Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 13 (20.3.1848)
- Date
- 1848-03-20
- Page
- Seite 200 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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200 klärung aus Deutschland wenig Eingang hier finden, denn die Juden nehmen meistens den Charakter des Volkes an, unter dem sie wohnen; und doch macht man ihnen den Vorwurf, als wenn sie sich nirgends einbürgern wollten. Die Gemeindeverwaltung war und ist in nicht guten Händen. Um sich einen Begriff von deren Zustand zu machen genügt die einzige Lhatsache, daß den Lehrern nie ihr Gehalt richtig ausgezahlt wurde. Da von Seite der Behörden die Gemeinde nicht als Solche anerkannt wird, so kümmern sie sich um deren innere Angelegenheit nicht. Aus Erlaubnißmangel edlerer Nahrungszweige sind die meisten Juden hier Trödler und Hausirer, dies giebt Anlaß zu Schmuggel und Entartung, was ihnen dann häufig vorgeworfen wird, und doch ist es der Druck, der sie dazu treibt. In den anderen Gemeinden findet mehr Annäherung zwischen den Juden und Christen statt, besonders wo viele Deutsche sind. Zum Schluffe möge berichtet werden, daß jeder Jude hier, wie die anderen Glaubensbekenntnisse geborner Militär ist, und nie kam eine Klage wegen Mangel an Diensteifer derselben vor, auch werden sie an Sams- und Feiertagen nie vom Militärdienste verschont. Der semliner Chacham Rabbi Jehuda Alkalai, ein im talmudischen Fache gelehrter Mann, übrigens aller europäischen Sprachen und Literatur bar, gab unter Anderm vor Kurzem zwei Broschüren heraus: it-ni-p nnun und «np bip, worin er aus *pr>, mabn und iv-n», so wie aus den Schriften des tmn und bam'-DK beweist, daß die Juden im Jrrthume sind, wenn sie glauben, Messias werde Krieg führen, und sie durch Gewalt der Waffen im Besitze Palestina's fetzen, wohin sie sämmtlich mit einem Male einwandern werden. * Diese Kriege sind rwabsa mnnbö, sagt er (vielleicht mit den Leidenschaften). Er führt einen un-m an: vvridr ‘pnwi sie nicht auf einmal einwandern, sondern nach und nach. Er beweist ferner aus diesen Schriften, die Erlösung aus dem Exile wird geschehen, wie aus dem babylonischen, durch Bitten der Monarchen. Er beabsichtigt einen Kreuzerverein unter den Juden zu stiften, in Palestina ‘pTTi-PD, Fabriken und Oekonomieschulen zu bilden, mit einem soeius, der in europäischer Literatur bewandert, sich zu verbinden. Korrespondenz. Pesth, 29. Februar. Monatsbericht. „Er verlangte Brod und sie gaben ihm einen Stein." Diese auf das Schicksal deutscher großer Geister so oft anwendbare Grabschrift bewährt sich auch bei uns in Ungarn nicht selten; bewährte sich in vollem Maaße an dem jüngst verstorbenen ersten und vortrefflichsten ungarischen Komponisten, unserm bis zum Tode seiner väterlichen Religion treu gebliebenen Glaubensgenoffen Mark Rozsavölgyi. „Diese Todesbotschaft — schreibt ein ungarisches Journal — ist nicht nur darum betrübend, weil wir in dem Verstorbenen den ausgezeichnetsten ungarischen Komponisten verloren haben, den ungarischen Komponisten, in dessen Arbeiten der reinste Nationalcharakter, herzergreifende Melancholie, Kraft und Erhabenheit, hohe Begeisterung, lustige Laune und die verschiedensten Arten, der Ausdrucksweise sich einten; — sondern traurig und zweifach betrübend ist diese Nachricht auch darum, weil der geniale aber arme ungarische Komponist, so zu sagen von Allen verlassen, in erbärmlichem Zustande und mit dem traurigen Bewußtsein: daß er von seiner Nation, zu deren Verherrlichung er solch' erhabeyeMeisterwerke schuf, nicht genügend gewürdigt wird, diese Welt, das stiefmütterliche Vaterland verließ,... So ist der Ungar, seinen theuersten Schatz weiß er am Wenigsten zu würdigen, wofür die Nachwelt mit strenger Verdammniß belasten wird die unbesonnenen und herzlosen Vorfahren.... Du hast uns jetzt verlassen, alter Virtuos, aber Dein großer Geist, Dein echtungarisches Herz wird in Deinen zahlreichen zurückgelassen Schriften leben — so lange auf Erden ein Ungar lebt."... R. wurde im Jahre 1787 im Balassa-Gyarmath (neograder Komitat) von armen jüdischen Eltern geboren. Er zeigte schon frühzeitig große Neigung zur Musik, indem er statt des Schulbesuches an den Thüren der Wirthshausex der Musik horchte. Seine musikalische Ausbildung erhielt er später in Preßburg, Wien und Prag, von wo er 1806 nach Ungarn zurückkehrte .und hier bald durch Herausgabe seiner ersten sechs ungarischen Kompositionen bekannt wurde. Er erhielt eine Anstellung in Baja, von wo er 1819 — als er dort in dem großen Brand seine gesammte Habe einbüßte — nach Temesvar ging und dort als Orchesterdkrektor lebte, bis .er 1823 wieder von dem barscher Ko-