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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-03-20 · Heft 13 (20.3.1848) · p. Seite 192

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 13 (20.3.1848)
Date
1848-03-20
Page
Seite 192 (sequence 6)
Language
German
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192 wenden sich an euch, unsere christlichen Brüder, und hoffen, ihr werdet nicht länger jene Ausnahmegesetze billigen, die uns euch unebenbürtig machen, die einen Unterschied in den Rechten verschiedener Bürger aufstellen, ohne einen solchen in den Pflichten anzuerkennen. Unsere Bitten sind bei den gesetzlichen Organen des Landes zum großen Theil ungehört verhallt, man trägt Bedenken von anderen Seiten, die Bitte um völlige Gleichstellung der Juden auszusprechen, wir haben ein besseres Vertrauen zu euch. Die wahrhaft freien Völker, England, Frankreich, Holland, Belgien, haben ihren israelitischen Brüdern volle Freiheit gewährt. Rußland, Deutschland und Italien waren bisher die Staaten, wo die Zensur allein noch geherrscht, wo die Israeliten noch den meisten Druck erlitten. Italien hat die Preßfreiheit, Italien hat die Gleichstellung aller Religionsparteien ausgesprochen, Deutschland wird nicht Zurückbleiben. Schon haben viele deutsche Staaten die Preßfreiheit verkündet, bereits seit längerer Zeit haben fast alle deutschen Staaten ihren Israeliten größere Freiheiten eingeräumt, als Sachsen, und wo es noch an völliger Gleichstellung fehlte, hat die christliche Bevölkerung durch Petitionen in Unzahl noch in diesen Tagen, wie z. B. in Frankfurt a. M., Mannheim, Nürnberg, Stuttgart, Karlsruhe rc., um dieselbe nachgesucht. Auch ihr, Mitbürger in Sachsen, werdet es mit dem Fortschritt unsers staatlichen und religiösen Lebens, mit dem Tage, der jetzt beginnt, nicht vereinbar finden, daß ein Theil, ein kleiner Theil der sächsischen Bevölkerung, nur seiner Religion wegen mit Nacht umfangen bleibe. Wir vertrauen auf den Freisinn, auf die Intelligenz und Bildung der sächsischen Bevölkerung, daß sie durch Aufnahme der Bitte um politische Gleichstellung aller Religionsparteien bei der Regierung und den Ständen dazu beitragen werde, jene Ungleichheiten, die uns bürgerlich und politisch unfähig machen, die uns hindern, selbst von dem geringen Rechte, das wir besitzen, den wahren und freien Gebrauch zu machen, für alle Zukunft zu entfernen, und daß sie durch Verleihung der Freiheit und Selbstständigkeit, soweit es in den Kräften des Volks steht, ihrerseits beweisen werde, daß sie selbst zur höchsten politischen Reife gelangt und der vollsten Freiheit würdig sei. Mitbrüder, bewährt dies durch die Thal und zeichnet eine „Bitte an Se. Maj. den König um Vorlage eines Gesetzentwurfs an die Ständeversammlung, betreffend die völlige Gleichstellung der Bekenner aller Konfessionen". Magdeburg, 13. März. Wir fahren in unserer Berichterstattung über die, zu Gunsten der Gewissensfreiheit und bürgerlichen Gleichstellung aller Kulte geschehenen Demonstrationen fort. Der erste Staat, der in Folge der neuesten Ereignisse die bürgerliche Gleichstellung der Israeliten unumwunden ausgesprochen, ist — das Landgrafenthum Hessen-Homburg, wo durch die oben erwähnte Verordnung „die Israeliten auch in orts- und staatsbürgerlichen Rechten den Christen gleich gestellt" worden sind. — Wir haben oben bemerkt, daß die Aeußerungdergroßherzogl. hessischen Proklamation noch sehr zweifelhaft ist. Eine Deputation der jüdischen und deutsch-katholischen Gemeinde begab sich daher am 7. März aus Offenbach nach Darmstadt. Der Minister Gagern eröffnete nun den Kammern, so wie speziell jener Deputation: der Erbgroßherzog wolle die bereits ertheilte Bewilligung der Kultusfreiheit zugleich dahin verstanden wissen, daß die bürgerlichen und politischen Rechte derHessen ohne Unterschied des Glaubens und der Konfession gleichgestellt sind. DenKammern solle daher in einer der nächsten Sitzungen eine Abänderung der betreffenden §§.20. 21. der Verfassungsurkunde vorgelegt werden. — In Hessen-Nassau haben die Bürger zu Weilburg eine Adresse an die Stände erlassen, worin gefordert wird: 24) unbedingte Religionsfreiheit, 25) gleichmäßiger Antheil aller Nassauer an sämmtlichen bürgerlichen und politischen Rechten ohne Unterschied des Glaubens. — Aus Kreuznach ist eine Adresse nach Berlin abgegangen, deren dritter Punkt „Gleichstellung aller Kulte" ist. — Robert Blum in Leipzig hat einen Aufruf an die Männer Sachsens erlassen, in welchem der siebente Punkt: wirkliche und völlige Glaubensfreiheit und gleiche bürgerliche Rechte für alle Religionsparteien. Stellen wir diesem die Berichte über Judenverfolgung im Bade n'schen an die Seite. Das Mannh. Abendbl. vom 7. spricht sich folgendermaßen aus: „Die Schändlichkeitn, welche in einzelnen, glücklicher Weise sehr wenigen Orten unsers Großherzogthums gegen Juden begangen wurden, erscheinen ganz unglaublich, wenn man erfährt, daß in Baiern und namentlich in der Residenz auf's Lauteste die Juden-

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