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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-02-21 · Heft 9 (21.2.1848) · p. Seite 124

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 9 (21.2.1848)
Date
1848-02-21
Page
Seite 124 (sequence 6)
Language
German
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124 sich, die Ueberzeugung gewonnen zu haben, daß er, indem er für Lord I. Russell stimme, weder die Verfassung des Landes, noch die Kirche gefährde; erfreue sich um so.mehr, als man nirgends den Juden mehr Unrecht zu vergüten habe, als in England. Man lese über die Gräuel, welche die Christen gegen sie in früheren Jahrhunderten verübt hätten, nur Hume und Sharon Turner nach. Es sei zu bewundern, welchen Charakter trotz aller Verfolgung und Unterdrückung die Juden noch bewährt hätten. Er habe endlich noch einen besondern Grund, sich über dieses englische Judengesetz zu freuen. Die Juden würden noch in vielen Ländern unterdrückt, und künftig könne man sich dieser Grausamkeit wegen nicht mehr auf Englands Beispiel berufen. Englands Beispiel werde künftig ein Balsam für die unterdrückten Juden an allen Orten sein und vielfach Nachahmung finden. Aus allen diesen Gründen und vorzüglich, weil er nicht gleichgiltig gegen die Religion, sondern stolz darauf sei, zu einem christlichen Volke und zu einer christlichen Gesetzgebung zu gehören, wolle er seine Zustimmung zu einem Gesetze geben, das genau übereinstimme mit dem Geiste und den Lehren der christlichen Religion. Sir R. Peel setzte sich unter lauten und anhaltenden Beifallsbezeigungen. Kaum konnte noch Lord D. Stuart zu Wort kommen, welcher Herrn Newdegate's Behauptung zurückwies, daß Herr Rothschild große Geldsummen aufgewendet habe, um Bittschriften für die Bill zusammenzubringen. Das Haus beschloß mit 277 gegen 204 Stimmen die zweite Verlesung der Judenbill. *) London, 7. Februar. Der Kampf für die bürgerlichen Rechte der Juden wird im Parlamente jetzt bereits siebenzehn Jahre fast ununterbrochen geführt. Es war im Jahre 1830, als Huskiffon, der edle vorschauende Staatsmann, eine Bittschrift zu Gunsten der Juden von 2000 der angesehensten Einwohner von Liverpool überreichte und die Worte aussprach: „Die Menschen jüdischen Glaubens sind bis jetzt als Weltbürger betrachtet, die gar keinem Lande angehör¬ *) Die erste Abstimmung am 17. Dezember p. ergab 253 gegen 186, also eine Majorität von 67, die diesmalige 277 gegen 204, also eine Majorität von 73, also ist diese um 6 gestiegen. Während die verneinenden in der zweiten Abstimmung um 18 gestiegen, sind es die bejahenden um 24. ten. Ich hoffe, daß sie in Großbritanien eine willkommene Heimat finden werden." Im Jahre 1833 gelang es zum ersten Male, eine Bill .für die bürgerlichen Rechte der Juden durch das Unterhaus zu bringen; aber sie ward von den Lords verworfen. Dieselbe Bill hatte 1834 trotz aller Anstrengungen Lord Durham's kein besseres Schicksal. Das Oberhaus war damals erbittert durch die Einschüchterungen, welche man gegen dasselbe versucht hatte, und benutzte die nächste Gelegenheit, um seine Unabhängigkeit zu beweisen. Aus diesem Umstande wird es wenigstens erklärt, daß damals eine Mehrheit von 92 Stimmen gegen die Juden sich fand. Im Jahre 1835 gelang endlich die erste Maßregel für die bürgerliche Befähigung der Juden: sie wurden für fähig erklärt, Sheriff einer Grafschaft zu werden, und dieses hohe Ehrenamt ist seitdem in Kent, Middlesex und Buckingham von Juden, wie Sir Moses Montefiore und Baron Meyer Rothschild, zu allgemeiner Zufriedenheit bekleidet worden. Aber noch durften sie keinen städtischen Aemtern vorstehen, und die Wahl von Herrn Salomons zum Aldermann der City hatte keinen Erfolg, da die auf sein Gesuch vom Unterhause entworfene Bill im Oberhause durchfi'el. Sie ging erst 1845 durch. In den zwei Jahren, welche seitdem verflossen sind, wurden in London, Birmingham, Bristol und anderen Städten Israeliten zu städtischen Aemtern erwählt, und die Bürger von London gaben die erste frei werdende Aldermanskette Herrn David Salomons. Im Jahre 1846 wurden die Beschränkungen aufgehoben, welche auf den Schulen, Tempeln rc. der Juden noch lasteten, und sie mit den protestantischen Dissenters hierin auf gleichen Fuß gestellt. Am 16. Dezember 1847 endlich schlug Lord I. Russell die Maßregel vor, welche die Juden von ihren letzten bürgerlichen Unfähigkeiten befreit und ihnen das Parlament eröffnet. Im bürgerlichen Leben herrscht gegen die Juden in England schon lange nicht ein solches Vorurtheil, wie es sich in manchen anderen Landern noch vorfi'ndet. Die Schweiz. In der Sitzung des Großen Rathes von Basel am 7.Februar stellte Prof. Schönbein den Antrag, es möchte von Seiten von Baselstadt dahin gewirkt werden, daß folgende Bestimmungen bei Anlaß der

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