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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-02-28 · Heft 10 (28.2.1848) · p. Seite 140

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 10 (28.2.1848)
Date
1848-02-28
Page
Seite 140 (sequence 2)
Language
German
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140 Volksmacht auf dem friedlichsten, gesetzlichsten Wege emanzipirt. Die Lehnsverfassung ist in England niemals durchgedrungen, und darum haben von jeher in diesem Lande in bestimmtem Verhältniß neben einander bestanden: die Königsmacht, die Adelsmacht, die Volksmacht. Die ganze Geschichte Englands ist damit erklärt: daß diese drei Machte nach einem gesicherten und natürlichen Verhältniß zu einander gerungen. Gab es nun auch verschiedene Zeiten, wo auch in England Eine jener drei Mächte eine vorherrschende Stellung einnahm, so die Königsmacht unter Heinrich VIII. und Elisabeth, so die Adelsmacht in der langen Zeit, wo die Tory's das Zepter führten, so die Volksmacht in der Revolution, durch welche Karl I. fiel — so blieben doch zu aller Zeit die Institutionen bestehen, durch welche ein richtigeres Verhältniß wieder erlangt werden konnte. Wodurch ist dies gekommen? Allerdings liegt die erste Ursache in der Beschaffenheit Englands als Insel. England konnte von den Zügen der Völkerwanderung nicht so überschwemmt werden, wie das Festland; die Bewohner Englands konnten daher nie so im Fluge überwunden und als Leibeigene geknechtet werden, wie auf dem Festland; der Boden Englands konnte niemals so auf einmal als Lehen vertheilt werden, wie das Festland; die Allodialverfaffung erhielt sich, die Lehensverfaffung konnte nicht obherrschend werden, die Freien blieben bestehen, und erhielten sich in Unabhängigkeit neben dem Adel. Als die Angelsachsen nach Britanien kamen, mußten sie 150 Jahre mit den Briten kämpfen, und diese erhielten unabhängige Reiche in Cornwallis und Wales bis in's Ute uud 13te Jahrhundert. Als die Dänen oder Normänner nach England kamen, mußten sie abermals 150 Jahre mit den Sachsen kämpfen. Anfangs unterlagen sie sogar, und Alfred der Große hatte Zeit beiden Völkern ein gleiches Gesetz zu geben, durch welches die persönliche Freiheit und die Gleichheit vor dem Gesetze gesichert ward. Damit war der Grundstein geworfen für das ganze Gebau für alle Zeit. Als nun Wilhelm der Eroberer die Lehnsverfassung mit Gewalt einführen wollte, war die Opposition um so stärker, und schon sein zweiter Nachfolger mußte jene selbst in sich brechen. Der zweite günstige Umstand war der Kampf um die Krone, der in dem normännischen Hause ausbrach und verblieb, der häufige Wechsel des regierenden Hauses selbst später, das stuartische, ocanische, hannöversche. Da mußten viele Könige sich Gunst und Unterstützung im Volke durch Ertheilung kostbarer Rechte suchen; so erstand die Charta libertatum, bte magna Charta, hie haLeas corpus Akte, die bill of rights, in Zeiten, in welchen im übrigen Europa noch nicht einmal das Bewußtsein solcher Dinge vorhanden war. Schon im 13ten Jahrhundert traten die „Gemeinen", die Deputirten der Städte in das bis dahin nur aristokratische Parlament; schon im 14ten Jahrhundert trennte sich das Parlament in Ober- und Unterhaus, und verblieb dem Letztem das Recht der Steuerbewilligung. Köstliches Eiland! Du hast seit Jahrhunderten keine Revolutionen, keine Feinde in Deinem Schooße gesehen, und doch die größten und segensreichsten Reformen vollbracht. Dein Unterhaus emanzipirte sich, und schaffte die „verrotteten Flecken" ab, zerbrach die Fessel der Katholiken, der Dissenters, zerbricht die Fessel der Juden, schafft die Getreidezölle ab, führt Einkommensteuer ein rc. — blos durch die Kraft der gesetzlichen Bewegung. Neben diesem außerordentlichen Takt und Geschick im Politischen und Sozialen ging beim Engländer auch eine tiefe Bereitheit für Religion. Hier war es allerdings nicht Klarheit des Bewußtseins, welche dem Briten zu Theil ward; sondern eine Innerlichkeit, ein tiefsinniges Versenken, das zur Verdumpfung, zur Beschränktheit leicht führte. Darum wurde die Religion beim Engländer leicht Fanatismus. Der Pietismus bemächtigte sich der Gemüther ganz und gar. Daher nirgends so viel Sektirerei. Daher auch viel religiöse Unduldsamkeit. Welche Wuth der Puritaner! Welche Ausschließlichkeit der Hochanglikaner! Welcher Haß gegen den Katholizismus! Was Wunder, daß auch die Juden große Verfolgung und endlich totale Verbannung von der herrlichen Insel erlitten. Als aber die Engländer aus dem Fieberparoxismus des religiösen Fanatismus erwachten, als eine ruhige Religiosität Platz griff, und daneben die politische Weisheit und die soziale Freiheit kräftig erblühete — dann das gerade Gegentheil. Den Juden wurde der Zutritt wieder gestattet, weil England einmal als Freistätte erkannt war, weil Alles, was regsam war, im Schooße dieser Insel willkommen war. Da keine bürgerliche Beschränkung, kein Zwang zu Trödel und Wucher, keine Beschränkung in Gewerbe und Grunderwerb. Die alten Gesetze blieben auf dem Papiere stehen, aber wurden nicht angewendet; der Staub begrub sie. Doch zum Antheil am Staatsleben konnten sie nicht kommen, weil dieses allein den Anglikanern Vorbehalten geblieben. Erst

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