Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 9 (21.2.1848)
- Date
- 1848-02-21
- Page
- Seite 123 (sequence 5)
- Language
- German
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123 sprach zu Gunsten der Rech te der Juden. Die Bill sei nur eine nothwendige Folge aller der Maßregeln, durch welche man in den letzten Jahren die bürgerlichen Unfähigkeiten aus religiösen Gründen beseitigt habe. Bereits faßen'im Hause sechs Mitglieder aus jüdischem Blute und legten ein glänzendes Zeugniß für dieses wunderbare Volk ab. Das Christenthum werde durch die Bill nicht gefährdet; es fei durch keine Parlamentsakte gegeben und könne durch keine Parlamentsakte genommen werden. Herr Seymer meinte, selbst Lord I. Russell werde nicht seine eigenen Lehren über allgemeine Duldung ausführen wollen, denn sonst würde ein Jude auch König von England werden können. Herr Horsman fand einen Widerspruch darin, daß man Juden ohne Widerrede Rechte ausüben lasse, die ihnen geradezu Einfluß auf die christliche Kirche gäben; sie könnten, als Grundbesitzersogar Pfarren besitzen; und jetzt, wo man sie zur bürgerlichen Gesetzgebung unter eine große Mehrheit von Christen berufe, soll mit einem Male das Chrislenthum in. Gefahr sein. Er pries unter dem Beifalle des Hauses den persönlichen Charakter von Sir Robert Jnglis, einen Geist, der keine Furcht, ein Herz, das keine Bitterkeit kenne. Aber dennoch verbringe SirR. Jnglis fein ganzes Leben damit, die Schwäche seiner geliebten Kirche und deren möglichen Sturz zu verkünden. Herr. Spoon er griff besonders den berühmten geistreichen Macaulay wegen jenes Artikels in der „Edinburgh Review" an, worin dieser christliche Regierung und christliche Kochkunst als gleich verkehrte Ausdrücke neben einander stellt. Er drang auf die Minister, ein, Erläuterungen zu geben, als ein Mitglied rief: „Wo sind sie?" Das Haus lachte, denn kein Minister war auf seinem Platze. Herr Spooner beklagte sich, daß die Minister nicht einmal ihr eigenes Kind zur Taufe halten wollten. Herr Cockburn machte von Neuem darauf aufmerksam, daß es niemals ein Gesetz gegeben hätte, welches die Juden vom Parlamente ausschlösse. Ihre Ausschließung durch eine gegen die Katholiken gerichtete Eidesformel sei ein reiner Zufall. Er berief sich für die guten Folgen der Emanzipation der. Juden auf Holland, Belgien und Amerika. Herr G. Bankes sprach heftig gegen die Bill. Alle äußeren Angelegenheiten der Kirche dürften, wie er behauptete, künftig nicht mehr von einem solchen judaisirten Parlamente geordnet werden. Ob man etwa dafür eine Art von neuem Parlamente einführen wolle? Hierauf trat Sir Robert Peel, der bei der ersten Lesung seine Stimme schweigend -'abgegeben hatte, auft Er wolle jetzt angeben, weshalb er nach reifer Ueberlegung für Lord I. Russell stimme; nicht deshalb, weil die Religion Nichts mit der Regierung eines Landes zu thun hätte. Die Religion müsse vielmehr großen Einfluß darauf ausüben; aber gerade die Religion lege ihm die Pflicht auf, die Juden nicht von der Gesetzgebung ausschließen zu wollen. Er hätte keinen Beruf, die Juden Glaubensirrthümer wegen zu strafen. Noch weniger deshalb, weil ihre Vorvater Christum gekreuziget; denn Gott sage: die Rache ist mein. Bürgerliche Beschränkungen wären in der That nichts Anderes als Strafen. Lord Ashley habe sich auf Di\ Arnold berufen, der, obgleich ein duldsamer Mann, jenen Beschränkungen das Wort geredet; er wolle sich auf eine größere Autorität berufen, auf Lord Bacon, welcher behauptete, jeder, der in England geboren, besitze durch seine Geburt alle bürgerlichen Rechte eines .Engländers. Man hätte sich auf andere Unfähigkeiten berufen: auf Unmündige, Geistliche, welche ebenfalls ausgeschlossen waren. Aber das wären Redekünste. Wenn ein Jude unmündig sei, so sei er ebenfalls ausgeschlossen; es handle sich hier darum, ob ihn Ausschließungen deshalb treffen sollten, weil er ein Jude sei. Wegen seines Benehmens im bürgerlichen Leben, Thätigkeit, Verstand, Vermögen sei eine solche Ausschließung gewiß nicht gerechtfertigt. Das Hinderniß, welches sich den Juden entgegenstelle, sei der verlangte Eid beim Eintritte in das Parlament. Er habe in der Geschichte nachgeforscht über die Bestimmung dieses Eides und sei zu der Ueberzeugung gekommen, daß man sich durch diesen Eid nur der Unterthanentreue der Parlamentsglieder habe versichern wollen. Man führe gegen die Juden an, sie dürften im Parlamente nicht stimmen über Angelegenheiten der Hochkirche. Nun, doch am Ende ebenso gut wie der Quäker, welcher der Kirche nicht einmal Zehnten gebe, dessen der Jude sich nicht weigere. Ueberdies könnten die Juden bereits hohen bürgerlichen Aemtern vorstehen! Für die Kirche besorge er Nichts von ein Paar Mitgliedern des Unterhauses.. Die Kirche stände kräftiger da als je durch das in ihr erwachte innere Leben; sie wurzele in den Herzen des Volkes. Ihre Sicherheit beruhe nicht auf der Ausschließung des Herrn Rothschild. Er freue