Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 11 (6.3.1848)
- Date
- 1848-03-06
- Page
- Seite 167 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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167 tuation und Gemüthsstimmung. Eine Rettung aus drohender Gefahr war dem S. begegnet; diese feierte er in vollem Feuer; dabei kam ihm seine noch vielfach bedrängte Lage zum Bewußtsein (9, 14.), und die Zuversicht, daß Gott das Gericht über die Völker vollenden werde, erwachte desto lebhafter in ihm. Dies ist der 9te Psalm. Aber die Bedrängniß zeigt sich auf einem andern Gebiete, die Frevler haben die Oberhand; da klagt er dem Herrn die Gewaltthätigkeiten und Liste dieser, ruft Gott zum Gerichte auf, und erhebt sich hieran zur Zuversicht, daß Gottes Gericht eintreten werde. Dies ist der lOte Ps., der so einen Pendanten, aber einen selbständigen, zum 9ten bildet. Endlich ist zu bemerken, daß der 9te einen vollständigen Schluß hat, der 10te ganz unabhängig, ja mit dem Gegensatz zu dem Schluß des 9ten anhebt, und daß der Schluß des Ivten analog dem des 9ten ist, nämlich eine Hinweisung auf die irdische Natur des Menschen. — Ganz klar wird uns dieses Verhältniß 3) durch die völlig verschiedene Situation. Ps. 9 spricht unleugbar von dem Andrang und der Besiegung fremder Nationen, tna, bei denen ganze Städte eine Rolle spielen (9, 4—7.), diese bedrängen bis zum Tode (14.), diese hat Gott in die selbst gegrabene Grube fallen lassen (16.), und um so mehr werden alle gottvergessenen Völker gerichtet (18. ff.). Völlig verschieden eröffnet sich die Szene im Ps. 10. Hier ist nur vom Bösewicht die Rede, srcn dem gegenüber (2.), es werden ihm lauter persönliche Vergehen beigelegt, prahlen, Gott lästern, leugnen, Meineid, lügnerische Zunge (3—7.). Nun gar seine Handlungsweise, die 8—11. geschildert wird. Wenn auch ganze Armeen Hinterhalte legen, so kann doch bei einem Gehöft, bei einem Versteck nur an einzelne Räuber gedacht werden. So ist denn auch in dem Aufruf an Gott nur vom dem öm' gegenüber, die Rede. Daß der S. am Schluffe, wo er einen allgemeinen Satz ausspricht, wo er Gott als ewigen König feiert, einmal der Völker gedenkt, ist natürlich (16.), er wendet sich jedoch sogleich wieder zum "pi tnn*’ (17. 18.). Daß der 10te Ps. demnächst es allein mit der innern Lage Zisraels zu thun hat, mit den vielen Gewaltthätigkeiten, die ungestraft im Lande geschehen, ist unleugbar. Hiermit ist uns aber der letzte Zweifel über das Verhältniß beider Ps. geschwunden. Sie bilden ein Ganzes in zwei selbstständigen Stücken, von denen das eine die Rettung von drängenden Völkern preist und um die vollständige Rettung bittet, das andre die inneren Wirren des Landes beklagt und um Abhilfe bittet. Beide Situationen widersprechen der Davidischen Zeit, auf welche die Sprache und der Ideengang verweisen, durchaus nicht, und selbst nicht der spätem Zeit D.'s, wo auf Zijon die Stiftshütte stand (4, 12.), in Ierusch. der Sieg gefeiert ward (9, 15.); denn David hatte Kampf, namentlich mit den Pelischthim, bis gen sein Ende (2. Schem. 21, 15. ff.), und die immer wieder ausbrechenden Empörungen z. B. Scheba's (2. Schem. 20.) zeugen von dem nicht beruhigten innern Zustande des Volkes. Der Grundgedanke beider Psalme ist ein und derselbe, nämlich: der Gewaltthätigkekt und Hinterlist der Frevler gegenüber giebt es nur ein Rettungsmittel, das Gericht Gottes, das nicht ausbleibt und den Menschen in die Schranken seiner Natur zu rück weist. Wie nun dieser Gedanke in verschiedener Gemüthsstimmung und Situation verschieden aufgefaßt wird, in glücklicher als jubelnder Preis, in unglücklicher als Klage-über Verschub, zeigen uns die beiden Ps. — Raschi und Rabe glaubten Ps. 9 über den Tod eines Labben (9, 1.), eines feindlichen, die Iisr. bedrängenden Fürsten, gedichtet; Rdak nach Targ. über den Tod Goliath's,l2b für yab, nach 1. Schem. 17,4. iö-w, dem die ganze Situation, wie besonders 9, 12. widerspricht; Andere über den Tod Abschaloms 12b für 12N. Ferrand und Ewald setzten ihn in das babyl. Exil, dem jedoch der Jubel über Rettung und das Wohnen des Herrn auf Zijon widerspricht; de Wette in die Zeit der assyr. Invasion, weil die Iisr. zu Davids Zeit nicht genannt werden konnten; (und warum nicht, wenn D. insonders seine bedrängten Anhänger damit im Sinne hat?) Hitzig hält ihn für Davidisch zur Zeit pelischthischec Bedrängniß, Hengstenberg ebenfalls, ohne daß eine Zeitbestimmung möglich sei, sondern D. habe ihn zu allgemeinem Gebrauche für das Volk geschrieben. — (Folgt der Kommentar zu den einzelnen Versen.) (Schluß folgt.) Anzeiger. Zn demselben werden Annoncen aller Art gegen 1V« Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Seile aus Petitschrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Die hiesige israelitische Gemeinde beabsichtigt die gegenwärtig provisorisch verwaltete Kantor- und Schächter-