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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-02-21 · Heft 9 (21.2.1848) · p. Seite 135

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 9 (21.2.1848)
Date
1848-02-21
Page
Seite 135 (sequence 17)
Language
German
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135 geiz an meiner Seele. Mein Vaterland sollte groß werden, und ich in demselben; aber ich sah keine Mittel und keine Gelegenheit vor mir. Ost fragte ich mich: Wie wird es zu beginnen sein? und ich hatte keine Antwort dafür. Dann schwelgte meine Seele wieder in der Zuversicht, daß, wenn der rechte Moment gekommen sein, und ein Mann feuriger Rede das Zündwort in die Masse werfen würde, Alle sich erheben müßten wie Einer, und auch die kleinlichen, zaghaften Geister vom Strome dahingerissen würden. Ich schlug die Geschichtsbücher aller Nationen auf, und fand in ihnen tausend Erweise dieses meines Glaubens: nur der rechte Mann thut Noth im rechten Augenblicke!.. „Solches trug ich allein. Ich fühlte meine Seele vom Wogen dieser schwankenden Empfindungen zu sehr zerrissen, vom Brüten.über solche Entwürfe zu sehr gedrückt: als daß ich meinen Bruder nicht davor zu wahren hätte suchen sollen." „Und endlich schien ein solcher Moment gekommen zu sein. In Paris hatten drei Tage eines Monats, die drei Iulitage 1830, die ganze Weltlage umgewandelt. Durch die Herzen aller Völker, durch die Geister aller Gedrückten fuhr ein elektrischer Schlag. In dem Augenblick, wo ich die Nachrichten aus Paris las, fuhr ich empor: Jetzt, oder nie, muß der Augenblick gekommen sein, auch für Polen! Wochen, Monate vergingen ich brachte sie fieberhaft zu, ich schlief, ich aß kaum. Endlich kam die Meldung, daß auch in Polen das Volk erstanden sei. Nachricht auf Nachricht langte an. Schlag auf Schlag, Schritt auf Schritt geschah. Von diesem Augenblick war meine Ruhe gänzlich hin. Der Boden brannte unter meinen Füßen. Mein Bruder sprach zuerst das Wort „Flucht" aus. Ich warf mich in seine Arme. „Wir müssen hin! Wir müssen hin! siegen oder fallen!" Das waren die einzigen Worte, die ich herausbrachte.... Aber wie? Woher die Mittel nehmen? Wie die Erlaubniß erlangen? Wir konnten auf Nichts rechnen. Still sinnend, schweigend brütend gingen wir umher. Jede Siegesnachricht entzückte uns -einen Augenblick, im andern sanken wir um so verzweifelnder nieder. „Wir sind nicht dabei! Wir weilen fern in Feigheit und Trägheit, wahrend unser Volk den Riesenkampf kämpft! Man nennt unfern Namen nicht unter den Streitern, man wird ihn einst brandmarken!" So sprachen wir. Länger hielten wir .es nicht aus. Wir verkauften alle unsere Habseligkeiten, unsere Mäntel mitten im Winter, unsere Bücher mitten im Studium. So erlangten wir eine mäßige Summe. Wir bezahlten unsere kleinen Schulden, und eines Morgens waren wir aufgebrochen, zu Fuß, ohne Paß, nur mit unseren Studentenkarten versehen...." „Wir machten starke Märsche. Wir wollten auf Nebenwegen durch den Süden des Großherzogthums, um Posen zu umgehen. Aber kaum hatten wir die Grenze desselben überschritten, als wir einigen preußischen Gensd'armen in die Hände fielen, die nach unserrn Pässen frugen. Die Entschuldigung, wir wären Studenten und wollten nach Hause, ließen sie allenfalls gelten; aber sie brachten uns zum nächsten Landrathe. Es war zum Glück ein menschenfreundlicher Mann, der die wandernden, hastigen Jünglinge leicht durchschaute. Aber mochte er Mitleid mit uns empfinden, mochte er Sympathieen für Polen hegen, er sandte uns nicht nach Berlin zurück, sondern nahm uns das Ehrenwort ab, direkt nach Posen zu gehen." „So befanden wir uns bald an der Thüre des väterlichen Hauses. Unser Vater nahm uns auf, als hätte er uns längst erwartet, und als ob wir nur kurze Zeit bei ihm verweilen würden. Er war Feuer und Flamme, und nur die Kränklichkeit meiner Mutter und die vier kleineren Geschwister, die Nahrung verlangten, hielten ihn ab, selbst in's Feld zu ziehen. Dafür frequentirte er, der früher Zurückgezogene, allabendlich einen geheimen polnischen Klub als Eines der thätigsten Mitglieder. Hier wurden Maßregeln besprochen, um Hilfsgelder, Freiwillige, deren Equipirung, Waffen rc. zusammenzubringen und nach Warschau zu schaffen. Da nicht wenig polnische Beamte allem diesem Treiben Vorschub leisteten, so ging es fast in's Große vor sich. Der Vater stellte uns in diesem Klub vor, und alsbald wurde unsre Ausrüstung bereitwillig übernommen. Nach wenigen Wochen war Alles bereit, und wir sollten das Schloß eines Grafen besuchen, um von da auf Schleichwegen in der Nacht über die Grenze zu entkommen." „So sahen wir uns denn endlich am Ziele unserer Wünsche — aber das Feuer der Begeisterung, das in uns loderte, das namentlich meine Seele verzehrte, wurde von der zunehmenden Hinfälligkeit meiner Mutter und von ihrer Trauer, uns in die Wirren der Revolution ziehen zu lassen, gedämpft. Tief innerlich sah ich freilich auch dies als ein Opfer für das Vaterland an, und glaubte mich auch durch dieses um so berufener und geweiheter. Aber die Wirklichkeit brach dennoch 9**

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