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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-03-20 · Heft 13 (20.3.1848) · p. Seite 199

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 13 (20.3.1848)
Date
1848-03-20
Page
Seite 199 (sequence 13)
Language
German
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199 Wanderer dem Verderben entgegen; bis er sich indem fremden Ort einheimisch gemacht, hat er sich längst aufgezehrt. — In der ganzen Militärgrenze giebt es nur vier kleine Gemeinden in den vier Kommunitäten: Semlin, Pantschova, Weißkirchen und Coronsebesch, sonst ist da nirgends ein Jude ansässig mit Ausnahme eines einzigen in Peterwardein. Das Aussterben der Familien gelang am Besten in Pantschova, da dort sich kaum noch drei ganze jüdische Familien befinden. Ein Jude erwirkte sich Erlaubniß da zu wohnen durch einen Fußfall vor Sr. Maj. dem Kaiser bei einem Spaziergange höchstdeffelben — auch wird die Eindringung mit der größten Strenge überwacht, doch hielten sich ehedem im letztem Orte viele fremde Juden aus der Bacs und dem Banate Geschäfte halber auf, denn obwol die Verfassung militärisch ist, so ist doch in den Kommunitäten die Verwaltung Zivilhänden anvertraut, größtentheils den nicht unirten Griechen, die selbst noch nicht lange emanzipirt sind. In neuerer Zeit wird der Aufenthalt der fremden Juden erschwert; so oft eine Lizitation ausgeschrieben wird, steht die Klausel dabei „Juden werden nicht zugelassen" und dies selbst bei solchen Artikeln, die nur Juden in Schwung brachten, wie Blutegel, wofür sie Hunderttausende dieser Gegend einbrachten. In Coronsebesch wird der Aufenthalt der fremden Juden auf's Strengste überwacht. Nicht so ist dies in Semlin der Fall. Hier treten mehrere Umstände zusammen, die der strengen Ueberwachung der Juden entgegenstrebten. In Semlin ist die größte Judengemeinde in der Militärgrenze, doch nicht über dreißig Familien, auch ist da eine beinahe ebenso große Gemeinde von türkisch-spanischen Juden, diese Beiden wohnen in einerbesondern Gaffe; ferner ist Semlin ein bedeutender Stapelplatz für die angrenzenden Länder und Italien, und die Juden machen bedeutende Geschäfte; endlich begnadigte weil. Se. Maj. der Kaiser Franz während seiner Anwesenheit auf ihr Ansuchen die Gemeinde mit der Erlaubniß, 18 ausgestorbene Familien auf's Neue stiften zu dürfen. Durch diese Umstände begünstigt wurden mehr Familien ansässig als das Gesetz erlaubte. Als nun vor 3 Jahren ein eben angestellter Bürgermeister deren Ausschaffung anordnete, da erhob sich ein großer Jammer in der deutsch-jüdischen Gemeinde; sie mußte aufgelöst, Familienverhältniffe zerrissen werden, diese an den Bettelstab kommen und jene konnten die Auswanderungskosten nicht erschwingen, Mitleid, Schadenfreude und Verachtung umgaben sie. Da erhob sich ein Greis, Vater von 12 Kindern, und ergoß seine Thränen vor den Stufen des Thrones Sr. Maj. des Kaisers, höchstdessen Milde den Prozeß sogleich Niederschlagen ließ, dessen Ende nun ungewiß'ist. Bei dieser Angelegenheit legten der dasige römisch-katholische h. Probst so wie der h. General y. U. eine seltene Humanität an den Tag, die würdig ist in den Annalen des Judenthums ausgezeichnet zu werden. Vom Mitleid für die Unterdrückten beseelt, zeigten sie der Regierung, daß die Juden ein nützliches Gegengewicht der hier überhand genommenen nicht unirten Griechen bilden. Diese sind übrigens den Juden mehr abgeneigt, als die v. Katholischen *). So hart indeß die Eingangs erwähnte Maßregel der Nichtvermehrung ist, so wenig kann sie der milden Regierung Oesterreichs zur Last gelegt werdenschon darum nicht, da sie der tolerante Joseph II. zuließ. Zu einer Zeit, wo die Dissidenten aus Oesterreich gewiesen wurden, war es eine Wohlthat, die Juden im Lande zu lassen. Als eine Zählung derselben mit Angabe ihres Vermögens angeordnet wurde, gaben sie dasselbe so wie ihre Zahl weit geringer an als sie in der That waren. Die Regierung glaubte ihnen eine Wohlthat zu erzeigen, wenn sie deren Vermehrung Schranken setzte. Nun war es an den Juden, jene über die wahre Sachlage die Augen zu öffnen, durch Schrift und Wort das Schrecken dieses Systems aufzudecken, das Entartung, Angeberei- Korruption der Beamten, Verzweiflung, Wahnsinn und Nymphomanie der Jungfrauen zur Folge hat. Die inneren Zustände der Juden dieser Gegend sind nicht erfreulicher als die äußeren. In Semlin leben die Juden noch ganz nach alter patriarchalischer Weise, als wenn der Orthodoxismus sich von der ganzen österreichischen Monarchie hieher in deren letzte Stadt geflüchtet hätte. Die Nähe der spanischen Juden so wie der nicht unirten Griechen ließ die Aufi *) Dies zeigte sich in Rußland, ebenso im griechischtürkischen Kriege, wo 100,000 Juden niedergemetzelt wurden, um die nicht einmal ein Klagelied ertönte, deren Gebeine nicht eingefriedet. Lebte doch noch der britische Sänger, der Verfasser der Klagetöne auf die Ruinen Jerusalems, der auch zugegen war! Der Druck von Seiten der nicht unirten Griechen ist den Juden hier doppelt unerträglich.

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