Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 12 (1848)
- Issue
- Heft 8 (14.2.1848)
- Date
- 1848-02-14
- Page
- Seite 104 (sequence 2)
- Language
- German
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104 wie wenig Sie mit der Politik — Ihrer angeblichen Führerin .-^7^-vertrauet sind.. uyd^wie.sehr es Ihnen 'an) k^areniöjegciffoi zfehtt M^er Gegenfland, in -welchem Äe Ungarns weiten 'Äta Äs männern Rath und'-ÄM sunz errheilen wollen. Sie fragen (S. 15): „1) Kann man bei uns die Juden emanzipiren? und wenn nicht, 2) warum? oder-3) könnten sie sich nicht mit den gegenwärtigen Freiheiten noch ein halbes oder ganzes Jahrhundert begnügen?"-. Ist aber einmal die erste Frage verneinend beantwortet und die Unmöglichkeit der Emanzipation ausgesprochen, — natürlich wohl motivirt, da ein rundes Nein nichts weniger als eine.staatspolitische Antwort ist — so kann weder die zweite Frage — warum? — noch weniger aber die dritte mehr stattfinden. Denn; können' die Juden nicht emanzipirt. werden, so müssen sie L lout prix in ihrem gegenwärtigen Zustand bleiben, wenn sie nicht ganz zustandlos werden sollen.... Zur Begründung Ihrer Ansicht von der Unzweckmäßigkeit oder „Unmöglichkeit" (S. 45) der Emanzipation in Ungarn soll die Vergangenheit , wie die Gegenwart Belege liefern. Betrachten wir jede dieser zweifachen Beweisarten besonders. Sie führen sammtliche vom 11. bis zum 18. Jahrhundert zur Beschränkung des ungarischen Juden erlassenen Gesetze an, und diese sollen beweisen (S^ 28, 29): 1) „Seit die Juden Ungarn bewohnen, waren sie immer — Juden." Diesem Ausspruche weiß ich durchaus keinen vernünftigen Sinn beizulegen, wenn er nicht ganz dasselbe wie das nachfolgende Nr. 2 sagen soll und also ein völliger Pleonasm ist.-;:.. 2) „UnsereJudenheit bestrebte sich immer,.ihren besonder» Charakter, ihre Sitten, Gebrauche,. Absonderung u. -s. w. aufrecht zu erhalten." Das beweisen die alten Gesetze durchaus nicht, sondern — gerade.das Gegentheil! Nicht der Jude suchte sich abzuso.ndern, sondern der Staat-suchte ihn schon damals von sich zu stoßen. Wenn. St. Ladislaus (veertr. UL. I. cap. 10.) den Juden verbietet christliche Frauen zu heirathen; .so zeugt das wol Unverkennbar, daß^ die Juden sich nicht absondern, sondern? mit-den-übrigen Landesbewohnern die nächste und engste Verbindung eingehen wollten. Wenn Koloman (veertr. Ich. I. cap. 74. 75.) den Juden verbietet christliche Sklaven zu halten, oder diese beim Ackerbau zu verwenden:, so.zeigt dies unverkennbar, daß sie auch damals schon nicht ausschließlich dem Handel und. Wucher, sondern - auch dem Feldbau oblagen,- .-man sie aber hierin — lout comme chezaous — allseitig zu beschränken suchte..-.. 3) „Die Haupteigenschaften des Handels: Verstellung, schlaue und heuchlerische Kunstgriffs imm^mMKöß-ten>Maaßr.Ll-m unft^Vv^^dn dief^geüschhfteiü^u^ schKtzeri,- wurÄn die Judengesetze LadMaÄs'' und Koloman's erlasst" Welche? Die von Ihnen angeführten Gesetze dieser Könige und welche wir bereits.berührt, sprechen hiervon nicht das - Geringst^ÄäHem^ Gegentheil andere diesfällige Gesetze Koloman's, z. .B. II. 2.: vc muluis Cbri- Ltisnorum 6tr-hÄA0oruMII,zH.-r -De^rtiptionibus et vendilionibus ChrisLianorum; et Judaeörum, unwiderlegbar beweisen,. daß man es ebenso nöthig fand, den Juden wider des Christen Betrügereien zu schützen, als diesen vor denen des Juden.... 4) ,,Jhr eignes Interesse wußten sie immer auch ohne Schutz des Gesetzes zu. wahren) so rissen sie die bedeutendsten? Äemter an sich und das schuf den-24. Art. der goldenen Bulle." Wenn Sie die ungarische Geschichte unter Andreas II., besonders bei dem gründlichen Katona (Hist, pragm. Hungariac. S. I. Diss. 24. S. 780—2. vgl. auch deicnkor- 1848. Nr. 11), mit. Aufmerksamkeit lesen, werden Sie sich-, bald belehren, oaß nicht eben der Juden- Schlechtigkeit, sondern mehr der Fanatism und das Interesse der Geistlichkeit die beschränkende Maßregel ' gegen'^ die JuM' hervo.rriefen.... 5) „Gegen die ausdrückliche Anordnung des Gesetzes bereicherten sie sich auf. Kosten Anderer. Dies -erzeugte Bürgerkrieg (Islenem!). - Der gute König konnte'das nicht ertragen und vertrieb sie aus dem Lande." Man lernt wahrlich doch viel bis man 70 Jahre alt wird! Ich studireseit einigen Jahren fleißig ungarische Geschichte, habe aber trotzdem noch nie Etwas von einem Bürgerkrieg, der unter Ludwig dem Großen durch der Juden Habsucht herbeigefühct worden sei, gelesen! Wollten Sie mir nicht gefälligst die Quelle dieser..interessanten historischen Neuigkeit aygeben?.. . So viel ich aus den Quellen gelernt undan, einem.aydern Orte (f. Magyar-zsidö evkönyv. I. S. 215) ausführlicher gezeigt, vertrieb Ludwig die Juden nur aus Fänatism^ 'weil sie sich nämlich seinen Bekeh'rüngsversuchen fticht^schchiegen wollten. Aber "man 'schämt sich, auf Ludwig ßem Großerl diesen Flecken deManaiism haften zu'lassen,' auch braucht man historische Belege gegen die Juden) 'man schlägt also zwei Fliegen mit einer Klatsche und Ludwig must die Juden wegen ihrer Habsucht und des hierüber im erfindungsreichen Gehirne des Herrn G. Fülepp entstandenen Bürgerkrieges vertrieben' haben. Das heißt aber nicht Geschichte schreiben, sondern machen!-... Und ist es nicht im Allgemeinen lächerlich und sinnwidrig,-