Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 10 (28.2.1848)
- Date
- 1848-02-28
- Page
- Seite 151 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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151 wiederkehrte, lag ich auf den Knkeen am Lager meiner Mutter; ich hatte ihre eisige Todtenhand ergriffen und hielt sie an meine Lippen gepreßt.... Ach, überrascht war ich nicht; wie hatte ich von einem so großen Schlachtfelde zurückkehrend, eine fröhliche Wiederkehr erwarten können? „Nach unsrer Entfernung war meine Mutter kränker und kranker geworden. Sie lag den ganzen Tag ruhig und fast theilnahmlos, in sich gekehrt. Nur wenn mein Vater hekmkam, und eine Siegesnachricht mit nach Hause brachte, und sie mit glücklichem Munde, mit vergrößernden und ausschmückenden Farben erzählte; oder wenn einer der wenigen Briefe von uns, die zu ihrem Ziele gelangten-,, angekommen und gute Botschaft kündeten; dann trat ein Lächeln auf ihren bleichen Mund; aber auch dieses blieb schmerzlich; sie schien eine traurige Gewißheit in ihrem Herzen zu tragen. Eines Tages, so erzählte mir mein Vater, war sie von früh an unruhig geworden; diese Unruhe steigerte sich mit den Stunden; es war keine äußere Veranlasiung dazu vorhanden; sie warf sich von einer Seite zur andern, sie erhob sich, und sank nach Minuten wieder zurück, sie murmelte von Zeit zu Zeit einige unverständliche Worte, sie stöhnte und seufzte; die Meinigen blieben um ihr Lager versammelt. Plötzlich in der Mittagsstunde fuhr sie empor, und mit einem Schrei der Verzweiflung rief sie in schneidender Klarheit: „Jetzt ist es geschehen, jetzt ist er gefallen, mein Konstantin, mein Konstantin, er lebt nicht mehr!..." Und sie rang die Hände krampfhaft, und sank nieder, und siel von Ohnmacht zu Ohnmacht.... Mein Vater hielt es für krankhaftes Gebilde ihrer gereizten Einbildung, er suchte es ihr auszureden ... aber seinen Worten setzte sie nur Kopfschütteln und Thränen entgegen. Aber er merkte sich doch Tag und Stunde. Nach einigen Tagen lief Nachricht ein: es war der Tag des Sturmes auf Wola, es war die Todesstunde meines Bruders gewesen.... Ihr Geist, hatte sich losgerungen von ihrem zerbrochenen Leibe, aus ihrer Umgebung; ihr Mutterherz war ihrem Lieblinge gefolgt, und hatte Gefahr und Sterben mit ihm getheilt... man hat Solches schon öfter erlebt.... Von der Stunde an schwand sie sichtlich; sie lag die ganze Zeit im Sterben — einige Stunden vor meinem Eintreffen war sie verschieden." „Nach zwei Tagen fand ihr Begräbniß statt. Ich durfte ihm nicht beiwohnen, ich mußte mich verborgen halten. Ob Niemand meine Ankunft erfahren, ob eine,, milde Behörde sie nicht wissen wollte, ich erlitt in meiner Verborgenheit keine Anfechtung. Als wir wieder zu uns gekommen, überlegten wir meine Zukunft. Nach Berlin konnte ich nicht zurückkehren. Was sollte ich auch da? Studiren? Meine Kraft war auf lange gebrochen. Was ich betrieben, war nicht mehr. Neues konnte ich nicht ergreifen. In Preußen konnte ich nicht bleiben. Wir blieben dabei stehen — ich muß nach Paris. Mein Vater veräußerte, was er vermochte, und mit kärglichsten Mitteln machte ich mich auf die Reise. Ich hatte entbehren gelernt. Der Abschied war still. Wir hatten uns Nichts zu sagen. Ich wußte nicht, wem ich entgegenginge, wir sahen keine' Wiederkehr vor uns." (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werben Annoncen aller Art gegen l1/* (1 g@r.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petitschrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Charleston (Süd-Karolkna), den6. Dez. 5608. Zirkular. (Aus dem Englischen übersetzt.) Die hiesige jüdische Gemeinde (Beth Elohim genannt), deren gegenwärtiger Pastor gesonnen ist, sich in's Privatleben zurückzuziehen, sobald sich eine geeignete Person findet, die Pflichten seines Amtes zu übernehmen, hat beschlossen, einen Andern an seiner Statt zu engagiren, und demnach die Unterzeichneten zum Konnte ernannt, um Bewerber um dieses Amt aufzufordern, und dieselben um ihre Aufmerksamkeit auf die folgenden Bedingungen zu ersuchen. 1. Der Bewerber muß mit allen Zweigen der jüdischen Literatur gründlich bekannt sein, und eine beträchtliche Kenntniß derjenigen orientalischen .Sprachen besitzen, die mit derselben in Verbindung stehen, besonders die arabische und syrische Sprache. 2. ' 7' ,! ■ .. Er muß ein tüchtiger Lateiner und Grieche, und in der englischen, deutschen und französischen Literatur wohl bewandert sein. 3. Man wünscht, daß derselbe gleich beim Eintritt in's Amt fähig wäre,, richtig und geläufig englisch zu sprechen' und zu schreibend Sollte jedoch die englische Sprache nicht seine Muttersprache sein, so' muß er dann in der'