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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-03-20 · Heft 13 (20.3.1848) · p. Seite 197

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 13 (20.3.1848)
Date
1848-03-20
Page
Seite 197 (sequence 11)
Language
German
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197 Medizin. Fakultät ordentlichem, der Gesellschaft für Natur- und Heilkunde zu Dresden korresp. Mitglieds, und prakt. Arzt zu Prag. Prag, 1846. (Preis lOSgr.) W—U. Frankreich. Paris, 12. März. Daß zwei Juden in der provisorischen Regierung sitzen, gab den, dieser feindlichen Parteien schon Gelegenheit, sich an ihr zu reiben. Crömieux wurde als Beförderer von Juden zu Stellen angeklagt, namentlich daß er den Generalprokurator Anspach (Israelit) im Amte gelassen. Jndeß läßt sich dieser dadurch nicht beirren, seinem Vaterlande seine Kräfte zu widmen, und bringen die Blätter täglich herrliche Dokumente, wie er als Einer der Wortführer der jetzigen Regierung überall ihr neue Stützen durch sein beredtes Wort schafft. — Der Finanzminister Goudcheaux hingegen hat bereits seine Demission genommen, weil der Maire Garnier Pages wider seinen Willen die Börse hat öffnen wollen. — —. Ueber die Judenverfolgung im Elsaß berichtet die Köln. Zeit, vom 28. Februar: So oft in Frankreich politische Stürme eintreten, so macht sich in einem Eheste der elsässischen Bevölkerung der Haß gegen die Juden Luft, und es flüchten sich Viele der Letzteren mit ihrer fahrenden Habe in die benachbarte Schweiz. Dies ist nun auch jetzt wieder der Fall, und wir sehen seit einigen Lagen zahlreiche Wagen mit jüdischen Habseligkeiten, Frauen und Kindern auf schweizerischem Boden anlangen. Die nächste Veranlassung zu dieser Flucht gaben judenfeindliche Auftritte, welche in voriger Woche iy Altkirch stattfanden und von denen die Juden fürchten, daß sie auch an anderen Orten Nachahmung finden werden. So weit wir unterrichtet sind, ist jedoch außer Altkirch noch kein anderer Ort gegen die Juden aufgetreten, wie überhaupt trotz der herrschenden Aufregung der Gemächer im obern Elsaß die öffentliche Ordnung noch nicht gestört worden ist und Personen und Eigenthum dermalen noch völlig sicher sind. Das allmälige Erscheinen von rochen Mützen giebt freilich mancherlei Besorgnissen Raum. Eben darüber heißt es von Bern, vom 3. März: Der Vorort hat sich durch die Berichte über die Exzesse im Elsaß veranlaßt gesehen, zu den wegen Nevenburg aufgebotenen zwei Bataillonen nych ein drittes Bataillon aufzubieten, um die Grenzen von Neuenburg, Bern, Waadt und Basel zu besetzen und zugleich ein Zirkular an alle Grenzkantone zu erlassen, worin er sie einladet, den flüchtigen Juden immerhin das Asylrecht zu gewähren, jedoch dieselben möglichst nach dem Innern zu verlegen. Ungarn. Pkeßburg, 1. März. (Privatmitth.) Wir träumten von fetten Jahren, und siehe die mageren Aehren haben die fetten verschlungen! Der Gesetzentwurf über Qualifikation zu Wählern schließt die Juden von diesem Recht aus, nur Jene, die zu den rezipirten Religionen sich bekennen, können Wahlbürger werden, lautet ein §. dieses Gesetzentwurfes. Dieser §. rief eine heftige Debatte hervor. Kossuth von Pesth wünschte eine Ausnahme für solche Juden, die die erforderlichen Qualifikationen und das Zutrauen der Bürger besitzen. Diesem Vorschläge widersitzt sich zuerst Sebestyen von Vesprim; die Juden, weiß er, haben antisoziale Religionstendenzen*), weshalb er die Einwanderung ausländischer Juden nie zugeben, für die Inländer jedoch, wenn sich die Umstände ändern, und eine Annäherung von Seiten der Juden stattfinden wird **), seiner Zeit Alles zu thun sich be- *) Welches sind die antisozialen Religionsteydenzen der Juden? vielleicht die Nächsten- und Fremdenliebe? die unbestreitbare Milde der Juden gegen Leidende ohne Unterschied der Religionen? Glaubt der Herr Deputirte, die Sozialität der Menschen liege in der Schüssel? Man wirft den Juden in Ungarn vor, sie befördern nicht die Nationalsprache! Moritz Bloch war Jude.noch, als er die Nation mit seiner unübertroffenen Grammatik und seinen reichhaltigsten Wörterbüchern bereicherte! Herr S. Neumann, Lehrer an der altosiner israelitischen ungarisch-deutschen Normalschule ist verdienstvoll bekannt als Verfasser mehrerer ungarischen Werke. Unlängst hat Se. k. k. Hoheit der durchl. Erzherzog Reichspalatin huldreichste Anerkennung für höchstdemselben überreichte Werke in ungarischer Sprache durch höchstdessen Oberst- Hofmeister Herrn Neumann zukommen lassen! Als Beweis, daß die Nationalsprache auch unter den Christen noch fremd ist, dient der §. 49 der Städtekoordination, laut welchem nur Individuen, die der ungarischen Sprache mächtig sind, zu Präsentanten gewählt werden sollten, und aus dem Grunde verworfen wurde, weit sonst in vielen Städten, selbst in Preßburg, kaum, einige Präsentanten gewählt werden könnten! **) Sollen wir in Eure Zünfte treten, unsere Kinder

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