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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-03-13 · Heft 12 (13.3.1848) · p. Seite 172

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 12 (13.3.1848)
Date
1848-03-13
Page
Seite 172 (sequence 2)
Language
German
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172 seine Bekenner einen abermaligen Inhalt haben; hierdurch wird das Judenthum auch der Zukunft gewachsen sein; hierdurch sind wir aber genöthigt, auf die Gesellschaft in der Menschenwelt unsre Aufmerksamkeit gerichtet zu halten, denn, wie bis jetzt das Streben nach der Erkenntniß des einigen Gottes gerichtet war, also wird die Zukunft der Gesellschaft die immer wachsende Verwirklichung der, vom Mosaismus verkündeten drei Prinzipien der Gesellschaft bringen. Alle Veränderungen, welche die neueste Zeit für die Gesellschaft gebracht hat, konnten uns nur als sekundär erscheinen; sie betrafen nur die Verfassung der Staaten; aber diese ist in ihrer Entwickelung nur das M ittel, nicht der Zweck selbst. Dieser kann nur in den Zuständen selbst liegen, dieser kann nur in der Ausgleichung der Besitzverhältnisse enthalten sein, wie diese bereits vom Mosaismus vorgezeichnet ist. So lange die Menschheit am immensen Reichthum und an der immensen Armuth leidet, sind Verfassungsveränderungen nur Hilfsmittel, aber keine Heilmittel. Es ist dies eine ungeheure Aufgabe der Gesellschaft, deren Lösung noch nicht sichtbar ist, eine Aufgabe, über welche weder die englische Konstitution, noch die nordamerikanische Demokratie hinweggekommen ist, eine Aufgabe, welche ihr drückendes Gewicht noch in der Wageschale Englands wie Nordamerika's liegen hat. In Nordamerika konnte sie bis jetzt noch nicht drängend werden, weil die großen, noch unangebauten, unbevölkerten Landerstriche ihm den Abfluß noch erleichtern; in England, weil diesem in seinem Handel noch so viele Hilfsquellen zu Gebote stehen, und es Irland mit der mächtigen Wucht der Staatsgewalt stille hält. Frankreich allein in seiner neuesten Phase stehet dicht vor dieser Aufgabe; es kann ihr nicht mehr ausweichen; es liegen nur noch Tage dazwischen, aber es ist unwiderbringlich darauf hingedrangt — wie wird es ihm gelingen? Wird es vor dieser Frage in neue Zerwürfnisse, in neue, furchtbare Kämpfe verfallen? oder wird es allmälig die Wege finden, auf denen sie gelöst werde? Ja, man meine nur nicht, daß, welche Verfassung jetzt auch in Frankreich sich geltend machen werde, die Sache damit abgethan sei — es liegt viel mehr, viel Schwereres noch dahinter. Nur zweimal in der Weltgeschichte ist in derThat an die Lösung dieser großen Frage, der Ausgleichung der Besitzverhältnisse, gegangen worden: im Mosaismus und in Sparta. Aber Sparta faßte die Frage vom verkehrten Ende; es vernichtete um dieselbe die persön- J liche Freiheit; der spartische Bürger war ein Sklave des Staates, der ihn nicht einmal über das Leben seines Kindes, über den Umgang mit seinem Weibe Herr sein ließ; der Staat gab ihm Eigenthum, aber nahm ihm das Recht des Besitzes; der spartische Staat war der ärgste Despot, wie es Kommunismus überall ist; darum war der spartische Staat Feind aller geistigen Bewegung, und drängte seinen Bürgern nur eine, die roheste Richtung auf, der Waffengewalt. - Im Gegentheil der Mosaismus. Dieser erkannte die persönliche Freiheit vollständig an; das Eigenthum war ihm unverletzlich; die freie Bewegung des Eigenthums gestattete er; nur daß er dem Besitze bestimmte Grenzen zog, indem er durch Zinsverbot, Schuldenerlaß und Unveräußerlichkeit der Familiengrundstücke (nur Verpachtung auf höchstens 49 Jahre ließ er zu), allein die Arbeit zur Mehrerin des Besitzes machte. Die Grundlage aber warf er durch gleichmäßige Vectheilung des Grundbesitzes, und durch den Begriff, daß der Boden an sich Eigenthum der Nation (ihr von Gott gegeben) sek, welchen Begriff er dadurch im Bewußtsein erhielt, daß er den natürlichen Ertrag des siebenten Jahres völlig frei gab, Jedwedem, der sich ihn aus Bedürfniß aneignen wollte. Aber der Mosaismus kannte eben nur den Grundbesitz und die Arbeit des Landbau's. Den Handel hielt er mit Bewußtsein fern. Die Industrie war noch nicht da. Anders ist es in unsrer Zeit, wo neben dem Grundbesitz das Kapital, neben der Arbeit des Landbaus die Arbeit der Industrie steht. Um wie viel verworrener ist dadurch die Frage, um wie viel schwerer die Lösung. Jetzt, wo Handel und Industrie den Landbau bei Weitem überflügelt haben, wo darum das Kapital das vorwiegende Moment des Besitzes geworden, und dadurch der Grundbesitz nur zu einer, aber nicht zur bedeutendsten Basis des Kapitals herabgedrückt ist. So wie die Sache daher jetzt steht, kann eine Lösung nur dadurch vorbereitet werden, daß sich jene ewigen Prinzipien, welche der Mosaismus als religiöse lehrt,, immer mehr in den Geistern Bahn brechen und sie völlig durchdringen und sie völlig beherrschen. Sind diese erst aus sozialen zu religiösen geworden, sind sie im Stande, den Egoismus zu überwältigen: dann können sie den Geist der gegenseitigen Aufopferung. heraufbringen, durch welchen die Lösung allein ermöglicht ist, ohne die Menschheit in die furchtbarsten Wirren und zeitweise Auflösung zu stürzen. So leuchtet uns die Lehre des Mosaismus als die

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