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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-03-13 · Heft 12 (13.3.1848) · p. Seite 173

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 12 (13.3.1848)
Date
1848-03-13
Page
Seite 173 (sequence 3)
Language
German
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178 Rettung der Menschheit entgegen, und der Sinn der Propheten schließt sich uns allseitig auf. Vergessen wir es nicht, die Menschheit immerfort daran zu erinnern! In Sachen der Zivilstarrdsregrster der preußischen Israeliten theilen wir, um . die Dringlichkeit abermals zu zeigen, folgende Fälle mit, die' uns durch den löbl: Vorstand der Gemeinde zu Neustadt an der Warthe bekannt geworden sind, damit die Bewegung hierfür eine allgemeine werde. . 1) Am 14. September v. I. starb dem hiesigen 75jährkgen, in zweiter Ehe lebenden Manne Leib Hoffmann, Vater einer zahlreichen Familie, ein Sohn, und mußte sonach von der Bestattung seiner Leiche zurückgekehrt, in den zur Zeit just stattgefundenen Regengüssen, die Reife nach dem 5 Meilen weiten Pleschen machen. Vom Gram über den Verlust seines Kindes gebeugt, und vom unaufhörlichen Regen und Sturm durchnäßt, erkrankte der rc. Hoffmann schon auf der Hinreise so sehr, daß er kaum nach Hause gebracht werden konnte. In diesem Zustande zu Hause angelaNgt, verfiel er in eine langwierige Krankheit, die an dessen Genesung zweifeln ließ. 2) Einem sehr armen, von Tagelohn sich ernährenden Manne, Isac Cohn, wurde am 21. Oktober v. I. ein Kind geboren, welches dieser bei gänzlichem Mangel an Reisegeld und ganzer Kleidungsstücke in ebenso schlechtem Sturm und Regenwetter, mit Hunger und Element kämpfend, vor Gericht zu melden gezwungen war, und kaum von dieser Vergnügungsreise heimgekehrt, mußte derselbe seinen Wanderstab in die Hand nehmend, dieselbe Reise auf's Neue antreten, um sein am 25. desselben Monats verstorbenes Kind anzumelden. — So hört man überall noch außerdem viele Klagen über die zuweilen launigen Gerichtsdeputirten, namentlich: daß sie ohne Unterschied ob einheimisch oder auswärtig erscheinende Individuen Stunde und Minute Behufs der betreffenden Anmeldungen dergestalt bestimmen, daß wer diese Zeit verpaßt entweder bis zum andern Tage verweilen, oder unverrichteter Sache nach Hause und den andern Tag wieder kommen muß. Die Judenfrage vor dem englischen Parlament. (Fortsetzung.) Die Rede Sir Robert Peel's am 11. Februar. Ich kann der Wahrheit gemäß versichern, daß ich diesem Gegenstände die vollste und reiflichste Ueberlegung gewidmet habe, und ich werde die Gründe anfühcen, durch welche ich zu dem Beschluß gelangt bin, daß diese Bill'würdig ist durchzugehen. Keinesweges hat auf den Beschluß, zu welchem mich diese Ueberlegung geführt hat, die Meinung Einfluß gehabt, daß die Religion ein Gegenstand der Gleichgiltigkeit sei. (Hört.) Ich bin tief von der Ueberzeugung durchdrungen, daß es unsre vorzüglichste Pflicht sei, die Interessen der Religion und ihren Einfluß auf das menschliche Gemüth zu befördern. (Hört! Hört!) Ich bin von der Ueberzeugung durchdrungen, daß die Vorschriften und Lehren des Christenthums eines Einflusses auf unsere Berathungen würdig sind. (Hört! Hört!) Ich bin von dem Glauben erfüllt, daß wenn unsre Gesetzgebung im Widerspruch steht mit den Vorschriften und dem Geiste des Christenthums, wir nicht erwarten dürfen, daß der Segen Gottes auf ihr ruhe; und ich sage es, daß meine Entscheidung in dieser Nacht, möge sie gut oder möge sie schlecht sein, viel weniger bewirkt ist, durch die Erwägung des politischen Nutzens, als durch ein tiefes Gefühl der religiösen Verflichtung. (Beifall.) Ich beginne damit es auszusprechen, daß meiner Meinung nach zwischen den Bekennern des Iudenthums und des Christenthums ein wichtiger und lebendiger Unterschied stattsindet. (Hört! Hört!) Meiner Meinung nach sind die christliche und die jüdische Religion wesentlich einander mehr gegenübergestellt, als irgend zwei andere Religionen, welche bestehen; denn zwischen diesen beiden Religionen ist ein vollständiger Widerspruch. Ich betrachte die Uebereinstimmung der Juden und Christen in der Anerkennung der geschichtlichen Wahrheiten und göttlichen Sittenlehren des alten Testaments nicht als hinreichend, um diesen wesentlichen Unterschied zu überwinden, noch daß es die jüdische Religion mit dem Christenthume aussöhnen kann, wenn sie sieht, daß dasselbe jene Lehren verwirft, welche den lebendigen Grundsatz und die Gründung des Christenthums bestimmen. Ich gestehe zu, daß zwischen den Christen und Juden eine Uebereinstimmung besteht, insoweit, daß die Lehren und göttlichen Offenbarungen des alten Testamentes von Beiden anerkannt werden; und

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