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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-02-28 · Heft 10 (28.2.1848) · p. Seite 141

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 10 (28.2.1848)
Date
1848-02-28
Page
Seite 141 (sequence 3)
Language
German
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141 mußte die politische Duldsamkeit die religiöse Unduldsamkeit überwunden haben; erst mußte das Bewußtsein, daß ein englischer Bürger nicht ausgeschlossen sein dürfe, durchgedrungen sein; erst mußten die Katholiken und Dissenters in das Staatsleben frei eingetreten sein, bevor dieses den Juden zugänglich werden konnte. Daher kamen diese zuerst in das Gemeindeleben herein; volle Unbeschränktheit für Uebernahme städtischer Aemter mußte zuerst den Juden zu Theil werden. Dann erst konnten sie auf Parlament und Staatsämter Anspruch machen. Dies vollendet sich jetzt. Möge die Vorsehung Dich fürder schützen, kräftiges Eiland! Auch Du hast wunde Flecken. Nirgends haben die Gegensätze immensen Reichthums und unsäglicher Armuth sich so schroff herausgestellt, als in Dir. Nirgends ist die Zahl der Besitzlosen so groß, ihr Elend so unermeßlich. Welches Land hat noch ein Irland als „eine Stachel in seiner Seite"? Aber Du bist der Vorkämpfer Europa's, und Du wirft es bestehen. Du bist religiös und doch politisch und sozial hochherzig. Du achtest das Gesetz, aber weißt es flüssig zu erhalten für die veränderten Bedürfnisse der Zeiten. Dein Volk versammelt sich zu Hunderttausenden, aber will keine Revolution und keine Emeuten. Du wirst es bestehen. Zeitungsnachrichten. Italien. Turin, 8. Februar. Während die neue Konstitution Neapels den Grundsatz an der Stirn tragt, daß der Katholizismus allein die herrschende Staatsreligion ist, und kein anderer Kultus geduldet wird, enthält die Verfassung Sardiniens als Art. 1. „Die römisch-katholische und apostolische Religion ist die einzige Religion des Staates. Die anderen jetzt bestehenden Kulte werden nach den Gesetzen geduldet." Hier ist also wenigstens Duldung, und nach dem Gesetze, welches sich im Laufe der Zeit verändern kann. Großbritanien. London, 12. Februar. Während der Verhandlungen über die Rechte der Juden haben mehrere Mitglieder des Unterhauses, auch Sir Robert Peel, den Einfluß hervorgehoben, welchen Englands Beispiel auf die übrige Welt ausüben würde. Gewiß wird dieser bedeutend sein. Und zwar nicht blos deshalb, weil die Rechte eines englischen Bürgers ausgedehnt sind und größer als die bürgerlichen Rechte in den meisten anderen Staaten, sondern auch, weil die Gründe, aus welchen den Juden diese Rechte zuerkannt werden, in England weniger bezweifelt werden können, als anderswo. In anderen Ländern pflegen diejenigen, welche für die bürgerlichen Rechte der Juden sprechen, des Mangels an Christenthum, der Gleichgiltigkeit gegen die Religion verdächtigt zu werden. Dieser Vorwurf kann so eifrige Christen, wie die Engländer meistens sind, nicht treffen. Man irrt auch, wenn man glaubt, daß das Christenthum der gebildeten Engländer gewöhnlich nur eine vererbte Form sei. Gerade bei den gebildeten Engländern wird diese etwas starre Form oft mit dem Geiste der reinsten Religiosität ausgefüllt. Auch Sir Robert Peel, der Freund der Juden, ist ein frommer Christ. Während seiner letzten Amtsführung traf ihn ein Freund auf den Knieen im Gebet begriffen an. „Ich würde", sagte der Minister zu seinem Freunde, „die Last dieser Geschäfte und dieser Verantwortlichkeit nicht ohne Hilfe von oben zu tragen im Stande sein." —. Im Oberhause reichteLordFitzhardinge eine Bittschrift aus Bristol mit 7000 Unterschriften zu Gunsten der Juden ein. —. In keinem Lande hat die Stimme des Volkes außer dem Parlament so viel Wichtigkeit und Bedeutung, als in England. Daher ist es gewiß nicht unnöthig, auf die ungeheure Masse von Petitionen hinzuweisen, welche zu Gunsten der Juden beim Unterhause einliefen. Wir entnehmen hierüber dem Morning Chronicle nähere Angaben. In der Sitzung vom 7. übergab der Earl von Arundel Petitionen von Römisch- Katholischen, Herr Thornely von einem Platze in Cheshire, Capt. Berkeley mehrere Petitionen vonCheltenham, H. Williams von Maclesfleld und Marlybone, H. Lushington mehrere, Lord Russell von 280 Advokaten, Staunton von den Römisch-Katholischen von Portsmouth, Lord Großvenor und Lord Duncan 2 von Bath, Strickland, Currie Dr. Bowring von Bolton und anderen Plätzen, Admiral Dundas von Greenwich, Baines von Hüll und anderen Plätzen, 1 von Geistlichen der Dissenters von jeglicher Art,

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