Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 9 (21.2.1848)
- Date
- 1848-02-21
- Page
- Seite 120 (sequence 2)
- Language
- German
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120 Herzöge und Republiken; kleine Städte hielten ihren Skegertauf auf; mitten im Kampfe erwarben Venedig und Genua die Herrschaft der Meere. Die französischen Prinzen schwanden immer wieder spurlos aus Italien, und neben dem Schaffst des letzten Hohenstaufen dehnt sich auch das Feld, wo des französischen Kaisers Schwager durch die Kugel siel. So zeigt uns Italien bis in die neueste Zeit das eigenthümliche Schauspiel, immer von Fremden bekämpft und beherrscht zu sein, und dennoch mitten hindurch seine Unabhängigkeit sich bewahrend. Eine eigenthümliche Stunde ist jetzt über Italien gekommen. Den Glockenschlag dieser Stunde schlugen die Glocken Rom's an, als sie die Wahl Pius des IX. verkündeten. Von da an batikt sich eine Auferstehung, hie, lang vorbereitet, jetzt in die Wirklichkeit trat. Die Stunde ist noch nicht vorüber. Blicken wir auf den Augenblick hin; was sich noch weiter daranreiht, wer kann es wissen? Sizilien in Aufstand, um selbstständig zu werden in der Konstitution von 1812. Neapel soeben von seinem Könige mit einer Konstitution begabt. Im Kirchenstaate durch eine Staatskonsulta eine Zwischenstufe errichtet. In Toskana und Sardinien die ersten Schritte zu einem italischen Verbände geschehen. In Parma und Modena die alte Gestalt festgehalten. In Oberitalien Aufregung. Mitten zwischen Allen die kleine Republik Marino unbewegt in ihrem Felsenneste. Und in dieser großen allgemeinen Angelegenheit stehet als ein kleiner, aber nicht vereinzelter Punkt die bürgerliche Verfassung der Juden. Die soeben verkündete Konstitution Neapel's spricht in ihren ersten Paragraphen aus: „Die einzige herrschende Religion des Staates ist die römisch-katholische und apostolische, und kein andrer Kultus wird geduldet." Also nicht einmal Duldung, wie doch in so vielen Staaten, in welchen die katholische Kirche „die einzig herrschende" ist! Die Existenz von 2000 Juden im Neapolitanischen ist übersehen, oder vielmehr ihre Leiber werden geduldet, aber ihr Kultus soll nicht geduldet werden. Richtig ihr „Kultus", denn glücklicher Weise ist über das Bekenntniß Niemand Herr, das muß man schon „dulden", man mag wollen oder nicht. — Im ganzen übrigen Italien — außer der Lombardei — überall für die Juden nur — Ghetti's. Nur Bologna hat das Ghetto neuerdings geöffnet. Mit dem einzigen Worte Ghetto ist Alles gezeichnet. Es bedarf Nichts weiter um die Lage zu schildern. In Rom wollte der Papst das Ghetto öffnen, das Volk wollte nicht. Es unterblieb. Aber es war nur um einige Wochen zu früh. Jetzt will es das Volk, möchte doch die Regierung es noch wollen. Jetzt fordert das Volk sogar „die Emanzipation der Juden", aber es ist nicht glaublich, daß die Regierung will. Die Juden wollten in die Civkca (Natkonalgarde) treten, die Regierung wollte nicht. Aber ihr Geld nimmt sie bereitwillig an. — In Toskana Petitionen um die Gleichstellung der Juden. Livorno und Florenz petitioniren. Der Marchese d'Azeglio petitionirt, und vier Bischöfe unterschreiben es. Derselbe schreibt auch eine scharfe Broschüre zu Gunsten der Juden. Es sind dies Kundgebungen, einige Folgen müssen sie haben. So bietet die glückliche Halbinsel jetzt einen eigenthümlichen Anblick dar. Die Entwickelung wird nicht fehlen! Die Unterstützungskaffe für Wrttwen und Waisen jüdischer Geistlichen. Es sind uns zu der in No. 5 gegebenen Ansicht über dieses Institut mehrfache Bemerkungen ekngesandt worden, welche aussprechen, daß durch diesen Artikel die Ausführbarkeit um Vieles näher gebracht worden, jedoch nicht alle Punkte desselben billigen. Wir sind es ganz zufrieden, somit den von Freund Fo rmsiecher gegebenen Anstoß weiter gefördert zu haben, müssen aber die Einsender um Nachsicht bitten, wenn wir, beschränkten Raumes wegen, ihre Bemerkungen hier nur gedrängt wiedergeben, da noch dazu der Gegenstand bei der Diskussion der Statuten weiter verhandelt werden muß. Zuerst HerrOberrabinec Kahn zu Trier. Erbemerkt: 1) daß die Beitrage nach dem Verhaltniß des Alters erhöht werden müssen, da oft alte Rabbinen junge Frauen in zweiter Ehe und viele Kinder haben, die gegen 10 Thtr. Beitrag der Kasse bald unerschwingliche Ausgaben aufbürden würden. 2) daß für 10 Thlr. nur die Frau, jedes Kind für 5 Thlr. außerdem in die Kasse eintreten müsse, dagegen die Waisen bis zu ihrem 20stm Jahre unterstützt werden sollen. 3) Im Falle die Kasse die Erfordernisse nicht decke, solle nicht eine Erhöhung der Beiträge eintreten, sondern die vorhandene Summe der Beiträge und Zinsen solle unter die Berechtigten getheilt werden, da sonst die Beiträge zu hoch kommen könnten. 4) Sollten auch die geprüften und definitiv angestellten Lehrer, aber nur mit der Halste der Beitrage und Unterstützungen sich betheiligen können.