Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 8 (14.2.1848)
- Date
- 1848-02-14
- Page
- Seite 105 (sequence 3)
- Language
- German
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105 von Gesetzendie vor vielen Jahrhunderten tzeg'en-der Juden .Betrügereien -erlassen sein so l l en (daß deM^ nicht wirklich so, habe ich bereits gezeigt!) Beweise herholen, daß sie noch heuteBetrüger u.: st-w^ und-darum staatsgefährlich., sein .müssen? : Nach derselben Logik konnte ich sagenrrWeil. .St'jStefan nölhigsänd^den-Diebftahl ungemein hart, zu bestrafen/ nämlich das erste Mal mit Nasen-, das zweite mit Ohrenabschneiden ulld-rdas dritte mit dem Tode; (veertr. lib. IIcap. 39.), so wüssen noch heute alle Ungarn — Diebe sein!.'.^- Aber heißt das nicht den Fortschritt , der Zeit total verkennen, zu hehauplen: Weitudie Stande 1791 den Juden keine völlige Emanzipation geben wollten/ fest heute vorzeitig? Mit demselben Rechte-könnte Ich sagen: Weil die Stände, vor .60 Jahren blos--zrrr Bequemlichkeit jener Individuell, dLe-ebenidie. ungarisch^Sprache lernen wollen, anordneten: ul in 6ymnasii8,. ^esäomiis et ilniversitate Uungariea pecüliaris Professor Linguae et Styli hungarici constituetur. (1.790: 46), sei die- Einführung des Ungarischen als allgemeiner Unterrichts- und Gefetzesspcache noch heute vorzeitig und müsse äd caleridas -graecas verschoben werden!!. .v- In der Geschichte -sind Sie, v. H4 also, nicht sehr fest beschlagen und bieten nächst der Achillesferse noch manches andere verwundbare Fleckchen dardas wir aber großmüthigst unbenützt lassen wollen. Prüfen wir jetzt den Goldgehalt Ihrer aus der Gegenwart geholten Argumente gegen die Emanzipation.- Jch-fürchte sehr, daß auch diesem aufder Gerechtigkeitswage zu-leicht befunden werden, dürften. - Bor Allem : Sie haben nicht einmal, den .Begriff der-Emanzipationrecht erfaßt und zittern wie ein stümperhafter: Geistecbeschwörer - vor dem Gespenst, das Sie selbst, geschaffen. ---Der ungarische Jude will emanzipirt, d. h. entknechtet, von den besonderen Banden und . Lasten,, die ahn außer den allgemeinen noch drücken,, befreiet und als Stadtbewohner dem christlichen. Stadtbewohner, als - Grundeigenthümer dem christlichen.Grundeigenlhümer, als Feldbauer dem christlichen Feldbauer,, uls. Handwerker: dem christlichen Handwerker. u. st: w. . gleichgestellt werden. Hiermitsagt ec aber noch. ..keineswegs::.der gegenwärtige Zustand dieser Volksklaffen. habe in Ungarn bereits das-Nonplusultra des Wohlseins..erreicht. und:.bedürfe, .keiner -Verbesserung mehr. Und. wenn M-um Aufhebung-der beschränkenden AusNahmsgesetze.:bittetso verlangt er damit keineswegs, über das..Gesetz,, resp. über alle übrigen Landeseinwohner, sondern eben unter .das allgemeine Gesetz gestellt, und mit lallen anderen Landeskindern.gleichberechtigt zu werden. Ganz - inhalts- und gewichtlos ist daher Ihr stetes Jammern und Schreien (S< 19—21): der Staat könne-seine Viertelmillion-jüdische Einwohner nicht emanzipiren, weil seine 9 Millionen-christliche Unterthanen ebenfalls eine Verbesserung ihrer Lage dringend fordern. - -Aber wird denn diese dringend nöthige Verbesserung durch die Emanzipation der Juden etwa rückgängig oder gar unmöglich gemacht? Nicht im Entferntesten! Freilich meinen Sie (S. 18, 19): ,>Der jüdische Meister sei schon heute vor dem christlichen begünstigt, weil Letzterer erst bei der Zunft bestehen müsse, wovon aber Ersterer befreit ist."- Warum aber? weil ihn die Zunft — bestände er die Probe auch am Glänzendsten — d urchaus - nicht aufnehmen und als Meister anerkennen wollte!- So hatte auch im Mittelalter jeder Nichradelige das Privilegium sich bei Turnieren keiner- Adelsprobe unterwerfen zu müssen, weil —man ihn durchaus nicht In-die Schrankeneinließ. -Ich glaube aber kaum/ ob je .die Adeligen über dieses Vorrecht (?) dev Nicht-adeligen Beschwerde geführt.... --- --- „Gehen wir weiter — sagen Sie (S. 35) -—ist in Ungarn schon Zeit zur Emanzipation? ich glaube: -nein. Die eine Ursache hiervon liegt im Volke, wie andre weit größere aber im Juden -selbst. Unser Volk besitzt noch nicht >genuA Bildung, um mit den Juden konkurriren zn können, hat noch-mehr Abals-Zuneigung zum Handel, liebt'-mehvi das- Faulenzen als den Fleiß u. f. w. u. s.-w." Wahrlich,- eine-sonderbare Politik das! In England, Frankreich, Belgien und anderen Landern ist bereits zur- Gemeinübeczeugung geworden die Ansicht: das Erblühen des Ackerbaues und der Jndustrie/Hmittelbar der Gesammtwohlfahrt des Landes-ist nur durch möglichst freie Konkurrenz - erreichbar. Diese Ueberzeugungward auch zur Thal durch Abschaffung der -Zünfte und ähnlicher Institute.-Und überall offenbaren sich die glänzendsten Resultate dieses-Schrittes-, so daß selber bereits auchan-Landern wie - Oesterreich-Nachahmungzu finden beginnt Ungarn aber, Vas in Ackerbau,Handel-und Industrie noch sehr niedrig steht-und der tüchtigen Köpfe und-fleißigen Hände hier sehr bedarf,- Ungarn, das-Un Allem--rasch fortkommen und dem vorangeschrittenen Zeitgeist mit-Siebenmeilenftiefeln Nacheilen will, Ungarn soll keine freie Konkurrenz gestatten, soll den Müßiggang/'die Talentlosigkeir-und das Faulenzen privilegicen, indem es den Fleißigen, Talentvollen -und Arbeitsamen alle Mittel und Wege, ihre Geistes- und Körperhafteder Beförderung des Gesammtwohls zu weihenabschneidet.^- Sehen