Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 9 (21.2.1848)
- Date
- 1848-02-21
- Page
- Seite 122 (sequence 4)
- Language
- German
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122 wollte die Unfähigkeiten der Judengerade aus religiösen Gründen abgeschafft wissen. Das Reich Christi wolle nicht , von . dieser Well sein; das Christenthum hatte in seiner ersten, besten Zeit Nichts mit dem Staate zu thun gehabt und sei, sobald es Staatsreligion geworden, ausgeartet. Der Redner ging in eine rechtliche und kirchenrechtliche Untersuchung ein und behauptete, von einem christlichen Staate und einer christlichen .Gesetzgebung zu reden, sei ein bloßes Spiel mit Worten- Im großbritanischen Reiche lebten mehr als hundert Millionen Menschen, die keine Christen wären. In Indien ipäre jeder Eingeborne für fähig erklärt, die ersten Stellen zu bekleiden. Der Generalgouverneur könne ein Muhamedaner sein und alle seine Räthe Muhamedaner. Man habe diese Maßregel bewilligt, ohne davon zu sprechen, daß man das Reich entchristliche. HerrCochrane betrachtete die Gleichgiltigkeit, mit welcher diese Maßregel ausgenommen sei, für ein furchtbares Zeichen der Zeit. Herr Milnes nahm die Behauptung des Herrn Stafford auf, die ^uj)ep,-ryKxW. ^iM. yeMgt. Wenn sie nun aM^hre AusMießüng von burgtÄichen Rechten als eine Verfolgung ansähen? .Er wünschteeinen allgemeinen unverfänglichen Eid für Alle, welche ein öffentliches Amt übernähmen und schloß mit folgenden Worten: „Die Entschließung des Hauses über diese Frage wird einen wichtigen Einfluß ausüben nicht blos in England, sondern auch in fremden Ländern. Während der letzten Sitzung des preußischen Parlamentes erregte die Frage über die Emanzipation der Juden in diesem großen und mächtigen Staate ein bedeutendes Interesse. Es wurde bei dieser Gelegenheit entschieden, daß die Juden zu gewissen öffentlichen Aemtern sollten zugelassen werden, und die Einwürfe gegen ihre völlige Emanzipation erlangten eine Mehrheit von nur 27 Stimmen. Da es sich in diesem Augenblicke um die Freiheit so zahlreicher Genossenschaften in fremden Landern handelt, so ist es sehr wünschenswerth, daß wir unser moralisches Gewicht in die Wagschale der gerechten Sache werfen. Wenn das Haus die Emanzipation der Juden beschließt, so steht zu hoffen, daß keine andere Autorität sich gerecktfertigt hält, die Thür des Parlaments vor einem Manne zu verschließen, der durch das Volk von England gewählt ist und gebilligt durch das englische Haus der Gemeinen." (Hört! Hört!) Lord Mahon, der Geschichtschreiber, erklärte sich gegen die Bill, nach deren Annahme man das Parlament öffnen müsse für allerlei Volk, das unter dem Himmel, wohnet. Sir W. Molesworth hielt eine mit lautem Beifalle aufgenommene Rede, in welcher er den Rechtspunkt zu Gunsten der Juden auslegte und darauf aufmerksam machte, daß eine Abweisung des Herrn v. Rothschild nur dessen Wiedererwählung zur Folge, haben würde. Uebergll, wo Juden verachtet und unterdrückt wären, in Deutschland und Polen,, in Rußland und Kleinasien wäre die Wahl der City von London mit Freuden und Triumph begrüßt; denn die Zulassung in das britische Haus der Gemeinen werde mit Recht als eine höhere Auszeichnung betrachtet, als irgend ein Titel oder eine Ehre, welche Monarchen zu ertheilen im Stande waren. Herr Walpole sprach gegen die Bill, da das Christenthum ein Grundsatz des Staates sei. Die Juden hätten keinen Theil am englischen Staate, sie dürften kein anderes Land das ihrige nennen, als das Land der Verheißung. Herr Shiel, der blinkende Redner des grünen Erin, bot seine ganze Beredtsamkeit für die Juden auf als Einer, der selbst wisse, was Unterdrückung sei. Um Mitternacht ermüdete noch Herr Newdegate die ausharrenden Mitglieder mit einer Rede, die wenig Neues enthielt, als die Behauptung, daß ein reicher Jude es sich viel Geld hätte kosten lassen, Bittschriften für die Juden zu Stande zu bringen. Die Verhandlung ward vertagt. Am 9ten fand die Fortsetzung der Debatte nicht statt. London, 12.Februar. Sitzung.des Unterhauses vom Ilten. Da im Unterhause die Judenbill an der Tagesordnung war, so war der Zudrang lebhaft. Es wurden eine Menge Bittschriften eingereicht, unter anderen auch eine, die von 6000 Wählern in Westminster unterschrieben war. Herr Charles Pearson, bekannt als Gegner der abgesonderten Einsperrung der Gefangenen, sprach für die Judenbill, da es ein allgemeines Menschenrecht sei, Gott auf die Weise zu verehren, welche Jedem die beste dünke, ohne daß er Anderen davon Rechenschaft abzulegen schuldig sei. Lord Drumlawig sprach gegen die Maßregel, von welcher er behauptete, daß sie Lord I. Russell durch seine Wählerschaft in der City aufgebürdet» seft Herr William Cowper, einer der Lords der Admiralität, ein milder, für jeden Fortschritt der Menschlichkeit sich lebhaft interesflrender Charakter,