Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 11 (6.3.1848)
- Date
- 1848-03-06
- Page
- Seite 160 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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160 zu den Lehren de- Christenthums bekannten; würde wol damals der christliche Glaube in diesem Parlamente besser geschützt .gewesen sein, wenn Niemand' hätte eintreten dürfen, ohne zu schwören, daß er. „gemäß dem wahren Glauben eines Christen" wirken wolle? Würde sich das Parlament im Geringsten sichrer gefühlt, würden Sie selbst jene Männer für bessere Christen gehalten haben, wenn sich dieselben bei ihrer Aufnahme als Solche er-;■ klarten? — Nehmen wir eine andere Zeit und ein anderes Land. Denken wir uns ein Parlament gegen Endedes vorigen Jahrhunderts in Frankreich versammelt, zu. einer Zeit, wo unter der Aristokratie viele Schüler des Voltaire, unter der Demokratie viele Schüler des Rousseau waren; lassen wir Mirabeau, Condorcet, Robespierre und ähnliche Männer an jener Versammlung theilnehmen: glauben Sie nun, daß irgend eine Sicherheit erlangt worden wäre, wenn man Jeden von ihnen genöthigt hätte, „auf den wahren Glauben eines Christen" zu schwören, daß er seine Pflichten erfüllen werde? — Ich will zu einem andern Beispiele übergehen, das mir unser eigenes Land darbketet. Man beschuldigt die Juden, daß sie Verächter des Christenthums seien, daß sie ein Gespött aus der christlichen Religion machen, daß sie Christus als einen Lügner darstellen; aber gab es je einen Mann, der. das Christenthum arger verhöhnt, gab es in dem letzten Jahrhundert einen Juden, der in der Absicht, die Lehren des Christenthums herabzuwürdigen und den.Glauben an dieselben in den Herzen des Volks zu zerstören, eine solche Sprache geführt hätte, als Gibbon? Aber Gibbon leistete Ihren Eid, ec trat an den Lisch und schwur „auf den wahren Glauben eines Christen." (Beifall und Gelächter.) Er saß auf der Ministerbank unter Georg III., während einer Regierung, welche der Hochkirche eifriger huldigte und geneigter war, den Ruf: „Für Kirche und König!" zu erheben, als-vielleicht irgend eine andere, die wahrend der Herrschaft jenes Monarchen bestand. (Lauter Beifall.) Ein anderes Beispiel sei uns Herr Hume. Er hatte zwar keinen Sitz im Parlamente, aber er war bei der Regierung angestellt und versah, glaube ich, auf kurze Zeit einen Posten am pariser Hofe. Das sehr ehrenwerthe Mitglied für Oxford*) wird wöl wissendaß es im letzten Jahrhunderte Niemanden gegeben hat, dessen Schriften so auf die Untergrabung der Religion waren berechnet gewesen, als die des Herrn Hume; und doch, wäre er in's Parlament getreten und *) Sir R. Inglis. hatte die Worte >,auf den wahren Glaubeneines Christen^ aussprechen sollen, so würde er seinen Eid: entweder mit einem Lächeln! oder vielleicht mit einem Seufzer geleistet' haben, aber geleistet hatte er ihn gewiß.. -Ich halte dafür, daß. eine Eidesleistung, dieser'Art keine Sicherheit gewahren kann. . Sie sagen, daß die Gesetzgebung eine christliche sein soll und das Parlament ein christliches; aber sagen Sie nicht auch, daß die Nation eine, christliche Nation, das britische Volk ein christliches Volk ist? Nun, in demselben Sinne, in dem Sie die Nation eine christliche nennen, obgleich an-. 30,000 Juden in ihrer Mitte leben, kann ja. auch das Parlament ein christliches. heißen, wenn auch unter den 656 Mitgliedern des Hauses der Gemeinen sechs Personen wären, die die jüdische Religion bekennen. Ein solches Argument also wünschte ich nicht von denjenigen wieder ausgenommen zu..sehen, die sich dem Eintritte der Juden in's. Parlament widersetzen. Heut wie früher beruht der allgemeine Charakter des Parlaments auf den Gefühlen der Gesammtheit des Volkes und derer, die sie vertreten, und nicht etwa, weil man sieben Worte in eine Parlamentsakte. einschaltet, nicht durch einen derartigen mechanischen Behelf wird die religiöse Gesinnung gewahrt. Aber ich habe sagen hören, daß, obgleich es solche Beispiele gegeben hat, wie das des Herrn Gibbon, Beispiele von Personen, die -in diesem Saale gesessen und sich freiwillig der verlangten Erklarung unterworfen haben, doch dies Parlament seit undenklichen Zeiten ein christliches gewesen, und das Christenthum als ein wichtiges Moment in unsrer Gesetzgebung anerkannt worden sei; eine unheilbringende Neuerung aber wäre es, diesen sichern Grund und Boden aufzugeben. Es scheint mir, daß, wer die Geschichte dieses Landes so betrachtet, in -einem großen Jrrthum befangen ist. In den früheren Zeiten ünserer Geschichte wurden die Juden auf alle Weise und mit erfinderischer Grausamkeit verfolgt. Zu einer Zeit wurden sie gezwungen, alle ihre Habe herauszugeben, zu einer andern warf man sie in's Gefangniß oder Man folterte sie oder verbannte sie durch Parlamentsbeschluß aus dem Reiche. (Hört! Hört!) Was aber den Grundsatz betrifft, unter dessen Herrschaft jener Beschluß gefaßt wurde, so bestand er darin, daß in das Parlament nicht alle christlichen Sekten, sondernnur Bekenner der damals herrschenden Kirche, nämlich der römisch-katholischen, zugelaffen wurden. Von Bracton wird bestätigt, daß! dem Statut De Haeretico Comburendo ein eben so hohes Alter zugeschrieben wurde