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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-03-06 · Heft 11 (6.3.1848) · p. Seite 158

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 11 (6.3.1848)
Date
1848-03-06
Page
Seite 158 (sequence 4)
Language
German
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158 Gebote stehen, mit denen früher von dem religiösen Bekenntnisse abhängige Beschränkungen vor diesem Hause bekämpft worden sind. Ich kann nicht sagen — wie ich es bei den Verhandlungen über die Zurücknahme der Test- und Korporationsakte that: „Hier sind an drei Millionen Unterthanen Ihrer Majestät, die in Mitten euerer Städte und Ortschaften in allen Zweigen der Industrie thätig sind, die einen bedeutenden Theil der Bürgerschaft bilden, und sich durch ihre Loyalität gegen das Haus Hannover auszeichnen, welche sie unverändert bewährt haben, seitdem diese glorreiche Familie den Thron dieses Reiches inne hat. Ich kann nicht wie jener große Redner, der die Frage über die Emanzipation der Katholiken einbrachte, auf den Zustand eines Nachbarlandes Hinweisen, als auf einen mächtigen Beweggrund, der das Haus bestimmen könnte, die Ursache der Mißstimmung und Unzufriedenheit wegzuräumen. Ich kann nicht, wie er that, von dem Unwillen reden, den ein ganzes Volk über die Beraubung seiner Rechte empfinde; noch kann ich vor den Gefahren warnen, die den Frieden und die Wohlfahrt des ganzen Landes bedrohen, wenn die geforderten Verbesierungen nicht gewährt würden. Keines von diesen Argumenten kann ich zu Gunsten meines Vorschlages anführen. Die Frage ist nicht eine Solche, die einen bedeutenden Theil der Bevölkerung dieses Landes angeht, und ihre Annahme oder Verwerfung führt die gewichtigen, Folgen nicht mit sich, die gerade bei früheren ähnlichen Gelegenheiten erwartet wurden. Ich habe vielmehr die Absicht, unsere Frage von dem prinzipiellen, nicht von dem politischen Gesichtspunkte aus zu betrachten — als eine Frage, die zwar die politischen Freiheiten des Landes betrifft, jedoch nur in so weit, als sie 30 - 40,000 Personen angeht, welche nicht geneigt, und wären sie geneigt, nicht im Stande sind, Tumult zu erregen, das Land durch öffentliche Versammlungen zu beunruhigen oder eine Erschütterung der Gesellschaft herbeizuführen, wenn ihre Forderungen nicht bewilligt würden. Allein wenn ich auch auf die oben angedeutelen Gründe verzichte, so muß ich nichtsdestoweniger vor dem Hause die Meinung aussprechen, daß wol Gefahr, freilich nicht für die öffentliche Ruhe, aber für den Charakter und die Würde der Gesetzgebung vorhanden ist, wenn die Ansprüche unserer jüdischen Mitbürger ferner zurückgewiesen werden. In unserer Gesetzgebung, ich muß es bekennen, zeigt sich nicht das Streben, die Forderung religiöser Freiheit zu befriedigen, das Parlament hat niemals jenen gerechten Grundsatz einer alle Unterthanen Ihrer Majestät umfassenden Gleichheit ,angenommen; .aber wenn es sich um eine, durch ihre. Zahl und Bedeutsamkeit imponirende, durch ihre Mißstimmung und Unzufriedenheit bedrohliche Menge von Bürgern handelte, dann hat das Parlament widerstrebend ihrem Begehren gewillfahrt, damit nur der Friede des Landes nicht gestört werde. Wenn sich jedoch eine Gelegenheit darbot, einen Akt der Gerechtigkeit ohne Gefahr und ohne Beeinträchtigung der öffentlichen Interessen zu.üben, so handelte das Parlament im Sinne religiöser Verfolgung und stand nicht an, der Welt zu zeigen, daß' es sich Nicht freiwillig von liberalen Grundsätzen leiten ließ, als es bei früheren Gelegenheiten den Ansprüchen seiner Mitbürger Genüge leistete. (Beifall.) Ich wage zu behaupten, daß, wenn eine Meinung wie diese hier die Oberhand gewinnen sollte, dies den Charakter des Hauses in. ein schlechtes Licht stellen würde. — Es ist, . wie gesagt, der öffentliche Frieden bei der Verwerfung oder Annahmemeines Vorschlages nur wenig: gefährdet. Vor mehreren Jahren wurde von meinem ehrenwerthen Freunde *), der mir bei gegenwärtiger Gelegenheit opponiren will, an die Annahme des heutigen Antrages eine Befürchtung geknüpft, doch, ist er jetzt gewiß nicht in dem Falle, seine Warnung zu wiederholen. Im Jahre 1830 sagte mein ehrenwerther Freund mit prophetischem Tone: „Wenn Ihr die Juden zu bürgerlichen Aemtecn und zu Sitzen im Parlamente zulasset, so werdet Ihr, glaubt.mir, nt.- weniger denn 10 Jahren eine Reform des Parlaments, haben." >(Hört! und Gelächter.) Aber ohne baß die.' Zulassung der Juden zum Parlament dem so gefürchteten Ereignisse vorangegangen wäre, kam zwei Jahre darauf, nachdem mein ehrenwerther Freund die erwähntem Worte gesprochen hatte, die Parlamentsreform zu Stande. (Hört! Hört!) Daher ist dies eine Gefahr, die bei der Diskussion unsrer Frage gewiß nicht in Betracht gezogen werden darf. (Hört! und Gelachter.) Ich bast're meinen Antrag auf den einfachen, aber, ich denke, festen Satz —: daß jeder Engländer zu den Würden und Voctheilen berechtigt ist, welche die britische- Konstitution giebt. (Beifall.) Ich behaupte ferner, daß. religiöse Meinungen die Fähigkeit zum Genüsse dieser Rechte nicht rauben können. (Wiederholter Beifall.) Ich finde meine Meinung bestätigt in jener Parlaments-, urkunde, in der es heißt: „Es ist das Geburtsrecht des. Volkes, die Allen gemeinsamen Privilegien zu genießen"; *) Sir Robert Jnglis.

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