Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 10 (28.2.1848)
- Date
- 1848-02-28
- Page
- Seite 145 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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145 wfyt bald eine größere Anzahl von Rabbinen, um der Sache mehr Nachdruck und Bedeutung und dadurch Eingang beim Volke zu verschaffen, sich über die Unstatthaftigkeit des betreffenden Gebrauchs erklären und dadurch die Häuser vieler Israeliten von einer großen Belastung erleichtern würde. Ein schönes mosaisches Gesetz würde dadurch wieder zur Anerkennung, ein entstellendes rabbinisches Gesetz dadurch wieder zur Abstellung gelangen und der Religion aus diese Weise ein doppelter Dienst geleistet werden. Ich aber, der ich nicht hier stehe, zu erlauben oder zu verbieten, sondern zu lehren, in diesem schönen Beruf aber, ein Lehrer in meinem Volke zu sein, meine Ehre und meine höchste Freude setze, ich werde nicht aufhören, zu lehren, wie mir's um's Herz ist; an dem Munde Moses, unsers großen Lehrers, hangt mein Mund, denn aus seinem Munde quillt das Wort des lebendigen Gottes. Und wenn dieselben Israeliten, die dort bei der Bundesschließung am Sinai — wie uns am Ende des Abschnitts Mischpatim erzählt wird —Gott selbst in's Angesicht schaueten, d. h. des Eingehens in seine Erkenntniß gewürdigt wurden, hier bei der Bundeserneuerung — wie uns am Ende der heutigen Vorlesung erzählt wird — nach ihrer Versündigung selbst Moses nicht in's Antlitz zu schauen wagten, denn „sein Angesicht strahlte": so wissen wir doch, unser gütiger und herablassender Lehrer Moses wird es uns nicht verargen, wenn wir ihm, um selbst erleuchtet zu werden, in's leuchtende Angesicht sehen, d. h. einzudringen suchen in die Erkenntniß der uns von ihm überlieferten Gebote, zürnend der Hülle, womit eine spatere Zeit uns die Anschauung unsers Meisters entzogen und sein Gesetzesbestimmungen so weit von einander abstehen, auf so ganz heterogenen Grundlagen beruhen, daß eine Komparation zwischen ihnen durchaus unmöglich ist? Einen gleichen Beweis von Scheinlogik giebt uns der bei dieser Gelegenheit vorkommende (Schluß durch Gleichheit des Ausdrucks), welchen daselbst (Chulinllö, 2.) Ist ben Jehuda für den SiVoiK fcno,'K anfühct: bisän 8b '“b rrm winp ü- ■o 182 -wd» TPrtn MNP lütt» ibs-»b -indtti 2bri2 Hä .*1*128 1821]8 fcviö8 *|bnb N73 ,ib28n 8b rtDiü i-nm Denn das ttn8 W ’O (Deuter. 14, 21.) bezieht sich in keiner Weise auf das folgende 'Hä bmn 8b 1738 2bn2, was auch der trennende Akzent beweist, sondern lediglich auf das vorausgehende iibsä b2 ib28n 8b, welches allerdings in Betreff der dadurch bewirkten Entweihung der Person mit dem nnw2 *11221 (Exod. 22, 30.) in inniger Verbindung steht. (Vgl. Lev. 17,15.) Antlitz verdunkelt und entstellt hat. Darum, was uns spätere Erklärer aufhellend darreichen, das wollen wir froh annehmen, Alles aber, womit sie das göttliche Wort verdunkelt, entstellt haben, das wollen wir aus heiligem Antriebe verwerfen, nicht aus Leichtsinn und nicht aus Neuerungssucht, nein, sondern nur, um den Glanz der Religion wiederherzustellen, denn das Alte veraltet, stirbt, aber das Uralte, das ist zugleich das Ewigjunge, Unvergängliche. Darum sag' ich euch noch einmal: die Reform darf nicht vom Aeußerlichen, sondern sie muß von tiefinnerlichen Gründen ausgehen; nicht daß die Religion zerstört oder in's Gestaltlose geführt werde, nein! daß sie erhalten, daß sie zu neuer und dauerhafter Gestaltung gebracht werde, deshalb muß reformirt werden. Darum, wenn es mit der Reform des Judenthums ein Ernst und kein Spielwerk sein soll, so muß nicht nur der äußerliche Schutt hinweggeräumt, sondern es müssen, was ich euch heute bereits aus unsrer Toravorlesung heraus an's Herz gelegt habe, die inneren Quellen der Religion flüssig gemacht, Sabbat und Gottesdienst müssen zur Erhebung und Kräftigung der Gemüther wiederhergestellt werden, dann wird der Rest von Israel wieder eine Wurzel schlagen in der Tiefe und Frucht ansetzen in derHöhe." Leopold Stein, Rabbiner. Aus Baiern, 5. Februar. (Privatmitth.) Bevor wir heute die Funktion eines treuen Berichterstatters fortsetzen, fühlen wir uns sowol im Interesse dieser wahrheitliebenden Zeitschrift, als dem zahlreichen Lesepublikum gegenüber verpflichtet, den Vorwurf eines Jrrthums von uns abzuwälzen, dessen der achtbare Herr Rechnenlehrer M. A. Aub aus Fürth in No. 3 dieses Jahrganges uns geziehen. Wir erinnern uns, in dem Korrespondenzartikel, da wir der Ernennung des Dr. Herz als Prosektor an der Universität Erlangen Erwähnung thaten, die beiläufige Bemerkung gemacht zu haben, die Prosektorstelle sei kein ordentlicher Staatsdienst; denn einen Solchen könne zur Zeit der baierische Jude nicht erlangen oder bekleiden. Dieser Behauptung setzt Herr Aub seinen Widerspruch entgegen und sucht seine Ansicht, daß der Jude in Baiern gesetzlich zum Staatsdienste fähig sei, jure und de facto zu beweisen. Der Gegenstand dieser Debatte ist zu wichtig, als daß er nicht eine genauere Prüfung und ausführlichere Besprechung