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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-02-14 · Heft 8 (14.2.1848) · p. Seite 111

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 8 (14.2.1848)
Date
1848-02-14
Page
Seite 111 (sequence 9)
Language
German
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111 sehr anregend sind und, über^marrche dunkele Partieen der ältern israelitischen'Geseichte Helles Licht werfen. Auch -ist. der darin..herrschende unbefangene Freimuth des Herrn vr. Fr. über die Abfassungszeit mancher biblischen Bücher.sehr zu loben. Die wissenschaftlich gebildete Jugend mag hieraus entnehmen, daß man religiös-konservativ sein kann, ohne der Kritik Hohn zu sprechen; im Gegentheil muß die Ehrfurcht, für die Religion -sich nur steigern, wenn der wissenschaftlichgebildete Geist die hohen Vorzüge jener ulten Urkunde, trotz aller-kritischen Sichtung, unbezweifelt anzuerkennen sich gedrungen.fühlt.?- . Nicht minder verdienen die Vorlesungen eines hiesigen christlichen. Gelehrten, des Dr. theol. Böttcher, „über die Poesie der Bibel", welche derselbe vor einem großemgebildeten Auditorium hält, in diesem Blatte erwähnt zu werden, dasolche Vorträge Gelegenheit bieten, das christliche und jüdische Publikum mit den alten geistigen Schätzen unserer Vorfahren wieder bekannt zu machen. Herr vr. Böttcher stellt hierbei das alte Jsraelitenthum in sehr würdigem-Lichte dar und verschmähet auch nicht, wo es zum bessern Verständniß ersprießlich, die Schriften der jüdischen Gelehrten als Erläuterung anzuführen. —. In einer der jüngsten Vorlesungen dieses Gelehrten ward „das Siegeslied der Debora" von der ersten tragischen Künstlerin der hiesigen königl. Hofbühne, Fräulein Berg, mit deklamatorischer Chorbegleitung (nach Art des Chors in „der Braut von Messina") rezitirt, welches eine sehr erhebende Wirkung hervorbrachte. Allerdings mochten viele Zuhörer (leider wol auch Juden) .nicht geahnt habendaß unsere Vorfahren schon vor mehr als dreitausend Jahren im Besitze einer Dichtung waren, welche die gebildete Welt noch heute entzückt. — Ich berichte deshalb hiervon in diesem Blatte, um meine'Mitbrüder zum Studium unserer alten Urkunden anzüregen; je mehr wir von dem hohen innern Werthe derselben uns überzeugen und andere Glaubensverwandte davon überzeugt zu machen uns bestreben, desto mehr wird auch die Achtung für uns sich steigern. Eine Negirung des Judenthums hingegen, wie sie von Radikalen und Indifferentsten jetzt zur Schau getragen wirdträgt nur dazu bei, uns noch mehr herabzusetzen. Diese Erfahrung hat sich schon häufig bewährt. — Ueberhaupt ist bei den jetzigen kirchlichen Wirren dem. Juden' bessere Kenntniß seiner Religionsschristen um so nöthiger, weil selbige häufig von ignorantischen oder übelwollenden Neuerern angegriffen werden. Der Jude sichet sich nun zwischen zwei Feuer; gegen die alte christliche Orthodoxie schützte er sich mit-dem Schilde der Aufklärung, aber gegen diesen neuen Gegner sichet er sich rechts und links um, und weiß nicht, wie er ihm beikommen soll, wenn er nicht im Stande ist, dessen Unkünde darzustellen. — Dies veranlaßte auch jüngst den Dr. Beer allhier zur Abfassung einer Schrift „die freie christliche Kirche und das Judenthum"- (Leipzigshei Hunger), gegen die Angriffe R ong e's, welche Ihren Lesern wol schon bekannt sein wird. . Hebet die Absichten unsrer Staatsregierung, die Vorlegung eines Emanzipationsgesetzes bei nächstem (im September d. I. zw eröffnenden) Landtage betreffend, verlautet noch nichts Bestimmtes. — Die öffentliche Meinung scheint sich, nach einigen Symptomen, jedoch günstiger zu gestalten. So bewilligten die hiesigen Stadtverordneten ohnlängst einem berliner Fabrikanten israelitischer Religion das Niederlassungsrecht allhier^ fast ohne Opposition, welches bis jetzt noch nicht vorgekommen ist. Einem Rechtskandidaten israelitischer Religion,, welcher erst kürzlich seine. Studien beendet hatte, wurde der Akzeß beim hiesigen Stadtgerichte ertheilt. '; Regensburg, 23. Januar. (Reg. Z.) Die wichtige Frage über die staats- und gemeindebürgerlicheGleichstellung derJsraelitenmit derchristlichen .Bevölkerung ist dem Vernehmen nach auch von dem hiesigen Magistrate zu Gunsten der Ersteren bevorwortet wordem Die frühere feindselige Gesinnung gegen die Juden ist fast gänzlich verschwunden; man hält es jetzt für unwürdig, Jemanden wegen seines Glaubensbekenntnisses von der Eheilnahme; on den allgemeinen bürgerlichen Rechten auszuschließen oder deren zu beschränken. Mannheim, 28. Januar. (Privatmitth.) Die jüngsten Vorfälle in der hiesigen Bankierwelt, der Fall eines geachteten Hauses, durch den leider! sehr viele Bürger benachtheiligt worden sind, haben die Stimmung der hier sonst so liberalen Bürger gegen die Juden eingenommen, und die Petition der Bürgerversammlung, in welcher auch die Gleichstellung der Juden gefordert wird, ist darum nicht so zahlreich unterzeichnet worden, wie es unter anderen Umständen 8*

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