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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1848-02-14 · Heft 8 (14.2.1848) · p. Seite 106

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
12 (1848)
Issue
Heft 8 (14.2.1848)
Date
1848-02-14
Page
Seite 106 (sequence 4)
Language
German
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106 Sie, das heißt: dem Interesse eines kleinen Bcuchtheils vom Volke, nämlich der bevorrechteten Zünfte u. f. w., das Interesse des gesammten Landes opfern, nicht aber wenn die Juden emanzipirt und dadurch allgemeine Regsamkeit und Wetteifer erzeugt wird.... „Von Seiten der Juden aber ist es die trennende Mauer, die zwischen ihnen und unserm Volke besteht, diese gemeine übermäßige Gewinnsucht, dieses Aufdringen und Zureden beim Handel u. s. w., die all' unsere Juden vom Ersten bis zum Letzten charakterisirt." Das heißt nicht den Nagel auf den Kopf schlagen, sondern ihn auf den Kopf stellen! Seit 60 Jahren bitten und bitten die ungarischen Juden: Hebet doch die Scheidewand auf, daß wir aus unsrer Absonderung erlöset werden und uns unseren christlichen Brüdern nähern können! Und Sie kommen heute endlich mit der genialen Idee: den Christen könnt ihr euch nicht nähern, denn die Scheidewand ist zwischen ihnen und euch! Ist das nicht der sinnloseste cireu1u8 viciosus?!... „Aber die unmäßige Gewinnsucht des Juden, seine unrechtmäßigen Praktiken beim Handel u. s. w." Ich will diese Fehler alle zugeben, zugeben sogar (aber nicht zugestehen!), daß diese sich wirklich bei allen ungarischen Juden „vom Ersten bis zum Letzten", wie Sie sich auszudrücken belieben, finden: liegt aber die Ursache dieses Uebels am Juden? Durchaus nicht! Sie liegt einzig und allein in den gedrückten Verhältnissen des Juden, in den fast unübersteiglichen Hindernissen, die ihm bei jedem andern Erwerb vor die Füße gerollt werden und ihn — ob Geld, Mittel und Lust dazu vorhanden, ob nicht — zum Handel zwingen. Ein hiesiger Jude besitzt z. B. ein Vermögen von 2OO Fl. oder auch — gar keines. Der Christ würde unter solchen Umständen vom Tagelohn, als Karrenzieher u. s. w. fein Brod sich erwerben, würde aber nie auf Handel verfallen. Das muß jedoch der Jude. In Ungarns liberalen k. Freistädten, besonders in Pesth, kann der arme Jude nicht einmal Kutscher, Karrenzieher, Holzhauer u. dgl. werden. (O 19. Jahrhundert!) Er muß also noievZ volen8 das Bündel schnüren und — hausiren. Und soll er auf diese Weise von seinem kleinen Vermögen oder von den wenigen ihm geborgten Maaren sich und seine zahlreiche Familie erhalten können, ist es unumgänglich nöthig das kleine Kapitälchen in ewiger Bewegung zu erhalten und selbes durch 70—100maliges Ein- und Verkaufen im Jahre möglichst hoch zu verzinsen. Ist er dann zu verdammen, wenn er unermüdlich lhälig im Handel.und kein Mittel scheuet und keinen Kunstgriff spart und keine Ueberredung unversucht läßt, um nur seine Maaren je eher desto lieber an den Mann zu bringen??... . Gegenwärtige Schrift ist Ihr Jungfernwerk. So sagen Sie im Vorworte. Und sagten Sie es auch nicht, wir hätten dies aus dem unlogischen Jdeengang und der ungehobelten, oft sinnlosen Sprache zur Genüge entnommen. Um so mehr wundert es uns aber, daß. sie das Umspringen mit der Wahrheit, ein gewisses Vertutscheln u. s. w., das sonst nur geübteren Schriftstellern eigen zu sein pflegt, so oft in Anwendung bringen. Fönyes gilt Ihnen als heilige Autorität, wenn seine Angaben und Ansichten von 1840 — wo er noch ein entschiedener Gegner der Emanzipation war — in Betracht kommen (S. 36, 37). Wenn .er aber im Lauf der letzten 6—7 Jahre seinen Jrrthurn erkannt und.1847 offen eingestehet, daß die Vorwürfe von des Juden Wucher u. dgl. unhaltbar und die betreffenden liebes nur durch völlige Emanzipation geheilt werden können, so wird er Ihnen bereits verdächtig und Sie.können sich mit seinen Angaben durchaus nicht mehr befreunden (S. 40, 41)! Der Wucher gilt Ihnen—mit Recht — als das abscheulichste Verbrechen, das zu verhindern nicht genug judenbeschränkende Gesetze erlassen werden .konnten und sollten. Wenn aber nun Fenyes in seinem jüngsten Werke, Kossurh an der Standetafel und andere gewichtige Männer an anderen Orten es affen aussprechen: der ungarische Christ treibe in eben demselben, wenn nicht noch größerm Maaße Korn- und Geldwucher; wenn es offenkundiges Faktum, , daß in dem letzten Mißjahre die bedeutendsten Getceidevorräthe bei höchst angesehenen Christen aufgespeichert waren, die selbe in Erwartung höherer Preise fest verschlossen hielten, wahrend vor ihren Augen Tausende des qualvollsten Hungertodes verblichen; wenn es allbekannt, daß nach dem jüngst, erfolgten Ableben der höchsten geistlichen Würdenträger Ungarns — deren heiligste Pflichten doch apostolische Armuth, christliche Barmherzigkeit und gottsohnahnliche Menschenliebe sein sollen — viele tausend Metzen verdorbenen Getreides weggeschüttet werden, mit welchen — zur Zeit um den gehörigen Preis, verkauft — vielleicht alle jene Elenden in Trentschin, Acva und Liptau, denen Heuer die Noch das Leichentuch nahete, dem Leben hätten erhalten werden können; — wenn Ihnen diese Daten in's Gedächtniß kommen, obwol Sie Solche-anzuführen wohlweislich unterlassen,, da ziehen Sie andere Saiten auf und klügeln (S. 41): Wenn wir die Sache streng recht-

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