden geübt haben, unter den Einflüssen der rasch unter ihnen geförderten, in kürzester Zeit von ihnen eingeholten Bildung konnte es nicht anders sein, als daß ihre Gesinnung jener stabilen Meinungspartei fremd ist, unter deren Herrschaft sie so Unsägliches gelitten, die ihnen überall die größten . Hindernisse in den Weg legte, die sie so gern wieder aus dem Volke ausscheiden und in . die Ghetti's bringen wollte. Ferner entspricht diese Bewegung. der Zeit völlig den innersten Prinzipien unsrer Religion, ist die Verwirklichung derjenigen Grundgesetze der Gesellschaft, welche schon der Mosaismus verkündete, daß wir gerade durch diese Bewegung dem Wesen unsrer Religion wieder näher gebracht werden, als durch alle veralteten Formen. Ja, Israel kann nur da gewinnen, wo Freiheit und Gleichheit vor dem Gesetze Raum und Herrschaft gewinnen; kayn seinen Sieg nur da vollenden, wo die Menschheit ihren Sieg über alle rohe Gewalt, Druck und Schranke vollendet; sein Interesse ist das der gesammten Menschheit; seinen Platz hat es immerfort auf der Seite des wahren Rechtes! Zweitens, indem wir in dieser Bewegung der Zeit der Ordnung und Gesetzlichkeit, der Regelung der Verhältnisse alle mögliche Kraft und Hilfe leihen. Die Auf-. ga.be der. Zeit ist schwierig; ihre Lösung wird noch vieler Jahrzehende bedürfen; denn die politische Veränderung, nimmt nur den Vordergrund ein, und die soziale Frage bleibt noch in Hrer ganzen Schwere bestehen. Die Kampfe der Menschheit sind noch' lange nicht zu Ende. Aber gerade dieses Ende kann nicht durch wilden Zusammenstoß, sondern allein aus allmaliger Entwickelung herausgeschafft werden. Ueberall also, wo die gesetzlichen Bande wieder angeknüpft, die gesetzliche Ordnung wieder hergestellt, wo Eigenthum, Leben zu beschützen sind: da müssen wir mit unseren Mitbürgern uns vereinen, Mann für Mann, kein Zurückziehen, kein Müssigbleiben! Drittens muß mehr als je, wo uns alle Wege des Lebens, geöffnet worden, unser Bestreben dahin gehen, uns in alle Zweige des gewerblichen und gewerblichen Lebens zu versenken, uns aus ausschließlicher Betreibung des Handels herauszuarbeiten, und so jede exzeptionelle Stellung aufzugeben. Dann aber sind wir auch vollberechtigt, viertens wachsam zu sein, daß unser gutes Recht in dieser großen Krise nicht unbeachtet, bleibe, daß wir nicht wieder zurückgestoßen werden, daß. die allgemeine Freiheit nicht wieder ein Sackgaßchen für die israelitischen Deutschen bekomme. Hierauf wollen wir alle intelligenten Juden, namentlich die Vorstände und Einflußreichen aufmerksam machen, um durch Petitionen, Demonstrationen, Schrift- Wort, That dahin zu drängen, daß' die Gleichstellung der Kulte, vor dem Drange der politischen Momente nicht wieder zurückgeschoben werde zu gelegener Zeit, daß . unsre Sache nicht wieder getrennt werde von der des Volkes- Hinweg mit der falschen Scham, der kosmopolitischen Scham, im großen Bau der Zeit seine eigene Basis nicht vorschiebrn zu wollen, sondern weil die Gewissensfreiheit endlich ein unverkennbares Moment der Neuzeit ist, in der eigenen Sache die allgemeine vorwärts bringen, vollenden! Oesterreich und Preußen sind in die Rei-. hen der konstitutionellen Staaten ringetreten; die Verfassungen dieser Staaten werden binnen Kurzem geordnet werden; sorgen wir dafür, daß wir in denselben nicht vergessen werden! Ueberall Petitionen, oder eine Gesammtpetktion, welche an die Stände gerichtet werden, worin, die Uebelstände, der Druck, das Unrecht schonungslos aufgedeckt werden, das Recht kräftig beansprucht, nicht gebettelt, nicht er?' beten, sondern gefordert, ungestüm: gefordert, wirdso daß jede Verweigerung von vornherein gebrandmarkt werdet